Ronnie Lipton:
Bildsprache[n] zeigt beeindruckend visuell punktierte, erläuterte Beispiele - eine Demonstration wie viel ein Bild kommunizieren kann!
Von Benjamin Schulz
Bildsprache[n] beschäftigt sich mit Grafiken, die selbsterklärend sind. Ronnie Lipton zeigt in ihrem Buch viele Beispiele für gute „Sprache mit Bildern“. „Ein Einband muss informieren, neugierig machen, das Produkt repräsentieren. Und zwar schnell – ein Anspruch, den Grafik besser erfüllen kann als Worte.“ So präsentiert das erste Kapitel Verpackungen und Titeldesign, das bisweilen, z.B. in Geschäftsberichten fortgesetzt, zum visuellen „Identitiy-System“ avanciert. Das zweite Kapitel ist Werbematerial wie Anzeigen oder Postern gewidmet. „Grafisch orientierte Poster sprechen lauter und schneller als solche, die sich auf das Wort verlassen.“ Das es hier viel zu zeigen gibt, verrät schon der Umfang dieses Kapitels. Viele inspirierende Beispiele für gute, direkte Kommunikation durch Bilder sind hier zu finden. Erklärungen in allen Kapiteln machen die zahlreichen Abbildungen noch wertvoller. Sie erzählen die Geschichte der Idee, manchmal erfährt man erhellendes über Gestalter oder Kunden. Diese Informationen über die Hintergründe ermöglichen ein tieferes Verständnis der gezeigten Beispiele. Auf einigen Seiten werden im nächsten Kapitel Logos und Briefpapier behandelt. Vom Scribble bis zum fertigen Logo sind einige Beispiele zu sehen, andere zeigen das Logo in verschiedenen Anwendungen. Wie klar und schlicht ein gutes Logo sein kann, wird an beindruckenden Markenzeichen verdeutlicht. Das vierte und vorletzte Kapitel, noch knapper als das erste, zeigt verschiedenste Illustrationen. „Jeder versteht sie, und die Ideen sind präziser“, zitiert das Buch Slavimir Stojanovic (Designer und Zeitschriftengründer) zum Thema Symbol und zeigt einige hervorragende Illustrationen aus der New York Times, einem Kalender, einer Bedienungsanleitung oder dem Bedienfeld eines LCD-Projektors. Ein extra Kapitel zeigt besonders gelungene Weihnachtskarten. Auffällig sind hier, wie auch an anderer Stelle, einige amerikanisch-patriotische Beispiele (S. 204, 33). Diese wirken im Europäischen Kulturkreis ein wenig befremdlich. Auch einige Ungenauigkeiten im „Sprach- und Kulturtransfer“ sind auffällig. Zum Marshmallows-grillenden-Piktogramm-Männchen heißt es: „hält die Figur einen Stock mit Würstchen“ (S. 83). Auf Seite 75 illustriert ein Foto Male eines Baseballfeldes auf einem Stapel Pfannkuchen mit Ahornsirup, typische Metaphern amerikanischer Kultur. Der Bildtext lautet: „Male eines Basketballfeldes auf einem Stapel Pancakes“. Und dies, obwohl in der Headline der Anzeige steht: „Breakfast with baseball great Carlos Delgado“. Abgesehen von ein paar pixeligen Bildern (S.90, 96) ist das Buch sorgfältig gestaltet und produziert. Jedem Kapitel ist eine Schlüsselfarbe zugeordnet und bei jedem Beispielprojekt werden alle wichtigen Daten und Kreativen, etc. angeführt. Diese finden sich im Anhang in einem Adressenverzeichnis wieder. Bei dem Umfang von über 200 Seiten ist der Preis für ein Hardcover in sehr guter Druck- und Verarbeitungsqualität angemessen. Die visuell punktierten Beispiele lohnen die Investition für alle Interessierten aus dem Bereich Visuelle Kommunikation.
(Rezensiert am: 2003-09-01)
Ronnie Lipton: Bildsprache[n]. Kommunikation durch Grafikdesign, Stiebner Verlag, Mai 03, ISBN-13: 9783830712794, 44.00 €
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