Serap Cileli:
Die Unterdrückung der muslimischen Frauen auch hier in Deutschland – ein fundierter und erschütternder Bericht!
Von Marie Hofer
Als die türkisch-stämmige Autorin Serap Cileli 2002 mit ihrem Buch „Wir sind eure Töchter, nicht eure Ehre“ an die Öffentlichkeit ging, eröffnete sie den Blick in die Abgründe des gescheiterten Multikulti-Traumes. Mittlerweile mit zahlreichen Ehrungen, wie dem Bundesverdienstkreuz, gewürdigt, steht ihre Arbeit im Zeichen des Kampfes für Rechte der Frauen.
In ihrem neuen Buch „Eure Ehre – unser Leid“ klärt sie den Leser über die Facetten des Lebens muslimisch-türkischer Frauen auf. Sie erzählt mit eindringlicher Authentizität von ihrem eigenen Leben und vom Leiden ihrer Schützlinge, für deren Freiheit sich die Autorin einsetzt. Dabei verdeutlicht sie ihre Schilderungen mit Studien der Bundesregierung, Zeitungsartikeln und sogar mit dem Koran selbst.
„Ein Leben auf dem Abstellgleis“
Serap Cileli dokumentiert die zahlreichen Grund- und Menschenrechtsverletzungen im Nahmen der Ehre und im Namen Allahs, welche mitten in Deutschland in mitten unserer ach so toleranten Gesellschaft begangen werden. Wenn man einer verschleierten Frau auf der Straße begegnet, ahnen die wenigsten, wie sich ihr alltägliches Leben gestaltet. Die allermeisten wissen nicht, was sich hinter der Multikulti-Fassade abspielt, sie schauen nicht hin. Doch das Leben einer muslimischen Frau ist von dem Begriff Ehre durchzogen, der Ehre der Familie, der Männer. Im Namen genau dieser Ehre wird verprügelt, vergewaltigt und gemordet. „In der Ehe bekomme man nun einmal mehr Schläge als Brot“, damit leben viele von unseren Nachbarinnen. Die Peinigungen reichen sogar soweit, dass die Opfer sich schuldig fühlen und sich später sogar selbst dieses System einverleiben. Mütter vertuschen die Vergewaltigungen ihrer minderjährigen Töchter, „aber dass sie die Tochter auffordern, ihrem Leben ein Ende zu setzen bzw. einem Ehrenmord zustimmen, um die Ehre wiederherzustellen, scheint eine schizophrene Besonderheit der muslimischen Gesellschaft zu sein.“
Integration
Bildung wird innerhalb der türkischen Migrantenfamilien kaum gefördert, dies führt unter anderem dazu, dass fast 15 Prozent der Sonderschüler türkischer Herkunft sind. Um die eigenen Kinder traditionell zu erziehen, werden sie teilweise bei Verwandten in der Türkei groß und kommen dann mit 16 Jahren wieder zurück nach Deutschland. Oft werden aber auch in Deutschland aufgewachsene Kinder mit Männern und Frauen aus Anatolien verheiratet, die kaum eine Schulbildung haben und kein Wort Deutsch sprechen. „Dadurch beginnt die Geschichte der Migration mit jeder Generation quasi von vorne.“
Was die Autorin auch feststellen musste, ist, dass selbst Familien, welche als gut integriert gelten können, in ihre traditionellen Muster zurückfallen, wenn es um die Ehre der Familie geht und die Tochter plötzlich selber entscheiden möchte, wen sie heiratet.
Konvertitinnen
Seit den 60er Jahren haben sich viele Migranten in Deutschland angesiedelt, die aus einer islamischen Gesellschaftsordnung kommen. Seit dem gibt es immer mehr Ehen zwischen Muslimen und deutschstämmigen Nicht-Muslimen. Dies bleibt in der Regel aber nicht so, da viele, zumeist Frauen zum Islam übertreten. Einige dieser Geschichten begegneten auch der Autorin bei ihrer zehn Jahre langen Aktivität. Unverständnis und Fassungslosigkeit spricht aus Serap Cilelis Worten, sie sieht darin den totalen Verrat an den Frauenrechten, der Emanzipation und der westlichen Gesellschaft. „Wo bleibt die schwesterliche Solidarität der westlichen Frauenrechtsorganisationen“, fragt sie und zeigt auch hier einen erhöhten Aufklärungsbedarf auf.
Fakten
Das Buch ist nicht einfach nur eine Sammlung loser Erinnerungen oder fadenscheiniger Überzeugungen, nein es ist ein Zeugnis vom Leid all der Frauen, welche in unserem Land menschenverachtend behandelt und ermordet werden. Die Autorin begründet ihre Meinung mit stichhaltigen Quellen. Es ist erschreckend zu lesen, dass die Grundlage für dieses Leid das Buch ist, welches inzwischen schon an staatlichen deutschen Schulen unterrichtet wird: Der Koran. Die Autorin zitiert direkt, wie der Islam in seinen Schriftquellen zur Misshandlung von Kindern und Frauen aufruft: „Wer seinen Eltern widerspricht, dessen Zunge schneide man ab!“
Zudem beruft Cileli sich auf Studien z.B. des Bundesfamilienministeriums, welche schwarz auf weiß belegen, dass Gewalt und Mord im Nahmen der Ehre in deutschen Migrantenkreisen keine Seltenheit sind. „Sie werden nicht nur häufiger geschlagen oder sexuell missbraucht, als deutsche Frauen, in der Regel sind die Verletzungen, die sie erleiden, auch schlimmer.“
Der Blick in die Türkei, deren EU-Beitritt die Autorin ablehnt, zeigt die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, die immer noch stattfinden. So sind z.B. „nach offiziellen Angaben dort 460 000 Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren bereits verheiratet, und über die Hälfte haben schon eigene Kinder.“ Das fällt in Deutschland unter Vergewaltigung Minderjähriger.
Forderungen
Cileli setzt sich für deutschen Islamunterricht an staatlichen Schulen ein. Sie meint so die Radikalisierung der „Hinterhöfe“ durch die Predigten aus den Koranschulen, welche meist noch in Arabisch sind, eindämmen zu können. Allerdings übersieht sie dabei, dass die übersteigerte Religionsfreiheit in Deutschland eine befürchtete Islamisierung kräftig unterstützt. Der Unterricht, der an einigen Schulen bereits eingeführt wurde wird hinter verschlossen Türen gehalten. Religion ist in diesem Land immer noch Privatsache, ganz gleich ob mit den Grundrechten vereinbar oder nicht.
Außerdem fordert die Autorin Änderungen im Asylrecht, ein Gesetz gegen Zwangsehe und weitreichendere Maßnahmen des staatlichen Zeugenschutzprogramms für vom Tode Bedrohte. Sie weist auf die unzureichenden finanziellen Mittel in dem Sektor Sozialarbeit hin und kritisiert bürokratische oder arbeitstechnische Vorgehensweisen.
Peri e. V.
Serap Cileli hat einen Verein für Menschenrechte und Integration gegründet und hilft so vor allem durch ein anonymes Online-Beratungsangebot betroffenen Frauen. Ihr Ziel ist es, ein spezielles Frauenhaus und Kriseneinrichtungen zu gründen und die bundesweiten Angebote zu vernetzen. Sie hat bisher vielen Frauen, teils sogar zur Flucht helfen können, dafür gebührt ihr Anerkennung und hoffentlich viel Unterstützung.
(Rezensiert am: 2008-11-08)
Serap Cileli: Eure Ehre - unser Leid. Ich kämpfe gegen Zwangsehe und Ehrenmord, blanvalet, 2008, ISBN-13: 9783764503017, 14.95 €
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