Chuck Palahniuk:
Ein spannungsreiches und durch seine harten Schnitte fesselndes Buch, das den Leser aus der Realität reißt und ihn zum Nachdenken zwingt!
Von Stefanie Wente
„Wenn du weiß bist und christlich und in Amerika lebst, ist dein Vater dein Modell für Gott.“
Weiß ist auch der Erzähler in „Fight Club“. Er lebt ruhig zwischen seinen IKEA-Möbeln und in seinem kleinen, unspektakulärem Job, bis er auf einer Dienstreise einen Kerl namens Tyler Durden kennenlernt. Dieser ist alles, was der Protagonist immer sein wollte, aber nie verwirklichen konnte. Von diesem Moment an ändert sich sein Leben. Denn jetzt gibt es nur noch Tyler und ihn, ihn und Tyler, welcher ihn von einer kranken Situation in die nächste zerrt. Außerdem spielt auch Marla Singer eine Rolle, die sich nach Ansicht des Protagonisten in sein Leben geschlichen hat und nun anscheinend Tyler Durden als ihren Partner auserkoren hat. Sie geht ein und aus in dem heruntergekommen Haus, in einem stillgelegten Industrieviertel, das sich Tyler und der Erzähler teilen, nachdem sich dessen Wohnung im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch aufgelöst hat. Jetzt ist dem Protagonisten weder langweilig noch ist er einsam, allerdings wird die Situation immer merkwürdiger in dieser Dreierbeziehung und als das Haus durch Tyler in einen Stützpunkt folgsamer Rekruten umgewandelt wird, schöpft der Protagonist erstmals Verdacht und beginnt, der Sache auf den Grund zu gehen. Was sich einfacher anhört, als es ist...
„Und wenn du deinen Vater nie gekannt hast, wenn sich dein Vater aus dem Staub macht oder stirbt oder nie zu Hause ist, was glaubst du dann über Gott?“
Chuck Palahniuk hat mit „Fight Club“ einen Roman von unglaublicher Dichte geschaffen. Nichts geschieht zufällig und der Leser wird in eine völlig neue Welt mit ungeahnten Möglichkeiten gezogen, die bestimmt ist durch die seltsame Beziehung Tyler Durden und dem Protagonisten und durch deren Einstellung zu der Welt, in der sie leben. Auch das Verhältnis der beiden zu Marla Singer ist ein wichtiger Aspekt, zumal sich die Bedeutung, die diese Frau trägt, im Laufe des Buches immer weiter verschiebt und es am Schluss zu einem überraschenden Ende kommt. Ein großartiges Buch, das durch seine Realitätsnähe verstört, aber auch gleichzeitig auf eine beunruhigende Art und Weise plausibel erscheint und, vor allem dem Leser suggeriert, dass alles, was geschieht, absolut möglich ist. Selbst wenn man den Film schon gesehen hat, lohnt es sich auf jeden Fall dieses Buch zu lesen, denn obwohl der Film sehr nah an dem Buch verwirklicht worden ist, hat das Buch doch seinen ganz eigenen Charme und Reiz, vor allem das Ende, welches im Buch ganz anders ist als im Film.
„Meines war ein Pinguin. Eis bedeckte den Boden der Höhle, und der Pinguin sagte: Gleite.“
„Fight Club“ ist ein unscheinbares Taschenbuch mit 254 Seiten Dicke. Es ist an sich zwar durchgängig geschrieben, allerdings teilweise schwer zu lesen, da die wörtliche Rede des Protagonisten nicht durch Satzzeichen kenntlich gemacht wird. So ist der Leser gezwungen, aufmerksam zu sein, um nicht Gedachtes und Gesprochenes durcheinander zu bringen. Schön an der vorliegenden zweiten Neuauflage ist, dass Palahniuk ein Vorwort beigesteuert hat, welches sich äußerst sarkastisch auf den überraschenden Erfolg des Filmes zum Buch und die Folgen, welche erst durch den Film aufgetreten sind, bezieht. Das macht die Tragweite des Buches ersichtlich: Inhalt und Problematik, die Palahniuk anspricht, sind nicht ganz aus der Luft gegriffen, wie der Leser nach Ende seiner Lektüre vielleicht zu hoffen gewagt hat.
(Rezensiert am: 2005-05-23)
Chuck Palahniuk: Fight Club. , Manhattan Verlag, 1997, ISBN-13: 9783442542109, 7.95 €
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