Siegfried Unseld, Rainer Weiss (Hrsg.):
Briefe voll Drängen, Liebe und Weisheit – bezaubernde Werke von einem Meister der Literatur des 20 Jahrhunderts!
Von Felix Struening
Wie so oft bei Briefbänden großer Literaten, ist auch dieses Werk zwischen Sachbuch und Literatur anzuordnen. Siegfried Unseld, Nachfolger Peter Suhrkamps, war viele Jahre lang Verleger des Suhrkamp Verlages. Von den Zehntausenden Briefen, die er an seine Autoren schrieb, liegt nun eine Zusammenstellung von 88 Kostbarkeiten vor. Sie sind beeindruckende Zeitdokumente, faszinierende Bilder und zugleich selbst ein bisschen Literatur.
„Das scheint mir überhaupt die wichtigste Aufgabe eines Verlegers zu sein, den Autoren Bedingungen für ihre Produktion zu schaffen.“
Die Briefe betreffen zum Teil sehr private Dinge, denn Siegfried Unseld pflegte viel freundschaftliche Beziehungen zu seinen Autoren. Vor allem aber sind die Bücher und die Arbeit daran thematisiert. Der Verleger sah seine Aufgabe stets darin, Verbesserungen und Ideen zu unterbreiten, in drängender und zugleich liebvoller Art versuchte er den Autoren mit seinem Wissen zu helfen. Dabei wird deutlich, dass es ihm weniger um das einzelne Buch, als um den Autor und sein Werk als ganzes ging. Und schließlich blieb er immer dem Suhrkamp-Motto treu: Der Autor hat das letzte Wort.
Autoren, Verleger, Verlag
Siegfried Unseld schaffte es, eine Verlagsgemeinschaft zu entwickeln, in der sich die Autoren mit dem Verlag identifizieren. So bekam jeder Autor die Neuerscheinungen des Verlagsprogramms, ständig umwarb der Verleger neue Autoren oder holte die in anderen Verlagen erschienenen Werke seiner Autoren mit in den Verlag. Großzügig in Vorauszahlungen und freimütig im Umgang versammelte Siegfried Unseld DIE Riege deutschsprachiger und auch ausländischer Literaten des 20. Jahrhunderts um sich. Dabei war das „Bücher machen“, wie er es nannte, sein ganzes Leben: „Ich glaube wir alle, die wir uns um die Sache des Buches bemühen, können unsere Arbeit nur leisten, wenn wir sie wirklich aus innerer Freude heraus tun. Sonst wird alles purer Job – und das heißt dann nur angestrengt bemüht. Nur wer mit Intensität, Spontaneität und Phantasie arbeitet schafft etwas, was bestehen bleibt.“
Briefe und persönliche Begegnungen
Trotz seiner unzähligen Briefe, die er in seiner 50-jährigen Suhrkampzeit diktierte und schrieb, war Siegfried Unseld ein Freund der persönlichen Begegnung. Immer wieder forderte er die Autoren zu Treffen auf und reiste zu ihnen. Aber mit seinen Briefen schuf er die Sicherheit, die die Autoren beim Verlag hatten. Wie Rainer Weiss, der Editor und Herausgeber der Briefe schreibt: „... und es war das geschriebene Wort, das zählte, das Bekräftigung und Versicherung in einem war, das Wort, auf das der bauen konnte, der einen Brief von Siegfried Unseld erhielt.“
Verleger, Autor und Ehrenmann
Es bleibt das Bild von einem der letzten großen Ehrenmänner. Mit perfektionierten Manieren und bezauberndem Stil bekam Siegfried Unseld alles was er wollte. Und das merkt man diesen Briefen an. So wird der Verleger selbst zum Autor, wenn er mit aller Kraft und vollem Herzen die literarische Arbeit einer ganzen Heerschar von Autoren unterstützt, koordiniert und mitgestaltet.
(Rezensiert am: 2004-11-04)
Siegfried Unseld, Rainer Weiss (Hrsg.): Briefe an die Autoren. , Suhrkamp, 2004, ISBN-13: 9783518223840, 12.80 €
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