Eyal Ofer (Fotos), Uri Avnery, Manuela Dviri, Freimut Duve, Oswald Le Winter:

Die Mauer

Israel – Palästina

Die Absurdität einer Mauer – entlarvende, gute Bilder aus Israel, aber leider miserable Texte!

Von Felix Struening

Zunächst erstaunt es doch, dass ein jüdischer Verlag ein Buch über den israelischen Sperrzaun veröffentlicht. Der misstrauische Leser wird aber schnell des besseren belehrt, den sowohl Bilder als auch Texte setzen sich sehr kritisch mit dem Zaun auseinander. Auf 120 Seiten wird die Absurdität der Sperranlage deutlich gezeigt.

Zaun oder Mauer?

Zunächst wird die Frage gestellt, ob es sich bei dem umstrittenen Bauwerk der Israelis um einen Zaun oder eine Mauer handelt. Die Bauweise ist der jeweiligen Situation angepasst und bei Städten oder an der Transisraelischen Straße als acht Meter hohe Mauer umgesetzt. In anderen Gebieten reicht ein Zaun, der mit Natostacheldraht und elektrischer Spannung gesichert ist. Von der Bedeutung aber ist es wohl eher überall eine Mauer, denn die Aufgabe ist lediglich Trennung. Ein Zaun zwischen z. B. zwei Nachbargrundstücken kann sehr verbindend sein, man kann darüber hinweg kommunizieren. Dass dies bei der israelischen Sperranlage weder gewollt noch möglich ist, ergibt sich von selbst.

Bilder einer kalten, unmenschlichen Realität

Was auf den Bildern immer wieder deutlich wird: Die Mauer ist unmenschlich. Sie trennt tausende Palästinenser von ihren Verwandten, Freunden und Arbeitsplätzen. Wer den Zaun passieren will, ist den Schikanen und der Willkür der israelischen Soldaten ausgesetzt. So sieht man z. B. wie ein palästinensischer Junge sein Hemd hochheben muss und sich so langsam den Soldaten nähern darf. Die Angst vor Sprengstoffgürteln und Anschlägen ist hoch.

Absurde Streckenführung

Auf einer Karte im Bildband sieht man sehr gut, wo die Sperranlage der ursprünglichen Trennungslinie von 1949 folgt. Doch an vielen Stellen zieht sie sich auch tief ins Palästinensergebiet. Am sinnlosesten ist sie an einer Stelle gebaut, wo sie mitten durch den Hof eines Palästinensers geht und somit sein Haus vom Rest des Dorfes abschneidet. Damit seine Kinder dort weiter zur Schule gehen können, gibt es ein Privattor im Zaun. Und damit dieses nicht missbraucht werden kann, ist das palästinensische Haus auf der israelischen Seite der Sperranlage von einem Zaun umgeben. Der wiederum blockiert die Straße für die israelischen Militärs, weshalb zwei stark gesicherte Tore eingebaut wurde. Somit wird das Haus zum wohl am besten bewachten Haus des nahen Ostens...

Schlecht formulierte Texte

Einen großen Nachteil hat dieses Buch aber: Die Texte sind weitestgehend miserabel formuliert, es finden sich unzählige grammatische Fehler (s.u.). Das überrascht vor allem deswegen, weil ein langjähriger Lektor des Rowohlt Verlages an dem Buch beteiligt war. Hier ist dringend Handlungsbedarf für den Melzer Verlag. Somit kann das Buch leider nur mit den Fotos überzeugen.

(Rezensiert am: 2004-10-21)

Eyal Ofer (Fotos), Uri Avnery, Manuela Dviri, Freimut Duve, Oswald Le Winter: Die Mauer. Israel – Palästina, Melzer Verlag, September 2004, ISBN-13: 9783937389493, 9.95 €


BuchTest Services



Bookmark and Share


powered by eurobuch.com

Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie |



© Copyright Buchtest.com Impressum Kontakt Buchtest.com Buchkritiken und Buchrezensionen Online

Buchkritiken | Rezensionen | Besprechungen | Autoren-Interviews

World Wide Web BuchTest

Startseite | Redaktion | Blog | Links | Kontakt
Hier könnte Ihre Werbung stehen.

BuchTest.de ist ein anspruchsvolles Online-Medium mit mehreren Tausend Lesern monatlich. Unsere Zielgruppe sind gebildete Menschen im besten Alter.

BuchTest.de erscheint in der Regel bei allen besprochenen Büchern unter den ersten drei bis fünf Suchergebnissen bei Google. Der hohe PageRank und der umfangreiche Traffic von BuchTest bringt Ihrer Webseite den richtigen Push.

Kontaktieren Sie uns jetzt für günstige Werbung: info@buchtest.de