Dalai Lama (Hrsg. Jeffrey Hopkins):
Ein gut gemeinter Aufruf zur Achtsamkeit, der jedoch den Anspruch auf Allgemeinverständlichkeit verfehlt!
Von Maximilian Hansen
Dieses Buch stammt nicht von irgendeinem Guru, sondern kommt von einer der wichtigsten religiösen Persönlichkeiten überhaupt, dem Dalai Lama. In der viel zu langen Einleitung schildert er die Theorie des Buddhismus, knüpft aber leider nur wenig Bezug zur Tat bzw. Aktivität. Dabei wiederholt er sich oft auffordernd, so dass der Text eher wie eine Rede oder Ansprache erscheint. Im 1. Teil erläutert der Autor die Reihenfolge „Ethik, Meditation und Weisheit“ des Weges und begründet diese am Leben Buddhas. Auf das Thema Ethik geht er dann im 2. Teil ein und spricht über die zehn unheilsamen Handlungen und wie diese schon in der gedanklichen Motivation zu bekämpfen sind. Dann erläutert er die „Vier Wahrheiten“, das Grundgerüst des Buddhismus: Leid existiert und kann beendet werden, da es seine Ursprünge in unseren eigenen Handlungen hat. Der Autor fordert so zu sehr bewusstem Handeln auf und zeigt den Weg der Meditation als Möglichkeit zu Ruhe und Gelassenheit. Hier schafft das Buch auch den Bogen zur Aktivität, indem zu mitleidvollem Handeln und Helfen aufgerufen wird. Der Autor stellt die Frage auf, warum wir bereit sind, für materielle Erweiterung langfristig zu investieren, dasselbe aber für geistige Erweiterung kaum akzeptieren. Leider verfängt sich der Dalai Lama oft sehr tief in buddhistischen Glaubensmustern und Riten, so dass der Allgemeinheitsanspruch des Buches verloren geht. So ist z. B. nur schwer einzusehen, warum man alles, was man sich vornimmt, gleich geloben soll: „Ich werde meinen Entschluss aufrechterhalten und ihn niemals aufgeben.“ Lebenslagen können sich ändern und dann sollte man flexibel sein. Hier wird die teils doch engstirnige Sicht des traditionellen tibetischen Buddhismus sichtbar. Im 3. Teil läuft der Autor zu Hochform auf und beschreibt verschiedene Arten der Meditation. Hier findet nicht nur der praktizierende Buddhist Denkanstösse, sondern sicher auch so mancher Laie. Insgesamt leider der einzige Teil des Buches, der für jeden interessant und verständlich ist. So spricht der Dalai Lama über die klare und reine Natur des Geistes und über die Leerheit der Phänomene: „Da Phänomene für ihre Existenz von anderen Faktoren abhängen, sind sie nicht unabhängig. Diese Abwesenheit von Unabhängigkeit - oder Leerheit von inhärenter Existenz - ist die eigene endgültige Wahrheit der Phänomene.“ Auch knüpft der Autor Beziehung zur Wissenschaft, indem er sagt, dass z. B. Physiker immer kleinere Bestandteile entdecken, die wahre Natur der Gegenstände allerdings nicht finden können. Somit muss die Natur dieser Gegenstände oder Phänomene in Abhängigkeit entstanden sein, sonst würde eine unabhängige Natur bei der genauen Analyse zu Tage treten. Im 5. Teil spricht der Dalai Lama über die Methoden des Tantra, wobei man in der Meditation versucht, sich selbst als mit reinem Geist, Körper und Gefühl existierend zu visualisieren. So kann man schneller für andere Gutes tun, was, wie immer wieder betont wird, dass Wichtigste ist. Schlussendlich wird im 6. Teil ein Überblick des Weges zur Erleuchtung geboten und unter anderem erwähnt, dass auch Frauen zumindest nach einigen buddhistischen Schulen die Erleuchtung erlangen können. Wie auch am Ende jedes Kapitels zusammenfassend die Quintessenz formuliert wird, findet sich am Buchende eine Zusammenfassung des Werkes auf knapp sieben Seiten, die sehr gut zur Rekapitulation zu gebrauchen ist. Der Autor zeigt sich insgesamt sehr weltoffen, vor allem gegenüber anderen Religionen. Dem Titel wird das Buch jedoch nicht gerecht und ist wohl eher für tiefergehende Studien praktizierender Buddhisten geeignet.
(Rezensiert am: 2003-01-01)
Dalai Lama (Hrsg. Jeffrey Hopkins): Der Weg zum Glück. Sinn im Leben finden, Herder Verlag, 2002, ISBN-13: 9783451276378, 16.00 €
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