Tim O‘Reilly, Sarah Milstein:

Das Twitter-Buch

Twitter-hafte Einführung in Twitter – farbenfroh, schnell und sinnvoll zu Microblogging und Echtzeitkommunikation!

Von Felix Struening

Über schnelllebige Webphänomene Bücher zu schreiben, birgt ja immer ein gewisses Risiko. Versucht man beispielsweise mit handfesten Zahlen und Statistiken zu argumentieren, sind diese meist veraltet, bevor sie gedruckt werden. Und viele der Web 2.0- und Social Media-Entwicklungen lassen sich nur schwer auf totem Holz abbilden. Nun hat Tim O’Reilly, einer der erfolgreichsten Computerbücher-Verleger und Erfinder des Begriffs ‚Web 2.0‘, zusammen mit Sara Milstein selbst zugeschlagen: „Das Twitter-Buch“ liefert auf 266 Seiten bunt und unterhaltsam eine Einführung für diejenigen, die immer noch nicht wissen, was Tweets, ReTweets und DM’s sind.

(Ein-)Führung zu Mehrwert & Freude

Großzügig gestaltet, im DIN-A5-Querformat und mit durchgängig vierfarbigen Screenshots und Abbildungen auf jeder zweiten Seite liest sich das Twitter Buch schnell und auch für den Microblogging-Laien sehr verständlich. Twitter-Profis finden hingegen wenig Neues, vielleicht ein paar Links oder Drittanbieter-Anwendungen, die sie noch nicht kannten. Aber das will und muss das Buch auch nicht bieten, denn Updates zur ständig wachsenden und sich verändernden Twitter-Community findet man täglich in entsprechenden Blogs. Die wichtigsten Links dazu gibt es im Buch und natürlich bei Twitter selbst.

Stattdessen führen Tim O’Reilly und Sarah Milstein solide von der Registrierung über die Grundlagen des Tweetens bis zum professionellen Einsatz für Unternehmen. Sie zeigen dabei nicht nur, wie Twitter funktioniert, sondern vor allem auch, wie Twitter Spaß macht und zu einem wirklichen Mehrwert wird. Insbesondere das Kapitel für den deutschen Twitter-Raum überzeugt hier und zeigt auch kreative Anwendungen, wie etwa die literaturkritischen Besprechungen von Tweets durch @twitkrit (die Redaktion BuchTest hatte dies andersherum probiert und zum ersten Wettbewerb Literaturkritik in 140 Zeichen aufgerufen).

Twitter ist (nahezu) Echtzeit

Erstaunlich für ein Buch, ein so langsames wie ehrwürdiges Medium, und ohne zu technisch oder zu wissenschaftlich zu werden, schaffen es die beiden Autoren gut verständlich zu machen, was die Echtzeit-Funktionalität des Twitterns von der bisherigen Kommunikation im Internet, auch im Web 2.0 unterscheidet. Als besonders eingängliches Beispiel können die durch ein Hashtag gekennzeichneten Tweets von einer Veranstaltung, wie etwa der re:publica in Berlin (#rp09), gelten. So wird eine Liveberichterstattung aus verschiedensten Blickwinkeln möglich.

Mit dem Klick-Diagramm eines getwitterten Links und anderen Studien zeigen die Autoren, dass bei Twitter Reaktionen der Follower – also Klicks auf Links, Retweets und Replies – fast nur in den ersten fünf Minuten erfolgen. Um dies in der eigenen Kommunikation zu gewährleisten, muss man allerdings auch immer online sein und mitlesen, was allerhöchstens mit entsprechenden und beschriebenen Desktop-Anwendungen und für professionelle oder ‚chronische‘ Twitterer möglich ist.

Noise & Belangloses

Als Ambient Intimacy (leichte, aber bedeutungsvolle Intimität) oder Gemeinschaftsgefühl wird gerne und auch im Buch bezeichnet, wenn man ständig weiß, was Kollegen und Freunde gerade tun. Wer davon vielen bei Twitter folgt, liest oft, wer wann wo etwas isst oder macht, denkt etc. Etwas lakonischere (oder sachlicher orientierte?) Stimmen nennen dies einfach Noise oder Rauschen, also sinnlose Informationen, die bei Twitter neben Spambots doch einen großen Teil ausmachen. Die Sichtweise entscheidet hier wohl, zur Not kann man ja jederzeit problemlos un-followen.

Was fehlt

Bei so einem Buch verwundert, dass weder begleitende Webseite noch Twitter-Account geführt werden, zumal die Autoren und auch die Co-Autoren des Kapitels für den deutschen Raum alle aktiv Twittern. Ein besseres Beispiel liefern da die beiden Autoren Nicole Simon und Nikolaus Bernhardt, die zu ihrem Buch „Twitter“ sowohl Webseite als auch Twitter-Account betreiben. Dafür ist „Das Twitter-Buch“ mit einem Hashtag (#TwitterBuch) zur Diskussion auf Twitter selbst ausgestattet.

Trotz Nennung der aktuellen Twitter-Nutzerzahlen – auch gesondert für den deutschsprachigen Raum – wird kaum darüber gesprochen, dass viele der Twitter-Accounts schweigen. Viele springen wohl also auf den Hype auf und verlieren dann die Lust oder haben einfach keine Zeit mehr. Hier soll wohl dem Trend nicht entgegen geschrieben werden.

Außerdem fehlt der Hinweis darauf, dass das Abrufen der Tweets anderer per SMS nur in den USA möglich ist. In Deutschland kann man lediglich eigene Tweets per SMS senden, was daran liegt, das hierzulande im Gegensatz zu den USA nicht für empfangene SMS bezahlt werden muss. Dass als Twitter-interner URL-Verkürzer nicht mehr TinyURL sondern Bit.ly fungiert, ist dann nur noch ein nebensächlicher Fehler des Buches.

(Rezensiert am: 2009-09-02)

Tim O‘Reilly, Sarah Milstein: Das Twitter-Buch. , O’Reilly Verlag, 2009, ISBN-13: 9783897219427, 17.90 €


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