Souad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld:
Islamistischer Terror und sein Nachwuchs – eine erschütternde und warnende Analyse!
Von Felix Struening
„Ich will in den Heiligen Krieg ziehen und Ungläubige töten, wie mein Vater.“ Dies sind nicht etwa die Worte eines Taliban irgendwo am Hindukusch, sondern eines Fünfjährigen gegenüber der Polizei bei einer Razzia in Süddeutschland. Immer mehr junge muslimische Männer radikalisieren sich und wenden sich dem so genannten Dschihad, dem Heiligen Krieg zu. Dies geschieht aber nicht nur in den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens, sondern vor allem hier in Europa. Souad Mekhennet, Claudia Sautter und Michael Hanfeld haben sich auf den Weg gemacht, um herauszufinden, warum.
Islamistische Attentäter und ihre Lebenseinstellung
Trockene Theorie meidend, sprechen die Autoren mit den Jugendlichen und Studenten selbst und besuchen Moscheen, in denen der radikale Islam gepredigt wird. Der dadurch entstehende Reportagenstil des Buches vermittelt ein lebendiges, emotionales Bild junger Männer, die ihre einzige Perspektive im Islamismus und ihren Weg im Heiligen Krieg sehen. Sehr eindringlich wird klar, mit welcher Verachtung für das irdische Leben die potenziellen Terroristen geimpft werden: Für die Opfer der Attentate und Kriege gibt es keinerlei Erbarmen, weder für Ungläubige noch Muslime, ja nicht einmal für die eigenen Kinder und Familien der Islamisten. Dabei reichen die Entscheidungsauslöser, in den Krieg für Allah zu ziehen, von der Veröffentlichung der Mohammed Karikaturen durch die dänische Zeitung ‚Jyllands-Posten’ bis hin zu den Kriegen im Irak oder in Afghanistan.
Gezielte Anwerbung und Information
In Europa sprechen die Islamisten gezielt junge Muslime an, deren gesellschaftliche und ökonomische Perspektive sehr eingeschränkt ist oder aber rekrutieren gezielt arbeitslose Deutsche, um sie zu konvertieren und zu radikalisieren. Dabei versuchen sie das europäische Wohlfahrtsstaatssystem gezielt auszubeuten, indem sie ihre Mitglieder auffordern, alle möglichen staatlichen finanziellen Hilfen in Anspruch zu nehmen, um den Staat zu schwächen. Mit dem Internet stehen den islamistischen Gruppen schließlich Mittel zur Verfügung, die eine dezentrale Organisation und vor allem die Information möglicher Attentäter mit allen notwendigen Inhalten – vom Bombenbau bis zu religiösen Anweisungen – ermöglichen.
Terror-Update
Was die drei Autoren verdeutlichen, ist dass die islamistischen Terroristen längst in Europa angekommen sind oder hier erst ihre radikale Einstellung entwickeln. Das Buch beschäftigt sich aber auch mit den Terrorschmieden im Nahen und Mittleren Osten, zeigt die Gotteskrieger und ihren Nachwuchs in Afghanistan und im Irak. Es ist eine Art Terror-Update und geht somit über seinen Titel noch weit hinaus.
(Rezensiert am: 2007-02-04)
Souad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa, Piper Verlag, 2006, ISBN-13: 9783492049337, 14.00 €
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