Lian Hearn:

Der Clan der Otori

Band II: Der Pfad im Schnee

Mystisch, spannend und blutig – sehr gelungene Fortsetzung!

Von Felix Struening

Es sind die Leben von Takeo und Kaede, die den zweiten Band der Ortori-Bücher bestimmen. Auf einer Seite kurz zusammenfassend, was zuletzt geschah, steigt die Geschichte direkt dort ein, wo das erste Buch endet. Und innerhalb weniger Zeilen ist der Leser wieder von der fremden, fernen Welt gefangen. Abwechselnd folgt man Kaede und Takeo, bei ihren Versuchen getrennt voneinander mit der Umwelt zurecht zu kommen.

Eine schwangere Frau in der Männerwelt

Kaede, von Takeo schwanger, muss sich in einer rauen Männerwelt behaupten, in der Frauen eigentlich nur Ehefrauen sind. Doch ihr Wille ist ein ganz anderer und Stück für Stück erobert sie sich eine Position, um ihre Ländereien zu beherrschen. Dabei stößt sie aufgrund mangelnden Diplomatiewillens immer wieder schmerzhaft an gesellschaftliche Grenzen. Nur durch die Hilfe ihrer Dienerin Shizuka – eine Abgesandte des geheimnisvollen Stammes – kann sie sich als Erbin des Otori-Clans behaupten.

Der Stamm und Takeo

Eben dieser geheimnisvolle Stamm hat Takeo nun für sich beansprucht. Durch ein Versprechen gebunden, muss er bei ihnen bleiben und sich von ihnen ausbilden lassen. Dabei lernt er deren berühmt-berüchtigte Skrupellosigkeit und Härte nur zu gut kennen. Alle gehorchen den Befehlen und agieren selbstlos zum Wohle des Stammes. Morde und Paarungen geschehen aus rein planerischer Sicht. „Wenig hatte sich in Jahrhunderten verändert. Kriegsherren stiegen auf und stürzten, Clans blühten und verschwanden, doch das Gewerbe des Stamms ging in allen wichtigen Bereichen des Lebens seinen immer gleichen Gang.“

Spannend, blutig, verworren

Spannend erzählt – ja nächteraubend – zieht die Autorin den Leser in die Wirren Takeos und Kaedes zwischen Stamm, den Verborgenen und dem Otori-Clan. Einerseits erscheint die Geschichte märchenhaft, andererseits, zeigt sie den harten Alltag im feudalen Japan. Nahezu mystisch vermischen sich Naturglaube, Götter, Buddhismus, Konfuzius und die Lehre der Samurai. Aber auch an Blut wird nicht gespart, zahlreiche Tote pflastern den Weg des Buches. Leider sind viele Namen und Zusammenhänge nur aus dem ersten Band heraus verständlich. Und wenn die Lektüre dessen schon ein wenig zurückliegt, sind Verwirrung und Fragen nicht ausgeschlossen. Dennoch schafft es die Autorin auch im zweiten Band, den Leser zu fesseln und lässt in ihrer Erzählmontage und Spannung keinen Moment nach. Erneut bleibt nur zu sagen, dass die Vorfreude auf den dritten Band mit dem großen Finale riesig ist.

(Rezensiert am: 2005-04-03)

Lian Hearn: Der Clan der Otori. Band II: Der Pfad im Schnee, Carlsen Verlag, 2004, ISBN-13: 9783551581105, 18.00 €


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