textunes bringt Literatur auf iPhone

Heute steht mal ein etwas anderer “Bücher-Macher” im Mittelpunkt. Amazon wird sein Lesegerät Kindle immer noch nicht auf den deutschen Markt bringen. Sony (PRS-505) und txt wetteifern mit ihren mobilen eBook-Lesegeräten um Marktanteile. Doch aus einer anderen Ecke kommt die anscheinend viel einfachere Idee: textunes bringt Literatur einfach aufs Handy, genauer auf das iPhone und andere SmartPhones. BuchTest sprach mit Simon Seeger, einem der Gründer.

(c) textunesSimon, bitte erkläre doch kurz, was textunes ist und wie es für den Leser funktioniert.

textunes bringt Literatur aufs iPhone und iPod touch. Dazu bereiten wir Verlagsinhalte auf und stellen Sie in verschiedenen Formen, z.B. als Einzel-App oder in unserem Leseproben-Reader, in den iTunes App Store.

Wie viele Titel habt Ihr bereits im Angebot? Wie viel davon ist Literatur, wie viel Non-Fiction?

Wir haben jetzt rund 80 Titel – aber immer mehr Verlage lassen sich für diesen neuen Vertriebsweg begeistern. So werden wir die Titelanzahl zügig erhöhen können. Fiction – so würde ich schätzen – macht 70% der Titel aus.

Gibt es jetzt schon den textunes Bestseller?

Es zeichnet sich ab, das bestimmte Titel besonders gut angenommen werden. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn der Inhalt für Zielgruppe und Nutzung auf den Geräten geeignet ist.

Ein Beispiel: Aktuell laden sich Sachbücher zum iPhone, erschienen im Mandl und Schwarz Verlag, sehr gut. Aber auch die Krimi-Reihe aus dem Nautilus Verlag wird sehr gut angenommen. Ein all-time-Bestseller ist, trotz relativ hohem Preis, “50 Erfolgsmodelle

Und wie lange dauert es, wenn ein Titel im Buchladen steht, bis ich ihn auch auf meinem iPhone lesen kann?

Wir haben einige Bücher, die schon vor dem Erscheinen als Printbuch bei uns erhältlich sind. z.B. Foreign Affairs von Esma Annemon Dil und Ariane Sommer. Hier dienst eine iPhone App auch als Marketinginstrument für das Print-Buch.

Wie kamt Ihr denn auf die Idee, Literatur aufs SmartPhone zu bringen?

Ursprünglich wollten wir auf das kleine aber feine Romanprogramm von ONKEL&ONKEL aufmerksam machen. Das haben wir geschafft: Viele tausend Downloads der vorerst kostenlosen Titel haben wir verzeichnet. Dann haben wir begonnen, die Bücher auch zu verkaufen, dann kamen andere Verlage auf uns zu, und jetzt – nicht mal ein Jahr später – sind wir Marktführer im deutschsprachigen Bereich.

Wie seht Ihr die Konkurrenz zu den Lesegeräten von txt, Sony und Amazon?

In Moment ist noch nicht absehbar, wie sich der Markt und die gegenseitige Substitution genau entwickeln wird. Klar ist aber sicherlich, dass die Zielgruppe eines reinen e-Reader Gerätes eine andere ist, als die eines SmartPhone-Besitzers. Die einen geben viel Geld aus, um ein zusätzliches Gerät zu haben, die anderen haben ohnehin ein Multi-Gerät einstecken und lesen dort eben auch Bücher – und, das wird es wohl auch geben, manche werden beide Gerätetypen besitzen. Wir sind überzeugt davon, dass wir einen sehr attraktiven Nischenmarkt erschlossen haben, der seine Nutzer hat.

Bei textunes kann man Bücher nicht nur als eBook auf dem Handy lesen, sondern sich auch noch gleich als Hörbuch einverleiben? Ist diese Multimedia-Verbindung die Zukunft des Buches?

Es ist auf jeden Fall ein erster Schritt in die Zukunft. Multimedia-Verbindungen werden – das bestätigen uns auch die Nutzerzahlen und User-Kommentare – an Bedeutung gewinnen. Von “Zukunft” würde ich dann sprechen, wenn Inhalte in Hinblick auf diese Nutzung von Autoren erstellt werden. Das wird kommen, uns es wird spannend werden!

Was hat es mit Eurer neuen iTunes App auf sich? Und was ist das textunes Publishing Systems (TPS)?

Das textunes Publishing System ist ein Datenbank basiertes Produktionstool. Mit diesem können wir ePubs oder andere Dateiformate für SmartPhones optimieren und anschließend auf die verschiedenen Plattformen bringen, sei es als Einzel-App, Leseproben-App, den textunes-Leseprobenreader oder einer Sammel-App, die das Nachkaufen von Inhalten ermöglicht. Aktuell zielen wir auf das iPhone/ iTunes App Store, werden aber andere Plattformen über unsere Infrastruktur anschließen, sobald diese marktsignifikant sind.

Last not least: Lesen wir in fünf Jahren Bücher nur noch auf dem iPhone?

Wie sagte schon Riepl: Neue Medien verändern alte, sie ersetzen sie nicht. Obwohl dieses “Gesetz” empirisch nicht haltbar ist, drückt es das aus, wovon im Bereich Verlagsinhalte auszugehen ist.

Wir sehen SmartPhones als einen weiteren Vertriebskanal für Verlagsinhalte, als Chance eine Zielgruppe zu begeistern, die unter Umständen nicht oft in den Buchhandel geht sondern lieber twittert, facebookt und täglich eine Stunde in Nahverkehrsmitteln verbringt. Wir werden in 5 Jahren nicht NUR auf dem iPhone lesen, sondern AUCH.

Übrigens hat das Internetmagazin golem die neue textunes iTunes App einem Test unterzogen. Ein kleiner Kritikpunkt dabei war:

Wer durch eine Leseprobe Gefallen am Buch gefunden hat, kann es über Textunes auch im Volltext kaufen. Die In-App-Purchase-Funktion von iPhone OS 3.0 nutzt Textunes noch nicht – ein Klick auf Kaufen führt zum iTunes-App-Store. Dort können die Bücher gekauft werden. Jedes Buch wird dann als eigenständige Applikation heruntergeladen und erhält ein eigenes Icon im iPhone. Bei größeren Bibliotheken könnte es im iPhone-Menü schnell unübersichtlich werden.

(c) textunesBei BuchTest gibt es eines Rezension zum ebenfalls bei textunes erhältlichen Buch “Schweigeminute” von Siegfried Lenz.

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