Peter Prange:

Die Philosophin

Der Kampf des Menschen um seine Freiheit – die Philosophie im Kampf gegen die Kirche!

Von Felix Struening

„Und darum glaube ich, dass Gott, wenn es ihn gibt, uns die Wahl lässt. Wir dürfen selber entscheiden, wie wir leben wollen. Wir müssen nur den Mut haben, unser Leben selbst in die Hand zu nehmen.“ Es ist die Geschichte der Emanzipation der Philosophie und der Naturwissenschaften von der Kirche. Es ist die Geschichte des Philosophen Diderot und seiner Freunde, die bereit waren, für die Freiheit ihr Leben zu opfern.

Paris 40 Jahre vor der französischen Revolution

Die Handlung beginnt nach einem kurzen Vorspann in Paris etwa 40 Jahre vor der französischen Revolution (1789). Der Leser kennt dieses Paris aus Patrik Süßkinds „Parfüm“: dreckig, stinkend und brodelnd. Während sich der Adel gelangweilt in sinnlosen Lustspielereien ergeht, rumort das Volk immer mehr. Insbesondere eine Klientel ist der Staatsmacht und der Kirche ein Dorn im Auge: die Philosophen. Immer waghalsiger untergraben sie den Glauben an Gott, wie ihn die Pfarrer predigen. Insbesondere um den Philosophen Diderot schart sich eine Gruppe mit namhaften Gestalten wie Rousseau, d’Alembert, Voltaire, Montesquieu und anderen hellen Köpfen.

Sophie und Diderot

Sophie, die Hauptperson des Romans kommt in dieses verruchte Paris und arbeitet in dem Café, in welchem sich die Philosophen treffen. So macht sie Bekanntschaft mit den aufbegehrenden Denkern, aber auch mit der bespitzelnden Staatsmacht. Durch Wirrungen und Entscheidungen, durch Liebe und Ablehnung stolpert Sophie in ihrem Leben umher. Sie kommt in Verbindung mit Diderot und seiner Enzyklopädie des Weltwissens, wird dadurch selbst eine Gelehrte und muss dennoch immer wieder abstürzen.

„Beim Schreiben verändert sich die ganze Welt, man braucht es nur zu wollen und es sich vorzustellen.“

Um die Liebesgeschichte herum wird dem Leser der Kampf um die Freiheit des Menschen gezeigt. Vernunft und Erfahrung treten an die Stelle göttlicher Offenbarung, die Menschen beginnen den Aberglauben abzulegen und nach ihren Herzen zu leben. Liebe und Freiheit gehen Hand in Hand und schließlich beweist sich: Wissen ist Macht! Immer in der Nähe der historischen Fakten bleibend, schafft Peter Prange einen Roman, der ähnlich Umberto Ecos „Der Name der Rose“ zeigt, wie ein Buch und das damit verbundene Wissen zum Sturz einer Macht oder Autorität führen kann. Die Existenz der Sophie in Diderots Leben konnte zwar nie genau definiert werden, dafür stellt der Autor am Ende des Buches einen Überblick über die historischen Fakten zur Verfügung. Somit ist ihm mal wieder ein spannender historischer Roman gelungen, der nicht nur eine Liebesgeschichte wiedergibt, sondern vor allem den nicht zu bändigenden Willen zur Freiheit.

(Rezensiert am: 2005-01-19)

Peter Prange: Die Philosophin. , Knaur, 2004, ISBN-13: 9783426627716, 9.90 €


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