Herrliche Satire über die Burka – Interview und Bilder
Die Künstlerin Eva Schwingenheuer hat 45 herrliche Karikaturen über die islamische “Burka” gezeichnet. Die Bilder zeigen Burka-Trägerinnen in den verschiedensten Situationen des Alltags – von scheinbar normal beim Friseur bis absurd beim Synchronspringen des afghanischen Olympiateams.
Das Buch zeig deutlichst, warum der islamische Zwang zur Burka Frauen diskriminiert und warum dieser Ganzkörperschleier so unpraktisch ist. BuchTest präsentiert einige Auszüge aus dem herrlichen Werk.
(Ein Klick auf die Abbildungen öffnet die Galerie, ein paar mehr Bilder gibt es beim Eichborn Verlag)
Interview: Eine kritische und dennoch unterhaltsame Auseinandersetzung
Katharina Neureuter von Studentenpresse hat BuchTest freundlicher Weise erlaubt, ein dort erschienenes Interview abermals zu veröffentlichen:
Frau Schwingenheuer, wie kamen Sie auf die Idee, sich ausgerechnet mit der „Burka“ zu beschäftigen?
Neben den Bildern, die man aus Ländern wie dem Iran oder Afghanistan zu Gesicht bekommt, beobachtet man auch hier immer wieder Frauen in Komplettverschleierung. Durch die fehlende optische Bezugsmöglichkeit, fragt man sich schnell: Wer steckt unter diesem Stück Ganzkörperstoff? Und vor allem: Wie lebt man damit einen Alltag? Im Buch ist ein Alltag durchdekliniert, in dem die Burka konsequent getragen wird – vom Synchronspringen bis zur Modenschau. Daraus ergeben sich natürlich absurde Situationen.
Was fasziniert Sie an diesem religiösen Kleidungsstück?
Es ist eben nicht nur ein religiöses Kleidungsstück. Die Burka oder der Tschador mit Niqab sind auch innerhalb der islamischen Gemeinschaft umstritten. Sie sind vor allem Ausdruck eines Menschenbildes, das Frauen auf ihre äußeren Reize reduziert, die sie zu bedecken hat. Damit nimmt man Frauen die optische Individualität und schließt sie zudem weitgehend von einem gleichberechtigten gesellschaftlichen Leben aus. Die meisten Berufe, Sport und einfachste Situationen wie Kaffeetrinken in der Öffentlichkeit sind damit nicht mehr möglich. In der Begründung heißt es oft, dass Frauen vor den begehrlichen Blicken der Männer geschützt werden sollen. Da sollten sich auch Männer fragen, ob sie wirklich auf eine Triebhaftigkeit reduziert werden wollen, die sie angeblich nicht kontrollieren können, sobald eine Frau unverschleiert ist.
Welche Botschaft hat ihr Werk? Oder handelt es sich um reine Satire?
Es soll vor allem unterhalten, aber natürlich enthält das Buch auch eine wertende Aussage zu einem gesellschaftlich relevanten Thema. Die Zeichnungen sind eine Kritik an einem konservativ-patriarchalen Weltbild. In einer mündigen Gesellschaft sollte es möglich sein, dass sich Männer und Frauen als gleichberechtige Partner von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten.
Die Burka gilt in der öffentlichen Diskussion häufig als „Symbol der Unterdrückung von Frauen im Islam“. Ist es nicht fragwürdig, gerade aus einem solchen Thema Satire zu machen? Oder ist eben genau dies der Grund, im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung?
Auch ich begreife die Burka als ein Symbol der Unterdrückung der Frau. Es spielt auch keine Rolle mit welcher Religion sie begründet wird. In der satirischen Verkürzung wird deutlich, dass das Kleidungsstück seine Trägerinnen zu einem entindividualisierten Prototypen degradiert. Ich kritisiere nicht die Frauen unter der Burka, sondern den patriarchalen Sitten- und Machtkodex, der dahinter steht. Solange Frauen die Burka tragen, ist es notwendig das Thema – auch satirisch – zu diskutieren.
Stichwort Karikaturenstreit. Durch das Karikieren des Propheten Mohammeds löste eine dänische Tageszeitung Massenproteste in der islamischen Welt aus. Erwarten Sie bzw. gab es bereits Kritik an „Burka“?
Noch gab es keine Kritik. Aber wie bei allen Themen wird es viele geben, die das Buch mögen und einige, die es ablehnen. Was den Karikaturenstreit anbelangt, ist jegliche Form von Gewalt auf eine Meinungsäußerung nicht hinnehmbar. Und sie darf auch kein Grund sein, bestimmte kritische Themen zu tabuisieren. Dass so manche Zeitung und so mancher Verlag inzwischen Angst hat, ist eine gefährliche Entwicklung, der sich eine demokratische Gesellschaft auf keinen Fall beugen darf.
Haben Sie eine Lieblings-Burka?
Burka-Liga, Marylin, Synchronspringer, Sackhüpfen, Banküberfall… schwierig, Lieblinge herauszufiltern, aber die gehören auf jeden Fall dazu.
Welche neuen Projekte planen Sie?
Bisher gibt es keine konkreten Projekte. Aber die Planung läuft. Zum Thema Fundamentalismus in allen Variationen und Konfessionen gäbe es noch viel zu sagen!
Eva Schwingenheuer, Jahrgang 1979, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf, arbeitete als Malerin und Bildhauerin. Nach einer Ausbildung zur Buchhändlerin arbeitet sie heute freiberuflich als Künstlerin und Illustratorin in Düsseldorf.
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Auch im Kölner Stadt-Anzeiger hat die Karikaturistin sich ähnlich ausgedrückt. Bleibt nur zu wünschen, dass sie weiter so Ideologie-kritisch karikiert. Der Burkini könnte z.B. den nächsten Anlass liefern.
Eva Schwingenheuer: Burka, Eichborn 2009, ISBN-13: 9783821860695, 7,95 Euro
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