Ein Interview mit dem Xing-Experten und Buchautor Joachim Rumohr über professionelle Selbstdarstellung in Business-Netzwerken für Karriere und Job, über die Zukunft der Bewerbung und echtes Networking.

Was bedeutet Netzwerken für die Karriere in Zeiten des Web 2.0?

Joachim Rumohr: Beziehungen haben schon immer nur dem geschadet, der keine aufgebaut hat und in Zeiten des Web 2.0 ist dies noch viel einfacher geworden. Diverse soziale Netzwerke wie StudiVZ, LinkedIn oder der deutsche Marktführer Xing bieten vielfältige Funktion zum Aufbau und für die Pflege der eigenen Community.

Stellen wir uns vor, ich wäre Hochschulabsolvent und habe mich bisher nur auf Studi-VZ oder Facebook mit meinen Freunden ausgetauscht. Wo muss ich mich anmelden, um beruflich voll durchzustarten und was muss ich dabei beachten?

Rumohr: In jedem Fall auf Xing, denn diese Plattform bietet die vielfältigsten Funktionen und hat im deutschsprachigen Raum mit wohl über 3 Mio. Mitgliedern die größte Verbreitung. So erhält man beispielsweise bei einem gut ausgefüllten Profil automatisch Jobangebote, die zu den eigenen Fähigkeiten und der eingetragenen Ausbildung passen.

Hier sollte man neben einem gut ausgefüllten Profil (der Abgleich basiert auf dem Feld „Ich biete“ und der eingetragenen Berufsausbildung) regelmäßig die aufs Profil passenden Stellen bewerten und damit die Vorschläge immer weiter optimieren.

Während auf den vorgenannten Plattformen oft noch Freizeitbilder vorherrschen, sollte man auf Xing ein professionelles Bild nutzen. Das Profil ist wie die eigene Visitenkarte und sollte wie eine Bewerbungsmappe vollständig und optimal gestaltet werden. Nutzen Sie auch die „Über mich“-Seite um beispielsweise den Text für eine Initiativbewerbung dort zu hinterlegen.

Die Seite Jobleads ist eine auf die Vermittlung von Stellenangeboten spezialisierte Plattform, die ebenfalls auf das eigene Profil passende Angebote bereitstellt. Auch hier kann sich eine Mitgliedschaft lohnen.

Wie und wo unterscheiden sich Netzwerken und Selbstdarstellung?

Rumohr: In der Selbstdarstellung beziehe ich mich auf meine Person, beim Netzwerken stehen meine Kontakte im Vordergrund. Ich beschreibe Netzwerken immer mit folgendem Satz: „Geben ohne Erwartungshaltung“.

Sollten Bewerber in Ihren Unterlagen auf ihr Netzwerk-Profil hinweisen? Welche wichtigen Informationen sollten noch im Online-Profil zu finden sein, die nicht in den Unterlagen zu finden sind?

Rumohr: Ich sehe darin keine Notwendigkeit.

Kann ich mein Netzwerk-Profil als Ersatz für die eigene Homepage benutzen? Wie kann ich dort meine Referenzen präsentieren?

Rumohr: Gerade mit Xing ist das sehr einfach möglich. Wichtig ist dann jedoch, dass das eigene Profil auch für Nicht-Mitglieder aufrufbar ist. Die Referenzen und weitere relevante Informationen können gut auf die „Über mich“ Seite gesetzt werden. Hier sind auch Bilder und Formatierungen möglich. Mein Tipp: Nutzen Sie das aktuelle Angebot von united domains im Bereich „BestOffers“ von Xing. Da bekommen Sie für nur einen Euro im ersten und zwölf Euro ab dem zweiten Jahr eine eigene Domain mit automatischer Umleitung auf Ihr Xing-Profil.

Ein Blick in die Zukunft: Ersetzt beispielsweise mein Xing, LinkedIn oder Facebook Profil bald den klassischen CV?

Rumohr: Das halte ich durchaus für möglich.

Netzwerken kann Türen zu interessanten Jobs öffnen. Doch wie verhalte ich mich nachdem ich von einem Bekannten für eine Stelle empfohlen wurde?

Rumohr: Das fragen Sie besser die Karrierefachfrau Svenja Hofert.

Wo sind die Grenzen des Netzwerkens im Internet und wo sind persönliche Kontakte von Nöten?

Rumohr: Richtig Netzwerken kann man aus meiner Sicht nur, wenn man einen Großteil seiner Kontakte auch persönlich kennt. Für mich sind daher letztendlich die ganzen „Communitys“ genannten Plattformen nur Werkzeuge die ich benutze um mir ein Netzwerk aufzubauen und dieses zu pflegen.

Nennen Sie uns Erfolgsbeispiele des Karriere-Netzwerkens! Was haben diese Networker besonderes gemacht?

Rumohr: ALLE erfolgreichen Netzwerker die ich kenne sind Menschen, die gerne und ohne Erwartungshaltung geben. Sie geben jederzeit und so oft sie können Empfehlungen, Ideen, Tipps und Anregungen an andere weiter und teilen Ihr Wissen mit jedem, ohne Bedingungen daran zu knüpfen. Und das tun die meisten dieser Personen auch noch mit viel Spaß und Lebensfreude.

Wie haben Sie persönlich in Ihrer Karriere vom Netzwerken profitiert?

Rumohr: Ich bekomme von vielen Menschen aus meinem Netzwerk Empfehlungen, Ideen, Tipps und Anregungen und profitiere immer wieder auch von kostenlosem Wissen, das mir die Menschen aus meinem Netzwerk zur Verfügung stellen. 😉

Joachim Rumohr, Andreas Lutz: Xing optimal nutzen: Geschäftskontakte – Aufträge – Jobs. So zahlt sich Networking im Internet aus.Wien: Linde Verlag, 200 Seiten, 19,90 Euro. Kaufen bei Amazon.

Weitere Informationen unter http://www.rumohr.de und http://www.xing-seminare.de