Kay Sokolowsky:
Islamkritik als Rassismus – verdrehte Argumente, irreführende Vergleiche und ein linker Autor, der sich selbst als Rassist entlarvt!
Von Felix Struening
Islamophobie. Islam-Bashing. Islamhasser-Kreise. Das sind die Begriffe, mit denen der linke Autor Kay Sokolowsky versucht, die islamkritische Szene in Deutschland anzugreifen. Seine Hauptthese besagt, das „Feindbild Moslem“ sei nur eine neue Ausformung eines latenten Rassismus der Deutschen. Anhand des Webblogs „Politically Incorrect“ (PI), Artikeln im Magazin „Der Spiegel“ sowie den Aussagen und Publikationen einzelner Kritiker zeichnet der Autor ein Bild der Islamkritik, das nicht nur unzutreffend ist, sondern Kay Sokolowsky selbst als Rassisten entblößt.
„Politically Incorrect“ entspricht nicht der deutschen Islamkritik
Zu Beginn des Buches dokumentiert der Autor reihenweise Leserkommentare bei PI, einem Blog, bei dem die Hetze gegen Muslime alltäglich ist. Dabei sind die Kommentare der Leser oft noch erheblich drastischer, als die redaktionellen Beiträge des Blogs, es wimmelt hier von Rechten und rassistischen Aussagen. Damit vermittelt Kay Sokolowsky aber das Bild, PI sei die deutsche Islamkritik. Dies ist nicht nur falsch sondern auch irreführend, denn PI erfreut sich zwar täglich Tausender Leser, stellt aber definitiv den äußeren rechten Rand der deutschen Islamkritiker dar. Denn die deutsche Islamkritik ist von einer breiten, demokratischen Vielfalt geprägt.
Doch mit Sätzen wie „…, so herrscht in weiten Teilen der Gesellschaft mittlerweile Einverständnis darüber, es sei Menschen, die sich zum Islam bekennen, nur bedingt zu trauen“, suggeriert der Autor, die PI-Leser entsprächen einem Großteil der Deutschen. Bei 80 Millionen Deutschen und ca. 20 bis 40.000 PI-Lesern täglich, hätte er vielleicht nochmals nachrechnen sollen.
Allein die ersten 19 Quellen im Buches beziehen sich auf PI und die rechte Bürgerbewegung „Pro Köln“ an. Würde jemand ein islamkritisches Buch schreiben und vorwiegend diese Quellen benutzen, würde ihn keiner ernst nehmen. Denn zu einer fundierten, wissenschaftlichen Arbeit gehört das Zitieren von Quellen, die nicht nur einen Aspekt betonen.
Von Islamhassern und Angsthabern
Nach diesem reißerischen Einstieg malt Kay Sokolowsky weiter an seinem kunterbunten Bild der deutschen Islamkritik. Es folgt die Analyse einiger Artikel im Magazin „Der Spiegel“ und eine Reihe von Vorwürfen gegen dessen damaligen Chefredakteur Stefan Aust, der als einer der führenden „Islamhasser“ und „Angsthaber“ dargestellt wird. Auch Henryk M. Broder wird für sein Buch „Hurra, wir kapitulieren!“ angegriffen, ebenso Ralph Giordano und Necla Kelek, in Teilen sogar Seyran Ates.
Dabei schlägt der Autor im Zeilentakt über die Stränge. So vergleicht er Necla Kelek wenn sie von Migranten fordert, die Sprache des Landes, in dem sie nun leben, zu lernen, mit Jürgen Rieger, dem Landesvorsitzenden der NPD Hamburg. „Die Welt“ wird zum „Hausblatt der Rechten“ und der Berater Schäubles, Eckart Schiffer, zum Rassisten, weil der 1991 in einem Papier von Migranten forderte, „sich in unsere rechtliche, soziale und wirtschaftliche Ordnung ein[zu]fügen, die hiesigen kulturellen und politischen Wertvorstellungen [zu] respektieren“. Doch wenn schon die Forderung an Migranten, unsere Werte zu respektieren, also nicht einmal die Übernahme unserer Werte, rassistisch ist, sollten wir dann nicht lieber gleich unser Grundgesetz und alle so mühsam erkämpften Freiheiten aufgeben?
Islamkritik als Ausdruck latenter Fremdenfeindlichkeit
Kay Sokolowsky verbittet sich, dass Islamkritiker wie die zuvor genannten, von Beispielen auf generelle Tendenzen schließen, sei das nun Ehrenmord, der Protest gegen die Mohammed-Karrikaturen oder islamistischer Terrorismus. Er selbst hingegen leitet aus einigen – natürlich schlimmen – rassistischen Gewalttaten in den 1990er Jahren die latente Fremdenfeindlichkeit der Deutschen her.
Während der Autor 139 aus rassistischen Gründen ermordete Ausländer (seit 1990) als Beweis für den Rassismus der Deutschen anführt, dürfe man aus den „nur“ 70 Fällen von Ehrenmorden (1996 – 2005) keinerlei Gewalttendenzen im Islam ableiten. In Deutschland sei bisher auch nur ein (missglückter) Terroranschlag zu verzeichnen, was für den Autor wiederum beweist, dass es mit dem islamischen Jihadismus hier gar nicht so schlimm steht. Hätte Kay Sokolowsky jedoch genauer recherchiert, hätte er von mindestens sieben geplanten und ausgeführten Anschlägen in Deutschland und auf Deutsche (inklusive des Anschlags auf der Ferieninsel Djerba) gelesen, z.B. bei der SZ-Journalistin Annette Ramelsberger („Der deutsche Dschihad“). Es fehlt an dieser Stelle eigentlich nur noch der sarkastische Kommentar, die Spanier und Briten sollten sich mit ihren jeweils nur einem Anschlag bitte nicht so anstellen…
Kay Sokolowsky unterstellt den Deutschen sogar einen Rassismus, der sich vom Dritten Reich (Juden) über den Kalten Krieg (Kommunisten) und die Nachwendezeit (Asylanten) bis ins Jetzt (Muslime) erstrecke. „Als die Nation ‚zusammenwuchs‘, mutierten viele Hunderttausend Menschen [die Asylanten], die in den Grenzen dieser Nation lebten, zu Unkraut, und so wurden sie auch behandelt. Die Deutschen waren Anfang der Neunziger ein einig Volk von Jätern und Jägern.“ Wäre diese – selbst rassistische – Behauptung war, müsste es heute neben der Islamophobie allerdings eine Italophobie, Griechenphobie etc. geben. Doch davon kann bei weitem keine Rede sein.
Vom falschen Feindbild
Es geht großen Teilen der Islamkritik außerdem nicht um das „Feindbild Moslem“, wie der Autor vorgibt. Eine solche Kritik wäre schließlich menschenverachtend. Statt um die Muslime als Menschen geht es um den Islam als religiös-dogmatisches System, das guten Gewissens als menschenverachtend bezeichnet werden kann. Kay Sokolowsky macht diesen falschen Vorwurf wohl vor allem deswegen, weil er selbst nicht die Argumente der Islamkritik diskutiert oder aushebelt, sondern die Menschen, die den Islam kritisieren, angreift. Anstatt die Unterdrückung der Frau im Islam, die zu Gewalt gegen Ungläubige und vom Glauben Abgefallene aufrufenden Suren des Korans, den Antisemitismus und Judenhass der islamischen Schriften zu widerlegen, zählt er lediglich vermeintliche Fehler von Broder, Giordano und Kelek auf. Selbst wenn er damit vereinzelt recht hat, widerlegt dies noch nicht die Vorwürfe, die den Islam als grausame Politreligion mit Weltmachtanspruch entlarven.
Wie man selbst zum Rassisten wird
Der Autor versteht nicht, dass Satire, wie die von Henryk M. Broder oder auch Eva Schwingenheuer („Burka“), überspitzt, um Grundsätzliches freizulegen. Kay Sokolowsky versteht auch nicht, dass der Islam sich mit Christopher Caldwell („Reflections on the Revolution in Europe“) am besten als „kulturformende Kraft“ beschreiben lässt und das diese eine wirkliche Gefahr für freie und demokratische Gesellschaften darstellt. Aber das kann er auch nicht verstehen, denn vom Islam hat er keine Ahnung. Da helfen ihm auch die ins Buch aufgenommenen Interviews mit Rassismus-Experten nichts.
Stattdessen ergießt sich der Autor in den selben Argumentationsmustern, wie er sie dem Spiegel vorwirft. Stattdessen recherchiert er so wenig gründlich, wie er es Broder vorhält. Stattdessen setzt er alle Islamkritiker mit PI und seinen Lesern bzw. Kommentatoren gleich, was letzten Endes das Gleiche ist, wie alle Muslime als Terroristen zu bezeichnen. Kay Sokolowsky macht genau dieselben Fehler, wie die angeblichen Rassisten. Was in der Folge nichts anderes bedeutet, als das er selbst einer ist.
Schade für den Autor selbst ist dabei, und auch das versteht er nicht, dass seine Anbiederung ihm nichts bringt, da totalitäre Systeme auch ihre Unterstützer nicht als Menschen würdigen. Doch das haben schon damals die Vertreter des Kommunismus in der UdSSR nicht verstanden.
(Rezensiert am: 2009-10-03)
Kay Sokolowsky: Feindbild Moslem. , Rotbuch, 2009, ISBN-13: 9783867890830, 16.90 €
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