Carlos Maria Dominguez:
Ein außen und innen wunderschönes Buch – Liebhaber und Sammler werden sich in diesem Kleinod wiedererkennen!
Von Felix Struening
Schon wer das Buch in die Hände nimmt, spürt, dass er es mit einem Kleinod für Buchliebhaber zu tun hat. Feinstes Papier, Umschlag mit Holzprägung und eine Karte aus echtem Pergament. Diese kann man ausklappen und darauf die Reise des Protagonisten nachvollziehen. Eine Reise, die genauso bezaubernd ist, wie die Gestaltung des Buches.
Am Anfang der Tod
Es beginnt mit einem Blitzeinstieg: Die Literatur-Dozentin Bluma Lennon wird beim Lesen auf der Straße überfahren. Innerhalb der ersten fünf Zeilen des Buches. Dem rasanten Beginn folgt dann die eher gemütliche, aber umso faszinierendere Geschichte eines argentinischen Kollegen der Dozentin. Er übernimmt ihre Stelle und findet in ihrer Post ein Exemplar von Joseph Conrads Roman „Die Schattenlinie“. Merkwürdig ist, dass das ganze Buch mit Zement beschmiert ist. Innen findet der Ich-Erzähler eine Widmung von Bluma Lennon an einen Mann in Uruguay.
Die Reise
Von seiner Neugierde geplagt und mit dem Wunsch das Buch zurückzugeben, macht sich der Protagonist auf den Weg nach Südamerika, um dort die mysteriösen Umstände des Buches aufzuklären. Auf seiner Reise begegnen ihm verschiedene Menschen, die alle eines gemeinsam haben: Ihre Liebe zu Büchern. Wenn auch jeder auf seine eigene Art und Weise.
„Eine Bibliothek ist eine Tür in der Zeit.“
Der eine sammelt Erstausgaben und seltene Drucke, nur um sie im Schrank zu bewundern, der andere liest geradezu suchtartig jedes Buch, was ihm in die Hände fällt. Es sind beeindruckende Privatbibliotheken, von denen hier gesprochen wird. Und für fast alle Personen der Erzählung sind Bücher vom Leben nicht zu trennen: „Durch einen Pakt aus Bedürftigkeit und Vergessen sind sie an uns gebunden wie die Zeugen niemals wiederkehrender Augenblicke in unserem Leben.“ Sie sind der Einblick, in Zeiten, die man selbst nicht miterleben durfte, die Verbindung zu dem, was vergangen ist.
Schicksals-Bücher
Es sind Bücher, die unser Schicksal verändern, führt der Autor anfangs aus. Er meint Hesse, meint Hemingway, meint Dumas. Doch letztendlich muss er eingestehen, dass es auch andersherum sein kann. Manchmal verändern Menschen das Schicksal eines Buches.
(Rezensiert am: 2004-07-09)
Carlos Maria Dominguez: Das Papierhaus. , Eichborn, Juli 2004, ISBN-13: 9783821857305, 12.90 €
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