Eva Schwingenheuer:
Warum der islamische Zwang zur Burka Frauen diskriminiert und warum dieser Ganzkörperschleier so unpraktisch ist – herrliche Satire!
Von Felix Struening
Wissen Sie was eine Burka ist? Die Word-Rechtschreibprüfung jedenfalls kennt das Wort selbst im Jahre 2009 noch nicht, im deutschen Duden findet man es immerhin. Dabei hat in Deutschland und Europa die Diskussion um das muslimische Kopftuch und die damit assoziierte Unterdrückung der Frau im Islam längst große Wellen geschlagen. Burka, Tschador oder Hidschab sind die Ganzkörper-Versionen des Kopftuches in afghanisch-pakistanischer, iranischer oder saudi-arabischer Version und Bezeichnung. Allesamt sollen sie die Reize der Frauen vor den angeblich lüsternen Männern verbergen.
Die Burka ist vor allem durch ein Merkmal gekennzeichnet: Im Gegensatz zu den anderen Ganzkörperverschleierungen, die meist das Gesicht und die Hände freilassen, muss sich die Muslima unter der Burka mit dem Blick durch einen schmalen Sehschlitz zufrieden geben. Diesen Sehschlitz als weißen Balken vor schwarzen Grund hat nun die Künstlerin Eva Schwingenheuer als Stilmittel einer bitterbösen Satire über die Burka genutzt.
Die Burka im Alltag – von normal bis absurd immer dabei
In 45 herrlichen Zeichnungen hat die Autorin die Burka im tagtäglichen Einsatz gezeichnet. Von scheinbar normalen Situationen beim Friseur bis hin zu absurden Momenten wie dem Synchronspringen des afghanischen Olympiateams. Der völligen Abkapselungsfunktion der Burka wird selbst der schwarze Einband mit dem stilisierten weißenSehschlitz mehr als gerecht.
Das Büchlein kommt dabei nahezu ohne Worte aus und muss auch nichts erklären. Die Unterdrückung und Gleichschaltung durch die Verschleierung wird besonders in einer Zeichnung deutlich, in der eine Burka-Trägerin von einem Podest der Masse der Sehschlitze zuruft: „Wollt ihr die totale Burka?“, was einheitlich bejahrt wird.
Im Interview hat die Zeichnerin ihre Motivation hinter dem Büchlein klar zum Ausdruck gebracht: Die Burka sei Ausdruck eines Menschenbildes, das Frauen auf ihre sexuellen Merkmale reduziere und die Gleichberechtigung im Alltag untergrabe. Wenn es wirklich um das Verbergen sexueller Reize ginge, sollten sich stattdessen die Männer fragen, ob sie auf sexuelle Aggressoren begrenzt werden wollten. Das Buch solle durchaus nicht nur unterhalten, sondern sei als Kritik an dem patriarchalischen Sitten- und Machtkodex zu verstehen.
Mutige Satire über Islam
In Anbetracht der Mohammed-Karikaturen-Krise und 1,5 Milliarden chronisch beleidigter Muslime (Henryk M. Broder: „Hurra, wir kapitulieren“) ist es natürlich ein Wagnis, ein islamisches Symbol derart satirisch zu verunglimpfen. Nur wenige Autoren haben noch den Mut, solche Werke zu publizieren. Deswegen erfolgt an dieser Stelle der Hinweis auf das dazu passende Buch „Der Harem des Propheten“ (Johann Georg Mausinger mit Bildern von Maius Haban) über das Sexleben des angeblichen Propheten Mohammed. Leider haben noch weniger Verlage den Mut, Bücher zu veröffentlichen, die dem Islam ironisch zusetzen, erinnert sei etwa an die Krise um die Veröffentlichung von Sherry Jones‘ Roman „Aischa“.
Mehr davon, bitte!
Eva Schwingenheuer erklärt selbst dazu, dass eine demokratische Gesellschaft sich einem solchen Druck der Muslime nicht beugen dürfte. Bleibt zu wünschen, dass die begabte Zeichnerin ihrer Ideologie-kritischen Haltung treu bleibt und uns weiter mit derartigen Karikaturen versorgt. Interessant wäre zum Beispiel ein Band über den Burkini, die muslimische Ganzkörper-Badebekleidung für Frauen, die mittlerweile in einigen deutschen Bädern zugelassen wird. In Anbetracht dessen, dass der Bikini in Europa Teil der sexuellen Revolution war, ist diese Mischung aus Burka und Bikini eigentlich schon eine Perversion.
(Rezensiert am: 2009-08-02)
Eva Schwingenheuer: Burka. , Eichborn, 2009, ISBN-13: 9783821860695, 7.95 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |