Jana Simon:
Die berührende Geschichte eines Immer-Fremden, oder wie DDR und Mauerfall eine Jugend zeriss!
Von Felix Struening
Gewalt und Bach. Schlägerei und Beethoven. Schwarz und Weiß. DDR und Südafrika. Es ist eine Geschichte der Gegensätze, der Spannungen, der Zerrissenheit. Felix S. wächst in der DDR auf und hat ein großes Problem: seine Haut ist dunkel. Seine Mutter ist eine Farbige aus Südafrika und er der Außenseiter. Deshalb trainiert er Kampfsport um sich verteidigen zu können. Und mehr als das.
„Es ist das Delirium der Gewalt, der Exzess der Entgrenzung.“
Als die DDR zusammenbricht, fällt für Felix und seine Generation eine Welt weg. Felix nutzt seine Karate- und Kickboxfähigkeiten um an Hooliganschlägereien teilzunehmen und als Türsteher zu arbeiten. Dabei prallen seine Wertvorstellungen mit der kapitalistischen Welt Westberlins zusammen. Die eigenen Jugendbande zerbrechen und mit den unzähligen Möglichkeiten der Wende fällt die Schwarz-Weiß-Malerei des Ostens, aber auch jegliche Sicherheit weg. „Dass sie sich von früher kannten, war Felix immer wichtig. Früher, ein Wort, das diese Generation der in den siebziger Jahren Geborenen zusammenhält – das einzige vielleicht.“
DDR, Wende und Apartheid
Jana Simon zeichnet das Bild eines Zerrissenen, eines, der immer überall fremd blieb: „Er kam sich oft vor, als stehe er immer zwischen allem – zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Deutschland und Afrika, zwischen seiner Familie und den Freunden in der Szene.“ Sie zeichnet aber auch eine ganze Generation nach, der sie selbst angehört. Lange war die Autorin Felix S.’ Freundin und schreibt so nicht nur dessen Biografie. Ihr gelingt ein erstaunlich kritischer Blick auf die DDR- und Wendezeit. Gleichzeitig kommt die Geschichte von Felix S.’ Großeltern zum Tragen, die in Südafrika mit Nelson Mandela gegen die Apartheid kämpften, schließlich in die DDR emigrierten und deren Zusammenbruch aus einer dritten Sichtweise reflektieren.
Eine Geschichte, die das Leben geschrieben hat...
„Denn wir sind anders“ ist eine berührende literarische Biografie, ein Buch über Freundschaft, Brutalität, Schlägereien ohne Ideologie, Extreme, Parallelwelten, Freunde, Enttäuschungen, Gefängnis und Tod. Es ist eine Reflektion über die Sinnsuche einer Jugend in der DDR- und Wendezeit. Vielleicht ist es aber auch nur die Geschichte eines Menschen, wie sie das Leben nicht wirklicher schreiben könnte.
(Rezensiert am: 2005-11-08)
Jana Simon: Denn wir sind anders. Die Geschichte des Felix S., Rowohlt Verlag, 2002, ISBN-13: 9783871344398, 14.90 €
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