Gute Bücher für Kinder zu finden ist nicht immer einfach und kostet vor allem viel Zeit. Julius Bertram (30), selbst glücklicher Vater von zwei Kindern und erfahrener Gründer (Njunju/Kirondo), erkannte diese Herausforderung und gründete 2013 zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sarah das Startup Librileo.

Herr Bertram, Ihr Unternehmen Librileo verschickt Kinderbücher im Abo. Wie kann man sich das vorstellen?

Julius Bertram: Im Grunde funktioniert Librileo wirklich ganz einfach: Unsere Kunden besuchen unsere Website www.librileo.de. Dort wählen sie die Laufzeit ihres Abos aus und geben im Zuge des Bezahlvorgangs das Alter des Kindes an, für welches die Box bestimmt ist. Im Anschluss erhalten sie monatlich eine Bücherbox ganz bequem nach Hause geliefert. Darin befinden sich bis zu drei Kinderbücher, die mit Hilfe von Pädagogen und Testfamilien genau auf das Alter der Kinder abgestimmt wurden. Zudem behandeln wir mit Librileo jeden Monat ein anderes Thema, damit keine Langeweile aufkommt.

Folgt die Idee hinter Librileo also dem Trend des Curated Shoppings, des „betreuten Einkaufens“?

Bertram: Ehrlich gesagt haben wir darüber noch nicht nachgedacht, ob wir in diesen Bereich reinfallen. Aber richtiges „curated shopping“ bieten wir nicht an. Wir sind nicht vergleichbar mit Onlineanbietern, die ihren Kunden monatlich riesen Boxen mit Kleidung schicken, die individualisiert sind bis in letzte Detail. Wir verstehen uns eher als Alternative zu allen traditionellen Buchanbietern. Wir nehmen Eltern, die keine Zeit oder keine Händchen für die langwierige Auswahl der Kinderbücher haben, den Aufwand ab.

Wie wählen Sie die Bücher aus?

Bertram: Zum einen arbeiten wir mit den Verlagen zusammen, diese geben uns monatlich Tipps, welche Bücher aus ihrem Sortiment zu dem Thema passen. Natürlich orientieren wir uns aber auch selber an den Katalogen, hören auf die Tipps unserer Kunden oder studieren Bestsellerlisten. Im zweiten Schritt prüfen wir dann in Zusammenarbeit mit Pädagogen, welche Bücher unserem hohen Anspruch an Bildung gerecht werden. Haben wir dann eine Auswahl für die Boxen zusammengestellt, versenden wir diese an Testfamilien. Diese geben uns dann Feedback, ob die Bücher so gut bei den Kindern ankommen, wie wir das geglaubt haben.

Wer sind diese Testfamilien? Und wie kann man das werden?

Bertram: Unsere Testfamilien sind ganz normale Familien mit Kindern in dem entsprechenden Alter. Sie wohnen in Großstädten, auf Dörfern, haben ein bis drei Kinder und vor allem: Sie lieben Bücher. Besonders wichtig war uns zudem, dass die Testfamilien ein ehrliches Feedback geben und nicht einfach nur gratis eine Box haben wollen. Aber was das angeht, haben wir wirklich Glück gehabt und sind derzeit voll zufrieden. So haben wir aktuell eigentlich auch keinen Bedarf. Bewerbungen nehmen wir aber immer entgegen.

Sind eigentlich auch thematische Kanäle geplant, wenn also z.B. jemand Waldorfbücher bevorzugt oder andersherum explizit keine Science-Fiction-Literatur will?

Bertram: Nein. Derzeit haben wir so etwas nicht geplant. Wir haben einige Ideen, wie wir unser Geschäftsfeld im Bereich Bücher erweitern können. Aber solche expliziten Eingrenzungen werden wir in nächster Zukunft nicht anbieten.

Insgesamt müssen die Familien die Kinderbücher bei Librileo kaufen. Haben Sie mal darüber nachgedacht, die Kinderbücher einfach zu verleihen, so dass man sie nach einem Monat intensiver Vorleselektüre wieder zurückschicken kann? 

Bertram: Bei dem Wort intensiv wird das Problem eigentlich schon deutlich: Besonders kleine Kinder lesen eben sehr intensiv. Das heißt, sie gehen nicht unbedingt vorsichtig mit den Büchern um. Das sollen sie aber auch gar nicht. Schließlich sollen besonders im ersten Jahr die Bücher auch den Tastsinn schulen. Wir haben innerhalb eines kleinen Kreises von ausgewählten Kunden gefragt, ob sie gerne gebrauchte Bücher beziehen würden. Die Einschränkungen waren so deutlich, dass das nicht umsetzbar ist.