Markus’ Hand tastete nach dem Stift auf dem Nachttisch. Die Idee war über Nacht gekommen, einfach so, fast als wolle sie über seine wochenlangen, angestrengten Versuche ein letztes Kapitel für sein allererstes Buch zu schreiben, spotten. Nun glitt der Stift fieberhaft über das Papier. Zu Lisas leisem, gleichmäßigem Atem schrieb er wie besessen, ohne Luft zu holen, ohne zu zögern. Er hoffte, dass Rascheln des Papiers würde sie schlafen lassen; sie hatte in den letzten Wochen so viel mit ihm durchmachen müssen. Er hatte sich tot gefühlt, nein, lebendig begraben unter den Ideen, die nicht kommen würden. Der Kugelschreiber leckte; Flecken erschienen, liefen überall um ihn herum auseinander. Doch er dachte nicht mehr, sah nichts mehr außer dem noch blanken Papier im Licht der vorsichtig abgedunkelten Lampe; die Idee, die Charaktere des Buches, hatten völlig von ihm Besitz ergriffen.

Stop. Film vorspulen ins 21. Jahrhundert.

Markus’ Hand tastete nach seinem Tablet, welches immer griffbereit auf seinem Nachttisch lag. Lange schon hatte er darüber nachgedacht, wie sein Buch enden sollte. Viele, quälende Wochen. In der Nacht war sie schließlich gekommen – die perfekte Idee. Zusammengesetzt aus den kleineren Einfällen, die er sich über die letzten Tage notiert hatte, würde sie das Buch zum Bestseller machen. Nun sah er alles genau vor Augen, vorsichtig abgespeichert und schließlich zusammengesponnen in ein harmonisches Ganzes. Vorsichtig das Tablet auf den Knien haltend, blickte er auf seine schlafende Frau hinab. Das sanfte Licht würde sie nicht wecken, und dank seiner Notizen würde dies nicht lange dauern. Morgen früh würden sie zu einem perfekten Buch aufwachen. Seinem Buch.

Ein ähnliches Szenario könnte sich auch mit einem Smartphone mit Tastatur oder einem sogenannten „Phablet“, einem übergroßen Touchscreen-Handy abspielen. Diese Art von Geräten ist inzwischen fester Bestandteil der Art und Weise, in der wir uns routinemäßig mit dem geschriebenen Wort auseinandersetzen. Doch taugen sie auch für Autoren, die mehr als nur kurze Artikel und Anekdoten verfassen wollen?

Wir Nicht-Autoren haben oft ein sehr romantisches Bild von unseren literarischen Helden. Während Virginia Woolf und Thomas Mann sicherlich mit Stift, Papier und Schreibmaschine arbeiteten, ist es fragwürdig, ob Stephen King seine packenden Thriller noch per Hand schreibt. Zusätzlich zu Tastatur und Computer, welche den kreativen Prozess mit einem idealen Werkzeug versehen haben, gibt es immer mehr Apps für Smartphones und Tablets, welche es Autoren, und solchen, die es werden wollen, ermöglichen, Notizen zu machen, diese zu ordnen, zu verlinken und zu annotieren. Google Keep, PiciNote für Blackberry, Quill, ColorNote, Evernote fürs iPad, NoteEverything und Som Note sind einige der besten Apps, welche der Markt momentan bietet.

Weitere nützliche Apps erweitern Suchmaschinen um Speicherfunktionen: Diigo Browser und Pocket sind die vielleicht bekanntesten. Diese Apps ermöglichen das Abspeichern sowie das schnelle Abrufen von Online-Inhalten, welche in so gut wie unbegrenztem Volumen über diese Apps intern verlinkt werden können. Inhalte können farblich abgesetzt, per Screenshot permanent gespeichert und sogar Browser-intern annotiert werden. Evernote beinhaltet zusätzlich die Möglichkeit, gesprochene Notizen zu Webinhalten abzuspeichern.

Ein Buch komplett auf einem solchen Gerät zu schreiben ist zwar ein wenig unrealistisch, trotzdem können Teile des kreativen Prozesses von den kleinen Alleskönnern stark vereinfacht werden. Für das schnelle Notieren von Ideen, die Übersicht über diese Notizen, jegliche Inspirationen aus dem Internet und für die sekundäre Bearbeitung von Texten jedoch sind sie schlicht genial.

Ein Kommentar von London Techblogger.