Antoine de Saint-Exupéry:
Eine faszinierende Philosophie über Freundschaft und Mitmenschlichkeit – prägnant, leicht und doch so tiefgründig!
Von Felix Struening
Dieses Buch ist eindeutig das bekannteste Werk des Autors und spiegelt seine Lebensphilosophie wieder. Der Autor muss in der Wüste notlanden um sein Flugzeug zu reparieren. Da begegnet ihm der kleine Prinz, auf den ersten Blick nicht von einem normalen Kind zu unterscheiden. Doch im Gespräch stellt sich heraus, dass der kleine Prinz von einem anderen Planeten stammt, der gerade mal so groß ist, das man ihn in wenigen Augenblicken umrunden kann. Auf seinem Planeten hatte der kleine Prinz eine Blume, die sehr hohe Ansprüche an ihn stellte und aufgrund derer er sich auf die Reise begab. Bei seinen Besuchen auf verschiedenen Planeten traf er dann die unterschiedlichsten Leute, die jedoch alle eines gemeinsam hatten: Sie waren oberflächlich und dachten nur an sich selbst. Der König war nur auf Macht aus, der Eitle wollte nur bewundert werden und der Säufer schämte sich seines Trinkens, mit dem er die Scham vergessen wollte. Aber auch der Geschäftsmann, der Laternenanzünder und der Geograph konnten dem kleinen Prinz nicht weiterhelfen. Schließlich gelangte er zur Erde, wo er den Autoren traf und viel von ihm wissen wollte. Das meiste lernte er aber wohl von den Tieren: Das Einsamkeit nur durch Liebe und Freundschaft überwunden werden kann. Schließlich ließ sich der kleine Prinz von einer Schlange beißen, damit er zu seinem Planeten und seiner Blume zurückkehren konnte. Saint-Exupéry karikiert in diesem Werk viele menschliche Eigenschaften und schwachsinnige Entwicklungen der Neuzeit: Entdeckungs- und Patentrecht, Zeitgewinn durch Medikamente, aber auch die Unterwerfung des Einzelnen in Systemen werden lächerlich gemacht, bzw. zeigt sich ihre Sinnlosigkeit. Trotz allem ist es weniger eine Gesellschaftskarikatur als ein Appell an Liebe und Mitmenschlichkeit. So sagt z. B. der König auf seinem Planeten zum kleinen Prinzen: „Die Autorität beruht vor allem auf der Vernunft. [...] Ich habe das Recht, Gehorsam zu fordern, weil meine Befehle vernünftig sind.“ Und ein wenig später fügt er hinzu: „Du wirst also über dich selbst richten [...] Es ist viel schwerer, sich selbst zu verurteilen, als über andere zu richten. Wenn es dir gelingt, über dich selbst gut zu Gericht zu sitzen, dann bist du ein wirklicher Weiser.“ Wie tief der Autor damit das Zeitgeschehen trifft, zeigt wohl vor allem die ungebrochene Popularität des Buches. Ein wirklich wunderbares Vermächtnis eines großen Menschen, und in seiner Prägnanz und Kürze wohl unübertroffen. So leicht zu lesen und doch so tiefgründig.
(Rezensiert am: 2003-01-01)
Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. , Karl Rauch Verlag, Erstauflage deutsch 1952, aktuell: 2000, ISBN-13: 9783792000502, 5.00 €
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