Betsy Udink:

Allah & Eva

Der Islam und die Frauen

Von der Terrorherrschaft der Männer oder warum Pakistan für Frauen das tödlichste Land der Welt ist!

Von Marie Hofer

In Pakistan gibt es für Frauen, die des Ehebruchs – Zina – oder unsittlichen Verhaltens verdächtigt werden, zwei Möglichkeiten: Entweder sie werden durch die krude und überkommene Rechtssprechung des islamischen Staates zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Oder aber die Familie der Frau übernimmt die richtende und bestrafende Funktion gleich selbst. „Für einen Ehrenmord kauft man keinen Mörder, es ist eine Sache der Familie. Die Familie ist zugleich Kläger, Richter und Henker.“

Betsy Udink hat als Frau eines niederländischen Botschafters bereits in vielen islamischen Staaten gelebt und auch einige Berichte zu den einzelnen Ländern veröffentlicht. In „Allah & Eva“ dokumentiert sie die fürchterlichen Grausamkeiten gegenüber den Frauen in Pakistan. Doch leider handelt das Buch nur von diesem einen Land. Und nur etwa die Hälfte des Berichtes handelt dabei überhaupt von Frauen. Bei dem vielversprechenden Titel hätte man sich allerdings ein allgemeineres Buch über die Stellung der Frau im Islam und den Umgang mit Frauen in muslimischen Ländern gewünscht.

„Das Land der Reinen“

Pakistan wird das „Land der Reinen“ genannt. Es ist ein Land, welches von feudalen Grundbesitzern beherrscht wird, zahllose muslimische Fanatiker beherbergt und in dem Polizeibanden ihr Unwesen treiben. Einen Rechtsstaat im westlichen Sinne gibt es so nicht. Man kann zum Beispiel auf Grundlage der 1985 und 1988 eingeführten Blasphemiegesetze automatisch zum Tode verurteilt werden, wenn man Gott oder den Propheten beleidigt. Selbst wer das Glück hat, freigesprochen zu werden ist danach vogelfrei.

Die Autorin berichtet auch an anderer Stelle vom Zusammenbruch des pakistanischen Rechts- und Justizsystems. So sitzen Frauen zum Beispiel vier Jahre in Untersuchungshaft und warten darauf, nach einem 1400 Jahre alten Gesetz, welches auf dem Koran basiert, bestraft zu werden. Die Hudud-Verordnungen sind im pakistanischen Gesetzbuch aufgenommen worden, um die Bestrafung der unzüchtigen oder ehebrecherischen Frauen mit Auspeitschen zu regeln, was in der Praxis mit hohen Gefängnisstrafen umgesetzt wird.

Kinderbräute

Aufgrund dieses Rechtssystems ist es auch im 21. Jahrhundert immer noch möglich, Menschen einfach zu verkaufen. Kann man geliehenes Geld nicht zurückzahlen oder steht in irgendeiner anderen Weise in der Schuld eines Nachbarn, dann verkauft man eben eine seiner Töchter. Betsy Udink stellt dazu folgende ernüchternde Prognose: „Heute werden Mädchen als Schadensersatz zur Verfügung gestellt, morgen ebenfalls noch und in zwanzig Jahren und höchstwahrscheinlich auch noch in fünfzig Jahren.“ Alter: egal.

Vergewaltigung

Die Autorin berichtet außerdem von massenhaften Vergewaltigungen von Kindern, besonders in den ländlichen und internatsähnlichen Koranschulen. Die oft sehr jungen Schüler werden aber auch in normalen Schulen vom Unterricht geholt und als Sexobjekte weitergereicht. „Ein Mitglied der Kommission für Gesundheitswesen sagte im Parlament, Missbrauch von Jungen komme auf so gut wie allen Grund- und höheren Schulen in Peschawar vor.“

Wenngleich Homosexualität im Islam verpönt ist, sind Jungen sehr beliebt. Durch den strikten Ehr-Begriff einer männerdominierten, archaischen Gesellschaft und dem Konkurrenzkampf der Männer, mehr Erektionen zu haben als andere, wird Sex „eine nationale Zwangsvorstellung“, die auf billigste Weise mit Kindern befriedigt wird.

Rechtlich können diese Vergehen allerdings schwer verfolgt werden. Es müssen vier männliche Zeugen aussagen, damit überhaupt jemand bestraft werden kann. Es mangelt fast immer an Beweisen.

„Es ist eine Terrorherrschaft der Männer.“

Genauso alltäglich wie Vergewaltigungen sind auch Ehrenmorde. Man liest in den Zeitungen von Ehrenmorden, so wie bei uns Verkehrsunfälle geschildert werden. Die Anzahl ist nicht zu ermessen, weil nur wenige davon öffentlich bekannt werden. Allein in der südliche Provinz Sindh werden pro Jahr mehr als 400 Frauen der Ehre wegen umgebracht.

Im Pakistanischen Gesetz wurden zwei Bestimmungen aus dem Koran aufgenommen, die den Mord an Frauen, die eine moralische Grenze überschritten haben rechtfertigen. Dies sind Vergeltung und Blutgeld. Als Folge dieser Bestimmungen ist Ehrenmord eine Sache der Familie, des Clans, „der Staat kann durch das islamische Gesetzt nicht als Kläger auftreten.“ Sollte ein Fall vor Gericht kommen, dann kann der Angeklagte fast immer auf mildernde Umständen plädieren, welche nach der Berufung auf eine „heftige und unerwartete Provokation“ gewährt werden. Ein bis drei Monate Gefängnis maximal.

Außerhalb des Gerichts ist die Lage noch hoffnungsloser. Hier muss nicht der Ankläger sondern die Beschuldigte Beweise für ihre Unschuld liefern und oft ist auch das wenig von Nutzen. „Uns reicht schon eine Verdächtigung. Das ist eine Schändung unserer Ehre“, heißt es und die Familie oder die Jiga, der Rat der Dorfältesten entscheidet. „Es ist eine Terrorherrschaft der Männer.“

Die Opfer werden aber meistens nicht einfach nur umgebracht, sie müssen vorher oft Stunden und Tage der grausamen Folter ertragen. „Er schlug sie, warf sie an die Wann und goss ihr Terpentin ins Gesicht.“

„Pakistan ist für Frauen das tödlichste Land der Welt.“

In Pakistan, so wie in einigen Ländern Südasiens und in China fehlen Millionen von Frauen. Demografisch gesehen ist das auf natürliche Weise unmöglich, normalerweise gibt es immer etwas mehr Frauen als Männer, nicht zuletzt, weil die Lebenserwartung von Frauen naturgemäß etwas höher ist. Doch in Pakistan ist genau das Gegenteil der Fall. Der weibliche Nachwuchs wird entweder noch während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder als junge Mädchen umgebracht oder er stirbt auf Grund von Vernachlässigung und Diskriminierung. Diejenigen, die übrig bleiben sind dafür wiederrum verantwortlich, so viele Söhne wie möglich zu gebären.

Das demografische Ungleichgewicht führt zu einer männerlastigen Gesellschaft, die sich durch die archaische Lebensform und die gesetzliche Untermauerung dieser in Pakistan noch mehr verstärkt. Auf Frauen warten in diesem Land keine Rechte, nur der Tod.

(Rezensiert am: 2009-05-02)

Betsy Udink: Allah & Eva. Der Islam und die Frauen, Heyne Verlag (Random House), 2009 (Orig. 2006), ISBN-13: 9783453600898, 7.95 €


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