Die Rezension (1): Abgrenzung zu anderen Formen der Literaturkritik

Die Rezension als wichtigste literaturkritische Form ist zugleich ihre wandlungsfähigste. Deshalb soll sie in einer Artikelserie hier im BuchTest Blog ausführlich und von den unterschiedlichsten Standpunkten aus untersucht werden. Dabei fließen sowohl praktische Erkenntnisse aus der Rezensions-Tätigkeit für BuchTest als auch Ergebnisse einiger Forschungen mit in die Diskussion ein. Wir hoffen auf kritische Beiträge Dritter und einen angeregten Diskurs. Alle Einschätzungen sind als persönlich zu werten, auf Widerspruch wird dabei geradezu gehofft. Die thematische Reihenfolge ist eher willkürlich, denn systematisch.

  1. Abgrenzung zu anderen Formen
    der Literaturkritik
  2. Rezensionskriterien
  3. Buchbesprechungen im Web (2.0)
  4. Buchkritik im Web (2.0) aus
    SEO-Sicht

Am heutigen Anfang steht der Versuch einer Abgrenzung zu anderen Text-Formen der Literaturkritik. Die Definitionen wurden im Rahmen einer empirischen Studie zur “Sach- und Fachbuchkritik” von Felix Struening erarbeitet.

Die Rezension ist ein Text, der ein Buch darstellt und wertet. Dabei können Bezüge auf den Kontext jeglicher Art sowie den Autor und dessen Werk genommen werden, das diskutierte Buch muss jedoch im Vordergrund stehen. Nicht unterschieden wird zwischen Rezension und problemorientierter Rezension, solange das besprochene Buch von der Textmenge überwiegt. Dominiert der Kontext, handelt es sich um einen Bericht.

Eine Sammelrezension bespricht mindestens zwei Bücher. Sie stimmt mit den Kriterien der Rezension weitestgehend überein.

Die Kurzkritik entspricht den Merkmalen einer Rezension, als Grenzmarke für den Umfang werden 2300 Zeichen festgelegt. Es muss eine Wertung des Buches erfolgen, allerdings keine Begründung dafür.

Buchtipps sind lediglich vorstellende und empfehlende kurze Texte, die nicht explizit werten, sondern nur darstellen. Die Wertung erfolgt durch Selektion.

Bestsellerliste und Bestenliste sind nur unter sehr allgemeiner Betrachtungsweise Formen der Literaturkritik, da für Bestenlisten meist keine Begründung der Wertung erfolgt und für Bestsellerlisten nicht notwendig ist.

Autorenportraits werden vor allem bei Geburtstagen, Tod und Todestagen veröffentlicht. Dabei überwiegt meist der biografische Anteil, nicht immer wird ein aktuelles Buch besprochen.

Das Interview ist ein Gespräch mit dem Autor oder Verleger eines besprochenen Buches, dabei wird dieses darstellend oder wertend erwähnt.

Ein Expertengespräch findet mit einem Kritiker oder einem Fachmann zum jeweiligen Thema des Buches statt.

Bei Bericht und Lesung steht meist das Ereignis selbst im Vordergrund der Berichterstattung. Es kann aber darstellend oder wertend auf ein Buch eingegangen werden. Berichte können dabei problemorientierten Rezensionen sehr ähnlich sein.

Der Abdruck eines Werkes oder eines Auszuges sowie der Fortsetzungsroman sind eigentlich keine Form der Literaturkritik, es muss keine Wertung des Originaltextes vorliegen, ähnlich dem Buchtipp gilt lediglich die Selektion des Textes als literaturkritisch.

Sind Text-Formen der Literaturkritik übersehen worden? Können Sie eine Abgrenzung nicht nachvollziehen oder sind schlicht anderer Meinung? Bitte kommentieren Sie!


Für die BuchTest Redaktion gelten übrigens folgende Rezensionskriterien.


Und noch eine Lektüreempfehlung, wenn es um die Rezension als Mittel der Kulturkritik im Allgemeinen geht, also neben Büchern auch Kunstwerke, Musik, Theater etc. besprochen werden: Edmund Schalkowski hat als Herausgeber von “Rezension und Kritik” in der Journalismus-Reihe der UVK zunächst eine Theorie der Kunstkritik verfasst und anschließend Beiträge verschiedener Autoren zur Praxis derselben versammelt. Leider hat er dabei wenig herausgeberische Leistung erbracht, die einzelnen Artikel sind jedoch sehr gut.

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