Jean-Pierre Davidts, Marie-Claude Favreau (Zeichnungen):

Der kleine Prinz kehrt zurück

Ein gutes Buch, das aber nie aus dem Schatten seines Originales heraustreten wird!

Von Felix Struening

Das Wagnis ist geschehen! Der Kinderbuchautor Jean-Pierre Davidts versucht eines der bekanntesten Werke der Literatur fortzusetzen. Was viele von Vornherein ablehnen, sollte man jedoch ersteinmal neutral betrachten. Der Ich-Erzähler erleidet Schiffsbruch und landet auf einer kleinen einsamen Insel. Dort trifft er den kleinen Prinzen, ohne ihn zu erkennen (Saint Exupérys Buch kennt der Autor bis dahin nicht). Es entwickelt sich eine Unterhaltung, in welcher der kleine Prinz erzählt, dass er einen Tiger auf seinem Planeten hat, der sein Schaf fressen will. Also begibt sich der kleine Prinz wieder einmal auf die Reise, um jemanden zu finden, der ihm helfen kann. Dabei trifft er diesmal auf den verschiedenen Planenten einen fanatischen Naturschützer, einen Werber, einen Statistiker, einen Verwalter und zwei Völker, die sich grundlos bekriegen. Lediglich der Planet mit einem schönen Mädchen, scheint ihm zu gefallen. Allerdings passt letzteres nicht so ins Gesamtkonzept. Denn bei den sonstigen Gesprächen spart der Autor nicht an Ironie, Kritik und Karikaturen in alle Richtungen. Anspielungen und Weisheiten werden ähnlich dem literarischen Vorbild geliefert: „Wenn man schweigt, heißt das noch lange nicht, dass man nicht leidet.“ oder „Er wird mich sicher ein bisschen quälen. So sind die Mächtigen. Sie schöpfen ihre Stärke aus der Schwäche der anderen.“ Über den Menschen: „Er duldet um sich nur Untertanen, auch bei seinesgleichen. Alles wird organisiert, klassifiziert, reglementiert und einsortiert. In Wirklichkeit ist er unfähig, sich selbst zu beherrschen. [...] Der Mensch hält sich nämlich für den Nabel der Welt, aber er ist klein, und die Welt ist so groß, dass sie sich auch ohne ihn weiter dreht.“ Die Geschichte bringt nicht viel Neues, ist nur „aktualisiert“. Schade ist, dass der Autor keinen eigenen Stil entwickelt, sondern den Exupérys mehr oder weniger erfolgreich versucht zu imitieren. Außerdem ist das ganze Buch als Brief an den Autor des Originals geschrieben und wendet sich immer wieder an ihn. Anfangs noch ganz witzig, nervt dies bald nur noch und verfehlt einen „Running Gag“-Effekt. Der Autor schafft es, viele bedeutende Dinge in einfachen Worten auszudrücken.: „Wichtig ist die Zeit, die man Dingen widmet. Wenn man sich [...] Zeit nimmt, zeigt man damit, dass man sie [die Dinge] achtet, dass man dankbar ist für diesen kostbaren Augenblick des Lebens.“ Vielleicht hätte Davidts aber lieber versuchen sollen, ein eigenständiges Werk zu schaffen. Denn so gut es auch ist, wird es nie aus dem Schatten seines Originales heraustreten können. Aber deswegen ist es nicht von Vornherein zu verteufeln.

(Rezensiert am: 2003-04-01)

Jean-Pierre Davidts, Marie-Claude Favreau (Zeichnungen): Der kleine Prinz kehrt zurück. , Rotbuch Verlag, 1998 (1. Auflage), 2003 (12. Auflage), ISBN-13: 9783434545019, 7.00 €


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