Daniel Bielenstein:
Die wohl witzigste Ode ans Single-Dasein auf der ständigen Suche nach der wahren Liebe!
Von Felix Struening
Es ist das ewig alte und neue Thema: Die Liebe fürs Leben. Der Protagonist, Gregor Hamdorf, ist 34 Jahre alt, beruflich erfolgreich und Single. Nicht dass es ihm an Bettgeschichten mangelt, aber er hat extreme Beziehungsängste, schon am Morgen danach muss sie weg sein. Aber eines Tages merkt er beim „Klarmachen“ der nächsten Frau, dass auch er gerne eine feste Beziehung hätte. Von jetzt auf nachher beschließt er zu heiraten. Die nächste Frau, mit der er im Bett landet, soll es sein. Doch das Problem ist: Es gibt ersteinmal keine Frau, mit der er sein Leben verbringen könnte. So begibt er sich auf die Suche, unterstützt von seiner Lieblingskollegin Konstanze. Unter dem Vorwand einen Artikel über Singles zu schreiben, lernt Gregor alle Formen dieser „Spezies“ kennen: paarungswillige und paarungsunwillige Männer und Frauen, verheiratete Singles und Homosexuelle. Schließlich muss er aber erkennen, dass seine Traumfrau nicht irgendwo da draußen rumläuft, sondern ganz in seiner Nähre zu finden ist. Der Autor schildert auf ironische, teils zynische Weise das Verhältnis von Männern zu Frauen. Dabei entwickelt er einen Sprachwitz, der seinesgleichen sucht. Feministinnen werden ihm vorwerfen, er sei frauenfeindlich. Wer aber einen gesunden Humor hat, wird aus dem Lachen nicht mehr herauskommen: „Ganz abgesehen davon, dass ich in meinem ganzen Leben noch keine Frau getroffen habe, die nicht auf die eine oder andere Weise neurotisch war – oder zumindest so viele Komplexe hatte, dass ich besser jede meiner Bemerkungen vorher einer unabhängigen Gutachterkommission vorgelegt hätte.“ Die größten Probleme hat der Protagonist allerdings mit seiner Arbeitskollegin, die er liebevoll Lieblingskonstanze nennt. Schließlich ist sie für ihn keine normale Frau (=Sexobjekt), sondern auch Kumpel. Was natürlich nicht gerade einfach ist: „Um es einfacher auszudrücken: Frauen sind die widersprüchlichste Existenzform, die von der Forschung bisher registriert wurde (inklusive Seeanemonen, Kopffüßern, Pilzen und schwarzen Löchern).“ In Dialogen die an Geschwindigkeit und Schlagfertigkeit ihres gleichen suchen, teilt der Autor in alle Richtungen aus. Prominente und Politiker werden in fiktive Handlungen eingebunden, von George W. Bush über Dieter Bohlen bis zu Sabine Christiansen bleibt keiner verschont. Doch auf den letzten 100 Seiten macht die Geschichte eine unerwartete Wendung. Eben noch von Lachkrämpfen geschüttelt, wird der Leser mit einem harten Abschied und der ernsten Frage nach der wirklichen Liebe konfrontiert: Kann man glücklich sein, wenn man das mit niemanden teilen kann?
(Rezensiert am: 2003-05-01)
Daniel Bielenstein: Die Frau fürs Leben. , Argon Verlag, Feb 03, ISBN-13: 9783870246051, 18.00 €
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