Klaus Walther:
Bezauberndes Essay über Bücher, Bibliotheken und Sammler – animiert zum Nachmachen!
Von Felix Struening
Die größte Gefahr dieses Buches gleich vorweg: Der Leser möchte in die nächsten Antiquariate stürzen und seine eigene Sammlung beginnen oder fortsetzen. Denn wer ein Faible für Bücher hat – und nur der wird dieses Buch lesen – wird in Begeisterung verfallen, wenn er von all den Schätzen hört.
„Lesen, der Griff zum Buch, ist eine ganz individuelle Entscheidung, und so liest man nicht nach den Bestsellerlisten, sondern nach einer ganz persönlichen Auswahl.“
Klaus Walther ist ein selbstständiger und von Medien unabhängiger Leser, nicht zuletzt durch seine jahrelange Tätigkeit als Lektor, Autor und Redakteur. Und er führt den Leser auf (s)eine Reise durch eine Welt des Büchersammelns. Immer wieder von seiner eigenen Sammlung ausgehend, stöbert er verbal durch Schweizer Brockenhäuser, Antiquariate, private und öffentliche Bibliotheken. Dabei zeigt er, wie tief diese Leidenschaft bei ihm und seinen Kollegen und Freunden geht: „Denn unsere Bibliotheken, die wir aus Antiquariaten zusammengetragen haben, sind Stücke unseres Lebens, Lebensstücke.“
Zwischen Qualität und Quantität
Aber nicht immer ist das Büchersammeln nur glücklich. So berichtet der Autor von einigen Eheauseinandersetzungen, nicht nur den Preis der Bücher betreffend, sondern vor allem den Platz in der Wohnung. Denn es ist ein ewiges Wechselspiel zwischen Qualität und Quantität der Bücher, zwischen Leser-Sammlern und Besitzer-Sammlern. Jeder findet da seine eigenen Maßstäbe und Kriterien: „Als ob es darauf ankäme, dass man all diese Bücher, die hier stehen, gelesen hat. Nein man will sie irgendwann lesen. Man hat sie, damit man in einer bestimmten Stunde einfach an das Regal treten kann, das Buch herauszieht und zu lesen beginnt.“
Zusammenstellung und Beschaffung
Insbesondere bei seiner eigenen Bibliothek erklärt der Autor, wie er sie zusammengestellt hat, wie er versucht sie zu sortieren, was seine Spezialgebiete sind und wie er Bücher bekommt. Dazu blättert er mit dem Leser in einem Auktionskatalog, besucht eine solche Versteigerung und zeigt den Weg durch Staubwolken und Regale in Antiquariaten rund um die Welt. Klaus Walther weist aber auch immer wieder darauf hin, dass zum Büchersammeln große Sachkenntnis gehört und nicht jede Bibel von 1900 gleich wertvoll sein muss. Er erwähnt entsprechende Sachliteratur und bietet einige kleine Tipps für denjenigen, der selbst Sammeln möchte. Natürlich ohne seine speziellen Quellen zu verraten, denn der Kreis der Sammler weiß sich gerne unter sich ...
(Rezensiert am: 2004-10-20)
Klaus Walther: Bücher sammeln. , Deutscher Taschenbuch Verlag, November 2004, ISBN-13: 9783423341424, 8.00 €
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