Gabor Steingart:

Die gestohlene Demokratie

Das Wahlbuch ‘09

Die Machtfrage erneut gestellt, ergänzt um die demokratische Diskussion der Thesen des Autors – verlegerisch merkwürdig und zugleich gewinnbringend!

Von Felix Struening

Zwei Bücher eines Journalisten zum Superwahljahr 2009? Erstaunliche Leistung denkt man und schlägt Gabor Steingarts neues Werk „Die gestohlene Demokratie“ auf. Doch schnell wird klar, dass es sich lediglich um die Taschenbuchausgabe von „Die Machtfrage“ handelt, jenem (vermeintlich) anderen Buch, in dem der Spiegel-Journalist die Herrschaft der Parteien kritisierte und den Unmut der Bevölkerung zu erklären versuchte. Erst der genaue Blick eröffnet, dass es doch einige Neuerungen gibt.

Zwei Auflagen – zwei Titel?

Warum also erscheint ein Buch in der zweiten Auflage unter völlig anderem Titel? Man könnte annehmen, es sei ein verlegerischer Trick: Eine Taschenbuchausgabe von einem Paperback-Buch macht aus Buchhandelssicht vielleicht nicht so viel Sinn, zumal der Preisunterschied nicht wirklich hoch ist. Unter geändertem Titel könnte sich das Buch allerdings vermehrt verkaufen. Doch wer „Die Machtfrage“ bereits besitzt und sie nun aus Versehen ein zweites Mal kauft, wird wohl eher verärgert sein.

Es könnte sich auch um eine herausgeberische Inszenierung handeln: Die Machtfrage zu stellen klingt doch noch erheblich harmloser, als gleich von der gestohlenen Demokratie zu sprechen. Zumal Gabor Steingart im Vorwort zur aktuellen Ausgabe eigentlich nur von einer im Einfrieren begriffenen Demokratie spricht, aber nicht davon, dass diese uns entwendet wurde.

Demokratische Diskussion

An „Die gestohlene Demokratie“ wirklich neu sind allerdings die ins Buch aufgenommenen Diskussionsbeiträge zum Original. Dabei handelt es sich um Stellungnahmen von Politikern wie dem Finanzminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, von Journalisten und vor allem vom Volk selbst. Auf über 70 Seiten sind diese mal mehr, mal weniger ausführlichen, aber immer konstruktiven Kommentare dokumentiert und demokratisch nebeneinandergestellt. Erst sie zeigen das wahre Interesse des Volkes an dem Thema und beweisen, dass Gabor Steingart mit seiner Analyse der politischen Lage Deutschlands recht hat.

Mit seinem provokativen Geständnis, nicht wählen zu gehen, stößt er aber vor allem auf Widerspruch, obwohl ihm die meisten der Diskutanten zustimmen, dass etwas faul ist in dieser Republik. Die Kommentare reichen von einfachen Stellungnahmen über Grundgesetzkritiken bis hin zur Analyse der vom Autor vorgebrachten Vorschläge zur Besserung. So wird diese zweite und erweiterte Ausgabe der Machtfrage schließlich zum interessanteren Werk, zu einem demokratischen Versuch, für den man Autor und Verleger danken muss. Denn letztlich zeigen die Diskutanten, dass Gabor Steingart immer noch irrt, wenn er zum Nicht-Wählen aufruft. Entweder der Bürger zeigt seine Protesthaltung wie Axel Brüggemann („Wir holen uns die Politik zurück“) im statistisch besser zu erfassenden Ungültig-Wählen oder er versucht seiner Stimme andernorts wieder Gehör zu verschaffen. Dafür ist dieses Buch schon mal ein guter Anfang.

(Rezensiert am: 2009-09-08)

Gabor Steingart: Die gestohlene Demokratie. Das Wahlbuch ‘09, Piper Verlag, 2009, ISBN-13: 9783492258036, 8.95 €


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