Sangharakshita:
Wohl trotz seines Alters eines der besten Bücher zum Thema!
Von Maximilian Hansen
Im ersten Kapitel berichtet der Autor über die Geschichte, wie vier tibetische Könige den Buddhismus in ihrem Land etablierten, hauptsächlich um es zu kultivieren. Im nächsten Kapitel folgen dann die vier wichtigsten buddhistischen Schulen und wie sie sich unterscheiden - z. B. durch ihren Ort, ihre Gebundenheit an verschiedene Schriften oder Meditationsformen. Aber auch die Gemeinsamkeiten und vor allem, dass sie sich nicht gegenseitig ausschlossen, wird erwähnt. Im dritten Kapitel kommt schließlich die Geschichte und Bedeutung des Dalai Lama zur Sprache, was sehr angenehm ist, da sie sonst oft vorausgesetzt wird. Dann wird im vierten Kapitel über die enge Verzahnung von Laien und Mönchen in Tibet gesprochen und die Rolle der Frauen und Nonnen behandelt. Das nächste Kapitel widmet sich der tibetischen Architektur und Malerei, die vollkommen von der Religion geprägt ist. Danach wendet sich der Autor den Meditationsformen zu und beschreibt die fünf Meditationsstufen, die vier Grundübungen und tantrische Initiationen. Das letzte Kapitel ist schlussendlich eine Plädoyer für den tibetischen Buddhismus. Der Autor fordert hier dazu auf, nicht versteift die Traditionen zu bewahren, aber bei der Synthese aller buddhistischen Richtungen - und das ist der westliche Buddhismus - die tibetischen Ideale von Akzeptanz und Vereinigung umzusetzen. Das Buch basiert auf den Vorträgen des Autors von 1966 und wurde nicht aktualisiert, ist aber in seinen Inhalten zeitgemäß. Leider verwendet der Autor in der Einleitung schon einige Fachbegriffe, die dem Laien zunächst unverständlich bleiben werden, somit stellt sich die Frage nach der Zielgruppe. Allgemein ist der westliche Schreibstil jedoch sehr zum Verständnis beitragend. Meistens wird ein Thema pro Abschnitt behandelt und am Ende nochmals kurz zusammen gefasst, wodurch sich die Inhalte gut einprägen. Ausserdem wird immer zuerst die Theorie erläutert und dann folgen oft Erlebnisse des Autors, die das beschriebene lebendig erscheinen lassen. Wichtig scheint dem Autor gewesen zu sein, grundlegende Gedanken des tibetischen Buddhismus zu vermitteln und er legte z. B. großen Wert darauf, die Religion von der sonstigen tibetischen Kultur zu trennen. Dieses Buch eignet sich nicht nur für Laien, die einen Einblick gewinnen wollen, sondern vor allem für alle diejenigen, die sich tief im historischen Netz des Buddhismus verfangen haben und nun daraus befreit werden und einen soliden Überblick erhalten.
(Rezensiert am: 2003-01-01)
Sangharakshita: Einführung in den tibetischen Buddhismus. , Herder Verlag, 2000, ISBN-13: 9783451047312, 4.00 €
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