Volker Kitz, Manuel Tusch:

Das Frust Job Killer Buch

Eine gute Idee denkbar schlecht verpackt – ein Buch höchstens für Pessimisten!

Von Felix Struening

85 Prozent der Deutschen würden gerne ihren Job kündigen oder wechseln. Sie alle haben die Hoffnung, dass es bei einem anderen Arbeitgeber besser wird. Nettere Kollegen, freundliche Chefs, gute Arbeitsbedingungen und vor allem: mehr Gehalt. Die beiden Psychologen Volker Kitz und Manuel Tusch halten dem entgegen. Nach ihren Forschungen sei es egal, für wen man arbeitet. Glücklich könne der Arbeitnehmer nur durch Eigeninitiative werden.

Von bösen Chefs und Kollegen und von zu wenig Gehalt…

Natürlich kennt jeder einen missmutigen Chef, natürlich hat jeder unfreundliche Kollegen und natürlich würde jeder bei größerer Handlungsfreiheit gerne mehr Geld verdienen. Zumindest suggerieren das die beiden Autoren und werden wohl auch bei einigen Lesern Anklang finden. In sehr psychologisierender Schreibweise malen sie ein endlos graues, abgrundtiefes Bild vom Arbeitsalltag. Alles, was uns im Job glücklich machen könnte, zerpflückt das Autorenduo mit seinen Studien:

So sind selbst Bestverdiener mit einem siebenstelligen Jahreseinkommen nicht glücklich, wenn der Manager im nächsten Unternehmen mehr verdient. Ausschlaggebend scheint nicht die Zahl auf der Gehaltsabrechnung zu sein, sondern der Vergleich mit anderen. Gleiches gilt für den Status, den der fleißige Arbeitnehmer erreichen kann. Schnell ist er normal geworden, zu normal, um noch glücklich zu machen. Und der Dienstwagen des Chefs ist ja auch ein bisschen größer, als der eigene.

Auch der Sinn eines Jobs ist nur bedingt motivierend, denn selbst Ärzte, die täglich Leben retten, versinken irgendwann in Routine und müssen der Bürokratie genügen. Und wenn man nun endlich die Tätigkeit gefunden hat, die einem Spaß macht, wird auch dieser mit der Zeit vergehen, selbst wenn es nur an den Kollegen liegt…

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Geht es nach Volker Kitz und Manuel Tusch, sind die Angestellten die wahren Frustrierten, für sie die Un-Arbeitslosen. Der aufgezeigte Ausweg – und hier liegt die einzige Stärke des Buches – liegt bei jedem selbst. Nur wer selbst die Verantwortung übernimmt und versteht, dass sein Glück nur von ihm abhängig ist, wird auch etwas ändern. Der Tipp der Autoren: Sich nicht auf einen der vier genannten Glücks- oder Zufriedenheitsfaktoren verlassen, sondern alle vier gleichermaßen bedenken. So wird verhindert, dass man zu hohe Erwartungen an eine Dimension, etwa an sein Gehalt stellt. Diese ist erstens schwerer zu erfüllen und zweitens steigt statistisch gesehen die Chance glücklich zu werden, wenn mehr als einer von vier (oder mehr) Faktoren dafür infrage kommt.

Pessimisten und Optimisten

Der Leser versetze sich nun in die Lage eines Pessimisten. Dieser erkennt sich vielleicht noch wieder, wenn bis Seite 144 unzählige Studien und andere Beweise dafür angeführt werden, dass das Berufsleben wirklich schrecklich ist.

Der Leser wechsle nun in die (für ihn hoffentlich normale) Position des Optimisten. Mühsam kämpft er sich durch den langen ersten Teil und fragt sich immer wieder, wie man um alles in der Welt nur so deprimiert sein kann. Denn irgendwer muss ja diese ganzen negativen Ergebnisse für die zitierten Studien geliefert haben. Verbissen wartet der Optimist auf den mehrfach angekündigten zweiten Teil des Buches und hofft, nun die vielfach versprochenen Tipps & Tricks, ja die ultimative glücklich-im-Job-Strategie zu finden. Denn nach der Schwarzmalerei des ersten Teils müsste diese nun in besonderem Licht erstrahlen…

Doch weit gefehlt! Stattdessen sinkt das Niveau des Buchs beharrlich weiter. Der Leser muss nicht Psychologie studiert haben, um zu verstehen, mit welch billigen pseudopsychologischen Tricks hier gearbeitet wird. Dabei verwenden die Autoren von allem ein bisschen: da gibt es Tiefenpsychologie, Selbstkonditionierung, Psychosomatik, Buddhismus, Christentum, Autogenes Training und Volksweisheiten. Wenn zwei studierte Psychologen die „Psychologie Heute“ als wissenschaftliches Organ zitieren, dann ist das in etwa so glaubwürdig, als ob ein Rezensent die Buchtipps der „Brigitte“ als vorbildliche Buchkritiken anführen würde.

Die Absurditäten reihen sich wild aneinander. Da wird der Dalai Lama zitiert, direkt danach alle Inder als Buddhisten dargestellt, obwohl über 80 Prozent der Inder Hindus sind und anschließend behauptet, dass alle Inder einfach glücklich in den Tag leben, weil sie den inneren Reichtum im Leben sehen. An anderer Stelle widersprechen die Autoren dann ihrem eigenen Grundsatz, dass man nur durch sich selbst glücklich werden kann und nicht durch den Job: „Wir haben bereits festgestellt, dass wir keine Macht, keine Kontrolle über unser Leben und unser Schicksal haben und es kommt, wie es kommt.“ Von den einzelnen eingestreuten Übungen kann man halten was man will, ein solches Sammelsurium ist einfach nur bizarr.

Zurück zum Pessimisten und zum Optimisten. Ersterer dürfte nun wirklich verwirrt und ob des Durcheinanders im zweiten Teil des Buches auch nicht schlauer sein (und wahrscheinlich auch nicht glücklicher!). Der Optimist hat das Buch wegen des merkwürdig-abschreckenden Titels wahrscheinlich eh nicht gekauft. Falls doch, wird er es kaum ganz durchgelesen haben. Weiterschenken ist keinesfalls zu empfehlen.

(Rezensiert am: 2008-12-10)

Volker Kitz, Manuel Tusch: Das Frust Job Killer Buch. , Campus, 2008, ISBN-13: 9783593386669, 19.90 €


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