Kleine Verlage – große Ideen (2): be.bra Verlag mit populären Sachbüchern und Zeitgeschichte

Der be.bra Verlag in der Prenzelberger Kulturbrauerei ist eines der zahlreichen Kleinode der Berliner Verlagslandschaft. Während aber viele der kleinen Verlage auf besondere Sparten wie Lyrik spezialisiert sind, bietet der ein breites Spektrum an Sachliteratur. Grund genug für ein BuchTest Verlags-Interview mit dem Verleger Ulrich Hopp.

Verleger Ulrich Hopp, Copyright be.bra VerlagHerr Hopp, der be.bra Verlag feiert dieses Jahr sein 15-jähriges Bestehen. Wie geht es dem Verlag im Rahmen starker Konzentrierungen im Buchmarkt und der Finanzkrise?

Die Konzentrationsprozesse im Buchhandel stellen natürlich gerade für kleinere und mittlere Verlage eine große Herausforderung dar. Dem be.bra verlag kommt dabei zu Gute, dass wir in den letzten fünfzehn Jahren konsequent unsere Programmschwerpunkte gepflegt und uns durch fundierte, gut geschriebene und schön ausgestattete Bücher einen guten Namen erarbeitet haben. Diese Konsequenz zahlt sich aus – wir sehen das immer wieder an Rückmeldungen von Lesern und Buchhändlern.

Es macht mir allerdings Sorge zu beobachten, dass immer mehr Buchhändler unter der Last des ökonomischen Drucks die vermeintlichen Erfolgsrezepte der “Großen” kopieren, also ihr Angebot immer stärker auf die allgegenwärtigen Bestseller ausrichten und das, was den Reiz einer guten Buchhandlung ja ausmacht, ein individuell ausgewähltes Sortiment, immer seltener wird. Aber es geht auch anders. Und da, wo Buchhändler den nötigen Mut mitbringen, da verzeichnen wir sogar – gegen den allgemeinen Trend – Umsatzzuwächse.

Was war das bisher erfolgreichste von Ihnen verlegte Buch? Warum?

Vermutlich war das der Band von Julius Schoeps “Preußen – Geschichte eines Mythos”, der im Preußenjahr 2001 erschienen ist und trotz seines relativ hohen Preises binnen kurzer Zeit Verkaufszahlen im fünfstelligen Bereich erreicht hat – Lizenzausgaben noch nicht einmal mitgerechnet. Hier hat sich ausgezahlt, dass wir zur richtigen Zeit mit den richtigen Autoren das richtige Thema besetzt haben. Ganz abgesehen, von der schönen Ausstattung, die das Buch zur Zierde für jedes Bücherregal macht.

Sie verlegen Bücher zu Zeitgeschichte, Medizin und Regionalliteratur. Was macht für Sie ein typisches populäres Sachbuch aus?

Ein populäres Sachbuch muss komplizierte Inhalte und Zusammenhänge anschaulich und verständlich darstellen können. Und es sollte Themen behandeln, die eine möglichst große Zahl von Menschen interessieren. Dabei ist es für einen Verlag unserer Größenordnung allerdings wichtig, nicht zu versuchen potenzielle Bestseller am Reißbrett zu entwerfen. Erfolgreich ist man zumeist mit Büchern, die es so noch nicht gab und von denen man selbst überzeugt ist.

Sie verfügen seit einem guten halben Jahr über eine neue Webseite mit interaktivem Katalog etc. Was macht für Sie moderne Kommunikation von Verlagen aus?

Das Internet ist als Informations- und Handelsplattform aus dem Leben der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Für uns war es wichtig, über eine ansprechende, nutzerfreundliche und informative Webpräsenz zu verfügen. Die wenigsten Kunden bestellen Bücher direkt über unsere Website, aber sie informieren sich bei uns über unsere Bücher und Autoren – das wollen wir nicht allein den großen Internetbuchhandlungen überlassen, sondern selbst tun. Denn nur so haben wir direkten Einfluss auf die Pflege und Aktualisierung aller Daten. Wichtig sind natürlich auch interaktive Elemente – so wird unser Feedback-Formular genauso rege genutzt wie unsere mit einem Gewinnspiel verbundene Kundenbefragung.

Ist Ihre Leserschaft offen für neue Formate und die Ansprache im Internet?

Wir holen unsere Leser dort ab, wo sie sind – sei es in der Ladenstraße oder auf der Datenautobahn. Und wir sind auch bereits dabei, der verbreiteten Neugier auf digitale Publikationsformen zu entsprechen. Hier wird es allerdings noch einige Jahre dauern, bis fest steht, welches Format die Buchnutzer von morgen bevorzugen.

Aus welchem Grund führen Sie als kleiner Verlag so zahlreiche Imprints? Wäre es nicht sinnvoller, ein gemeinsames Verlags-Image aufzubauen oder sind die jeweiligen Themen zu verschieden?

Bei einem so breit gestreuten Programm wie dem des be.bra verlags – vom Krimi bis zum zeitgeschichtlichen Sachbuch – ist die Aufsplittung in einzelne Imprints durchaus sinnvoll. Sie führt zu mehr Übersichtlichkeit für Buchhändler und Leser. Durch ein gemeinsames Signet pflegen und fördern wir allerdings auch die “Dachmarke” be.bra verlag.

Zu guter letzt: Nennen Sie uns doch bitte drei aktuelle Titel aus Ihrem Programm, die Sie den Lesern besonders ans Herz legen möchten und begründen Sie dies…

Besonders am Herzen liegt mir das Buch “Groschenroman” von Martin Keune – die unglaubliche Geschichte eines Mannes, der in den 1930er Jahren vom arbeitslosen Kohlenkumpel zum Erfolgsschriftsteller und Auflagenmillionär aufstieg, dann mit den Nazis in Clinch geriet und letztlich auf dem Schaffott endete. Lange hat mich kein Buch mehr so bewegt…

Aus dem Bereich Zeitgeschichte kann ich den Band “Die Berliner Republik” empfehlen, in dem Manfred Görtemaker die letzten 20 Jahre der deutschen Geschichte gut lesbar und spannend zusammen fasst – von der Wiedervereinigung über die rot-grüne Koalition bis zur Kanzlerschaft von Angela Merkel. Viele Zusammenhänge werden einem als “Zeitzeugen” erst in der Rückschau deutlich.

Und zu guter letzt kann ich – gerade im Jahr der Einheit – Peter Ensikats “Populäre DDR-Irrtümer” empfehlen. Eine humorvolle und zugleich profunde Rückschau auf alles, was man über die DDR zu wissen glaubte. “Ein sarkastisches Sandmännchen für Ost- und Westbürger”, schrieb Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung.

Aus dem be.bra Verlag finden Sie bei BuchTest eine Rezension zu Sven Felix Kellerhoff: “Der Reichstagsbrand”

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Kategorie: Verlags-Interviews Kommentieren »


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