Bruce Tate:
Leidenschaftliches Plädoyer mit einer fast religiösen Verehrung für Ruby – doch die Schwarz-Weiß-Sicht beeinträchtigt!
Von Tobias Lütticke
Zeitenwechsel: From Java to Ruby
Bruce Tate, der schon einige Bücher zum Thema Java veröffentlicht hat, bleibt auch bei „From Java To Ruby“ seiner kritischen Betrachtungsweise treu und stellt einen Vergleich zwischen Java und der Programmiersprache Ruby an, bei der Java schlecht abschneidet. Sein Buch handelt von den Sprachen Java und Ruby, ist aber was Programmierung angeht, wenig konkret. Das ist Absicht, da die Ausführungen auch für technisch Interessierte bzw. Leitende Angestellte und Manager im IT Business verständlich sein sollen. Er fokussiert daher auf Gesichtspunkte wie Effizienz und Produktivität. Insgesamt ist „From Java to Ruby“ ein Buch, das im Zuge des aktuellen Hype um Ruby entstanden ist. Bruce Tate will aber zeigen, dass der Hype nicht vergeht, sondern Ruby das Potential hat, dauerhaft zu bestehen und ein Nachfolger von Java in vielen Bereichen zu werden.
Leitfaden für einen Umstieg
Tate steigt mit einer Beschreibung des Booms um Ruby und des Frameworks Rails ein und schildert Konsequenzen der wachsenden Popularität. Es folgt ein Kapitel über die Unproduktivität der Technologien und Werkzeuge aus der Java-Welt. Anschließend schildert der Autor, wie es sein könnte und wie produktiv und effizient das Arbeiten in einer Ruby-Umgebung möglich ist. Konsequenterweise besteht der nächste Schritt darin, einen Weg von der alten in die neue Welt aufzuzeigen. Das Kapitel „Pilot“ betrachtet deswegen die Möglichkeiten, auf eine einfache und ungefährliche Art und Weise in Ruby mit einem Pilotprojekt hereinzuschnuppern. Weitere zwei Kapitel beschäftigen sich mit dem Aufbau von Anwendungen und der Integration in bestehende Applikationsstrukturen. Das Buch schließt mit Ausführungen über das mit einer Migration zu Ruby verbundene Risiko, dem aber noch ein Teil über den Aufbau von Kapazitäten in Form von Wissen, Personal und Infrastruktur vorangeht.
Ruby als Lösung der JavaEE-Probleme
Bruce Tate hat sich mit diesem Buch zwei wichtigen und interessanten Bereichen zugewendet: Der zunehmenden Komplexität mit immer schwieriger werdenden Beherrschbarkeit des Enterprise Java Umfelds und Ruby als neuer und verheißungsvoller Programmiersprache, die zunehmend Unterstützung und Verbreitung erfährt. Er legt mit seinen Ausführungen zu Komplexität, Lernaufwand und oft geringer Effizienz und Produktivität seinen Finger in die Wunde. Die kaum zu überblickende Vielzahl von APIs und Standards sowie deren zum teilweise wiederkehrende grundlegende Überarbeitung (etwa bei EJB) stellt sicher ein Problem dar. Zu oft wurde JavaEE als geeignetes Werkzeug identifiziert und dadurch mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Tate sieht Ruby als einfache aber trotzdem mächtige Alternative, mit deren Hilfe sich das Ziel auf eine einfachere Art und Weise erreichen lässt.
Pauschale Verurteilung von Java mit unsachlicher Argumentation
Viele Dinge spricht der Autor berechtigterweise an. Leider diskreditiert er seine Kritik dadurch, dass er häufig Pauschalurteile und Vergleiche undifferenziert vornimmt. Das mündet in eine Vereinfachung der Sachverhalte, die ihnen nicht mehr gerecht wird. Er zielt natürlich darauf ab, Manager ohne tiefes technisches Knowhow zu überzeugen. Dazu ist eine nicht unbeträchtliche Vereinfachung nötig. Wenn das aber dazu führt, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden, ist seiner Sache nicht gedient. Manche Schlussfolgerungen muten fragwürdig an. Aus der Komplexität der EJB-Spezifikation zu schließen, dass Java zu schwierig seit, ist verfehlt. Auch die Aussage, dass Ruby effizient sein, weil es weniger Tipparbeit als Java erfordert, ist bestenfalls nebensächlich. Warum Java veraltet ist, weil es eine an C++ angelehnte Syntax besitzt, ist ebenso wenig schlüssig. Für nicht wenige Aussagen bleibt Tate Belege schuldig. Dass Ruby-Entwickler fünf- bis zehnmal produktiver seien als Java-Entwickler, hängt sicher von mehr als der Programmiersprache alleine ab. Inkonsistent wirkt die Argumentation des Buches, wenn im Java-Umfeld die durch eine Vielzahl von Frameworks entstehende Komplexität bemängelt wird, an anderer Stelle aber die wenigen für Ruby existierenden Frameworks als Defizit charakterisiert werden. Für einen ehrlichen und neutralen Vergleich wäre es außerdem notwendig gewesen, Nachteile von Ruby zu beleuchten. Das aber unterbleibt völlig. Dass Ruby im Gegensatz zu Java eine „produktive Sprache ist, die einfachere und saubere Anwendungen“ ermöglicht, könnte kaum schwammiger und unsachlicher formuliert sein. Die Tatsache, dass zwischen Ruby und dem Framework Rails nicht hinreichend unterschieden wird, ist ein Manko des Buches. Einen Gutteil der Popularität von Ruby liegt in der Mächtigkeit von Rails begründet, so dass Effizienz und Produktivität oft durch den Einsatz beider Komponenten erreicht werden.
Ein Widerspruch zieht sich durch das gesamte Buch: Bruce Tate sagt wiederholt – und das zu recht – dass es keine einheitliche Lösung für alle Probleme gäbe. Was als Silver Bullet oder Enterprise Hammer bezeichnet wird, existiert nicht. Die Technologie oder das Werkzeug schlechthin, die immer passen, gibt es nicht. Zu oft wurde JavaEE aber so behandelt. Während diese Kritik sicherlich berechtigt ist, sieht Tate aber in Ruby genau ein solches Allheilmittel. Stellenweise weist er zwar daraufhin, dass Ruby besonders passend für bestimmte Problemstellungen sei, relativiert dies aber nicht selten kurze Zeit später. So wenig wie mit Java alles schlecht war, wird mit Ruby aber alles gut. Solche Aussagen sind unglaubwürdig, wirken beim Werben für Ruby kontraproduktiv und stehen ohne Begründung oder Beispiel da. Was das Buch schlussendlich in der Reihe Pragmatic Bookshelf zu suchen hat, ist fraglich, sind doch die anderen typische Vertreter sehr technischer und konkreter Programmierhandbücher.
(Rezensiert am: 2007-04-27)
Bruce Tate: From Java to Ruby. Things every Manager should know, The Pragmatic Bookshelf, 2006, ISBN-13: 9780976694090, 29.00 €
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