Amazon verkauft inzwischen mehr E-Books als gebundene Bücher – das beste Indiz dafür, dass Kunden heutzutage immer öfter die digitale Version eines Buches der traditionellen vorziehen. Und wer kann es ihnen verübeln? Wer kennt nicht den Moment, wenn unerwartete Wartezeiten auftreten und man sich wünscht, man hätte ein Buch dabei? Der Trend in Richtung E-Book liegt nicht nur an steigenden Tablet- und E-Reader-Verkäufen; auch Nutzer, die nicht in ein solches Gerät investieren möchten, weil sie am traditionellen Buch festhalten, kaufen das ein oder andere E-Book: Mit Kindle-Apps für Apple, Android und BlackBerry Smartphones haben auch diese Nutzer immer Zugriff auf Lesestoff.

Random House, teil des Bertelsmann Verlages, nutzt diese Digitalisierung unseres Alltags bereits zum eigenen Vorteil und versucht so, den Kurs zu drehen: Durch BookScout, eine Facebook-Anwendung mit deren Hilfe Leser neue Bücher entdecken können, versucht der Verlag, Autoren und Leser einander näher zu bringen.

Milena Schmidt, Digital Communications Manager des Unternehmens, erklärt, dass durch BookScout eine vielseitige Gruppe an Webseiten, Inhalten und Artikeln leicht auf sozialen Netzwerken und Blogs verbreitet und geteilt werden können. Die verschiedenen Websites zielen auf unterschiedliche Leser-Gruppen ab und reichen von Kinderliteratur über Science Fiction, Kochbücher und politische Literatur bis hin zu Biografien und ähnlichem. Alle diese Plattformen verbreiten altbekannte Literatur und Neuerscheinungen verschiedener Verlage, sodass der Nutzer die bestmögliche Auswahl vor Augen hat.

Aber nicht nur Random House, sondern auch andere große Verleger wie Globe Pequot Press, ein Verlag, der sich auf Outdoor-Aktivitäten spezialisiert hat, nutzen die Weiten des Internets zu ihrem Vorteil. Sara Baker, Digital Media und Social Marketing Manager, erklärt, dass soziale Medien dem Verlag die Möglichkeit geben, direkt mit Lesern in Verbindung zu treten. Außerdem können auf diese Weise Bücher ganz natürlich kursieren – durch die Empfehlungen von Freunden.

Darüber hinaus nutzt der Verlag die Buchcommunity Amazon Goodreads, um Lesern helfen, neue Bücher zu entdecken – beispielsweise durch Verlosungen und Wettbewerbe. Laut Baker sind vor allem Nutzer von Goodreads sehr enthusiastisch und schreiben schnell Buchbewertungen, was dazu führt, dass mehr Leser ein bestimmtes Buch erwerben – und das wiederum steigert dessen Internet-Präsenz.

Globe Pequot Press hat aber auch die eigene Online-Community Falcon.com, welche zu steigenden Buchverkäufen beisteuern hilft: Durch die Seite haben Nutzer exklusiven Zugriff auf Interviews mit bekannten Wanderern und Kletterern und können außerdem eigene Erfahrungen austauschen.

Die Verlage arbeiten also sehr hart daran, das digitale Zeitalter zu ihrem Vorteil zu nutzen. Aber auch Autoren spielen eine große Rolle in diesem Szenario und dank sozialer Netzwerke und moderner Technologien können sie ohne Probleme von zu Hause aus Werbung für sich machen: Twitter ist hier ganz groß, denn durch den Chat können sich Leser mit Autoren und Journalisten unterhalten, was wiederum zu besseren Verkaufszahlen führt.

Nicht nur können Autoren nun auch Werbung für sich selbst machen, ohne größere Reisen antreten zu müssen; der gleiche Mechanismus macht es auch leichter, als Leser einen neuen Autor zu entdecken: Baker beschreibt wie der Verlag das erste Buch einer Reihe von Joseph Heywood auf BookBub zur Verfügung gestellt hat und insgesamt über 5.000 Downloads erzielte. Natürlich kann man das noch nicht in Verkäufe umrechnen, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass einige dieser Downloads dazu führen werden, dass Leser sich weitere Bücher der Reihe anschaffen.

Diese Entwicklungen stehen noch am Anfang und es bleibt abzuwarten, welche Strategien am rentabelsten sind. Doch eins ist klar: So leicht lassen sich die Verlage nicht unterkriegen.

Ein Kommentar von London Techblogger