Dalai Lama, (Peter Michel):
Klare Worte des Dalai Lama zum Selbst im Buddhismus - gut gelungen und längst fällig!
Von Maximilian Hansen
Das Buch ist in Form eines Gespräches geschrieben, Interviewer war Peter Michel. Hervorragende Farbfotografien ergänzen den Text sehr schön. Im großen und ganzen dreht sich das Thema um das Selbst und das Nirwana im Buddhismus. Der Dalai Lama spricht zuerst über die Buddha-Natur in den verschiedenen Schulen des tibetischen Buddhismus als klare Essenz des Geistes. Dabei schildert er, dass jeder das klare Licht des Geistes erlangen kann, man müsse sich z. B. folgendes vorstellen: „Sie können das mit dem Wasser vergleichen: Selbst wenn das Wasser schmutzig und schlammig wird, besteht die Klarheit des Wassers noch immer; aber weil das Wasser mit den Verschmutzungen vermischt ist, können wir diese Reinheit nicht wahrnehmen. [...] Tatsächlich beweist die Existenz des verschmutzten Wassers selbst, dass dort klares Wasser als Basis existiert.“ Das Selbst des Menschen ist insofern nur eingebildet, als dass es nicht unabhängig von anderen Faktoren existiert, es ist also nicht selbst-ständig. Aber auch in der Buddhaschaft bleibt eine individuelle Prägung vorhanden, die sich aufgrund der korrelierenden Faktoren ständig verändert, aber nicht mehr weiterentwickelt - sie ist bereits vollkommen. Das Selbst im Buddhismus, so führt der Autor aus, ist nicht ein eigener Bestandteil des Menschen, sondern eine begriffliche Beifügung die aus dem Zusammenspiel von Geist und Körper entsteht. Dieses „Selbst“ geht anfangslos von Leben zu Leben weiter. Auf die Frage hin, ob esoterischer Buddhismus (z. B. das Vollbringen von Wundern) auch im Westen oder nur unter lebenslanger Anleitung von Meistern praktiziert werden kann, sagt der Dalai Lama, dass es auch hier durchaus möglich wäre, aber sehr umfassender Studien und Praxis bedarf. Leider erwähnen Autor und Interviewer immer wieder unerklärt Namen großer Meister, die weder der Laie noch der einfache Buddhist kennt, somit wird das Verständnis gelegentlich eingeschränkt. Auch treten merkwürdigerweise Worte in der alten Rechtschreibung auf. Insgesamt aber ist das Buch in - für den Dalai Lama - ungewöhnlich klaren Formulierungen geschrieben, ein Werk, zu dem man nur gratulieren kann.
(Rezensiert am: 2003-01-01)
Dalai Lama, (Peter Michel): Die Buddha Natur. Tod und Unsterblichkeit im Buddhismus, Aquamarin Verlag, 2002, ISBN-13: 9783894270797, 8.00 €
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