Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader:
Schnelle Vorbereitung fürs Vorstellungsgespräch – gute Zusatzlektüre, wenn im Rahmen einer umfassenden Bewerbungsstrategie angewandt!
Von Felix Struening
Das Autoren-Duo Hesse/Schrader hat mittlerweile über 150 Bücher zu den Themen Karriere, Bewerbung und Job verfasst. Damit dürften sie inzwischen jede noch so kleine Nische und jeden Aspekt des Bewerbungsprozesses behandelt haben. Die Ratgeber basieren in der Regel auf allgemeinen Tipps aus der Beratungspraxis der beiden Autoren und haben meist einen psychologisierenden Aufhänger. Der vorliegende Ratgeber aus der Reihe handelt vom Vorstellungsgespräch, dem zweiten großen Schritt im Bewerbungsprozess und vermittelt in aller Kürze das Notwendigste.
Allgemeiner Zugang und praktische Herangehensweise
Abgesehen von der psychologischen Sichtweise verfolgt der Ratgeber keinen speziellen Ansatz, vielmehr bauen die Autoren nahezu ausschließlich auf den Erfolg der Marke Hesse/Schrader. Da sich das Buch lediglich auf einen Teilaspekt der Bewerbung konzentriert, findet sich auch kein Gesamtkonzept für eine Karriereplanung, wie z.B. Horst G. Kaltenbach es mit „Persönliches Karrieremanagement“ entwirft. „Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch“ dient also lediglich der Ergänzung einer umfassender zu planenden Karrierestrategie.
Fokussiert auf das Thema Jobinterview findet der Leser auf 150 Seiten viel Praktisches und schnell Anzuwendendes. Gleich zum Einstieg fordern die Autoren auf, die Perspektive des Personalers einzunehmen, um bestimmte Aspekte der Materie zu verdeutlichen. Diesem Muster folgen sie im Laufe des Buches immer wieder, um sowohl Fragetechniken als auch das dahinter stehende Ziel zu verdeutlichen. Hier wird besonders deutlich, dass Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader aus der Sicht der Arbeitspsychologie schreiben, die sich oft auf Tests, Fragenkataloge und Skalen verlässt.
Nach rund 100 Seiten normaler Bewerbungstipps folgt ein kurzer Einschub, in dem die Autoren zwischenmenschlich-psychologische Phänomene erklären, die unter Umständen zutreffen könnten. Hinweise darauf, dass ein männlicher Personaler bei einer älteren Bewerberin sich an seine Mutter erinnert fühlen könnte und entsprechend distanziert reagiert, wirken für einen Bewerbungsratgeber doch etwas überzogen und deplatziert.
Fragen und Verhalten im Vorstellungsgespräch
Anhand von zehn Phasen des Vorstellungsgespräches führen die Autoren viele mögliche Fragen vor und zeigen, wie man antworten kann und wie eben nicht. Dabei verweisen sie darauf, dass es sinnvoll ist, sich Kommunikationsziele festzulegen und die dafür notwendigen Botschaften zu formulieren.
Als Extras werden Fragen an Frauen, Arbeitslose und Führungskräfte behandelt und Tipps für rund 20 Fragen gegeben, die der Bewerber selbst an das Unternehmen respektive den Personaler stellen kann, um sein Interesse an dem Job zu bekunden. Das Thema Stressinterview und wie man dabei möglichst ruhig bleibt wird etwas ausführlicher angesprochen, ebenso die Gehaltsverhandlung. Hier ist der wichtigste Tipp der Autoren, sich bezüglich des bisherigen Gehalts nicht in die Karten schauen zu lassen, vor allem wenn man durch den Jobwechsel erheblich mehr Gehalt erreichen möchte. Außerdem sei die Frage nach derzeitigen Bezügen sowieso unzulässig.
Um die Nervosität des Bewerbers zu mindern, weisen Jürgen Hesse und Hans Christian Schrader darauf hin, dass nur zehn bis 20 Prozent der Vorstellungsgespräche vollprofessionell von geschulten Personalern durchgeführt werden, was in der Regel bedeutet, dass Fragenkataloge z.B. mit Fangfragen und Gegenfragen systematisch die Kompetenzen des Bewerbers ausleuchten. 40 bis 60 Prozent der Vorstellungsgespräche verliefen jedoch „normal“ mit „normalen“ Arbeitgebern, z.B. dem Chef, und 30 bis 40 Prozent verliefen sogar völlig unprofessionell, so dass die gestellten Fragen keinem System folgen würden.
Aktualität
Ganz außen vor bleibt leider der Aspekt der „Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0“, was einerseits verständlich ist, da sich der Ratgeber ausschließlich mit dem Vorstellungsgespräch widmet. Andererseits dürften sich Bewerber in Zukunft immer öfter Fragen zu Inhalten über sie im Internet ausgesetzt sehen. Hier fehlt eine Antwortstrategie und ein darauf vorbereitendes Online Reputation Management, um die „Karrierefalle Internet“ zu verhindern.
(Rezensiert am: 2009-06-19)
Jürgen Hesse, Hans Christian Schrader: Das erfolgreiche Vorstellungsgespräch. Wie Sie beeindrucken, überzeugen, gewinnen, Eichborn, 2008, ISBN-13: 9783821859552, 12.95 €
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