Tom DeMarco:

Der Termin

Ein Roman über Projektmanagement

Menschen denken auch unter Druck nicht schneller – allein wegen dieser Erkenntnis schon Pflichtlektüre für alle angehenden Projektmanager!

Von Tobias Lütticke

Projektmanagement in Romanform

Der Termin ist eines von zahlreichen Büchern zum Themenkomplex Projektmanagement von Tom DeMarco. Dieses kommt als Roman daher, in dessen Geschichte die Vermittlung von einigen Grundsätzen des Projektmanagement eingebettet ist. Im Vordergrund stehen ehrgeizige Softwareprojekte, die unter extremen Zeitdruck stehen, weil sie innerhalb kürzester Zeit abgeschlossen werden müssen. Dieser Aspekt wird erst in der Buchmitte deutlich – dann versteht man auch den Zusammenhang zum Buchtitel – während sich die Geschichte vorher um den Beginn der Projekte allgemein dreht.

Interessante und manchmal skurrile Charaktere

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht von Webster Tompkins, dem die Verantwortung für die Projekte recht unvermittelt in den Schoß fällt. Er schildert seine Überlegungen und Gefühle, mit denen er auf die Widrigkeiten und schier unmöglich zu erfüllenden Anforderungen reagiert, die an ihn gestellt werden. Der Plot ist zwar recht abenteuerlich, aber sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Die Geschichte ermöglicht es DeMarco dann auch, dem armen Tompkins immer mal wieder einen fachkundigen Berater an die Seite zu stellen. Diese liefern dem Projektmanager nach und nach die Schlüssel zur Lösung seiner Probleme. Ansprechend ist, dass diese Berater ihn nicht mit Ratschlägen wie „Tu dies und alles wird gut“ abspeisen. Vielmehr geben sie nur einen Impuls, auf Basis dessen Tompkins eigene Überlegungen anstellt. Parallel zu diesen Überlegungen vollzieht der Leser den Umsetzungsprozess mit all seinen Konsequenzen mit. Tompkins ist – wie der Leser – gegenüber manchen Vorschlägen durchaus skeptisch und kritisch. Die Möglichkeit zum Experimentieren und seine verzweifelte Lage verhelfen ihm zu einer „Was soll’s, versuchen wir’s“-Einstellung, die im wahren Leben nicht ganz so einfach umzusetzen ist.

Erkenntnisse im Tagebuch

Der Leser begleitet Tompkins während des gesamten Projektlebenszyklus bis hin zum Projekterfolg. Der lockere Stil und die freundliche, weil menschliche, Hauptperson lassen den Leser mitfiebern und ihm Erfolg bei allen seinen Schritten wünschen. Über 23 Kapitel erstreckt sich die Arbeit an den Projekten. Sie beginnt mit dem Aufbau der Teams, der Entwicklungsarbeit, Qualitätssicherung, Mitarbeiterführung, Dokumentation und anderen Aspekten. Jedes der Kapitel ist einem Gebiet gewidmet. An seinem Ende formuliert Tompkins für sein Tagebuch die Lehren, die er aus den vergangenen Tagen gezogen hat. Das sind auch die Leitsätze, die sich der Leser zu Herzen nehmen sollte. Innerhalb der Geschichte erarbeiten sich die Charaktere ihre Erkenntnisse oft am Whiteboard und diese Grafiken sind auch als Auflockerung und zur Veranschaulichung im Text zu finden. Obwohl DeMarco nahezu alle Bereiche des Projektmanagements abdeckt, greift er aus diesen wiederum nur bestimmte Dinge heraus. Diese Erkenntnisse sind aber so grundlegend und prägnant formuliert, dass die Beschäftigung mit dem Thema nicht oberflächlich wirkt.

Nützlich für Einsteiger, unterhaltsam für Erfahrene

Die Beschränkung auf einige wesentliche Grundlagen macht Der Termin zu einem Buch für Einsteiger im Projektmanagement. Man wird durch das Lesen natürlich nicht zum Projektmanager und genauso wenig ist alles nötige Wissen enthalten. Das Buch hilft einem Neuling aber, einige grundlegende Fehler zu vermeiden. Der Profi zieht eventuell keine neuen Erkenntnisse aus DeMarcos Werk, ihm bietet es aber immer noch eine unterhaltsame Lektüre. Vielleicht hilft es sogar, eigene Verhaltensweisen einmal zu hinterfragen. Trotz scheinbarer Überzeichnung liegen viele der geschilderten Episoden erschreckend nah an der Wahrheit und dem Alltag der Softwareindustrie. Gerade deshalb muten einige der Erkenntnisse recht radikal an, brechen sie doch mit der ein oder anderen Tradition. Das aber zu recht, wenn man den Erlebnissen von Tompkins folgt. Auch wenn sich sicher nicht alle Ideen im Alltag umsetzen lassen, so ist Der Termin doch in mancherlei Hinsicht ein Augenöffner und spricht aus, was man vielleicht geahnt oder erhofft, nie aber auszusprechen gewagt hat.

(Rezensiert am: 2005-06-24)

Tom DeMarco: Der Termin. Ein Roman über Projektmanagement, Hanser Verlag, März 2005, ISBN-13: 9783446401655, 14.90 €


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