Edgar Hösch:
Dieses Werk vermittelt Basisinformation bis ins Detail – Nachschlagwerk und Studienbegleiter für Slawisten!
Von Waldemar Kipphan
Das 450 Seiten umfassende Werk von Edgar Hösch bemüht sich um eine Gesamtdarstellung der Russischen Geschichte von den ersten Reichsbildungen im frühen Mittelalter bis hin zum Zerfall der Sowjetunion, der im Dezember des Jahres 1991 mit der Bildung der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) endgültig besiegelt wurde. Dabei teilt Hösch den Verlauf der russischen Geschichte in vier Kapitel ein.
Im Kapitel der Kiewer Periode beschreibt er die ersten russischen Staatsgründungen, die eng mit den aus dem Norden stammenden Warägern in Verbindung gebracht werden. Durch die intensiven Handelsbeziehungen mit dem damals fortschrittlichen Weltreich Byzanz, wird Kiew zum Reichszentrum der russischen Völker und Länder. Durch Byzanz findet die Christianisierung der slawischen Völker statt. Die Kirche spielt von diesem Zeitpunkt an eine staatstragende Rolle und führt zu einer Blütezeit der slawischen Kultur, die sich insbesondere in der ebenfalls von der Religion durchdrungenen Kunst ausdrückt.
Der Untergang des Kiewer Reiches, der durch den kontinuierlichen Machtverlust des byzantinischen Kaiserreiches und den Aufstieg konkurrierender Fürstentümer unaufhaltsam voranschreitet, führt zum zweiten Kapitel: der Moskauer Periode. Der Aufstieg Moskaus geschieht unter der Fremdherrschaft der Mongolen. Durch Verhandlungsgeschick am Hofe der Khane und Unterstützung der orthodoxen Kirche, sowie durch kriegerische Übernahmen der benachbarten Gebiete entwickelt sich Moskau zum neuen Machtzentrum in der slawischen Welt. Die Moskauer Fürsten befreien sich schließlich auch von der Oberherrschaft der Mongolen und vollziehen die sogenannte „Sammlung der Russischen Lande“. Das Moskauer Reich bildet sich zu einer osteuropäischen Hegemonialmacht heraus. In ihm entwickelt sich die Herrschaftsform der zaristischen Autokratie, die bis ins 20. Jahrhundert bestand hat.
Das Petrinische Russland, wie es unter Peter I. und seinen Nachfolgern genannt wird, bildet das dritte Kapitel. In dieser Zeit bewegt sich Russland durch viele Phasen der Veränderung und es öffnet sich nach Europa. Thematisiert werden in dieser Epoche u. a. das Zeitalter Katharinas II. und die Aufklärung, sowie das herankommende Ende des Zarenreichs durch die militärischen Niederlagen Russlands im Zeitalter des Imperialismus und der darauf folgenden Revolutionen und auf weitere Sicht der Sturz des Zaren.
Das vierte Kapitel befasst sich mit der sowjetischen Periode. Die Eroberung des Landes durch die Rote Armee und der folgende Zerfall des Reiches und die daraus resultierenden Reformen werden beschrieben. Der Autor geht auf die einzelnen Phasen der Sowjetzeit, angefangen mit ihrer Gründung über die Terrorzeit Stalins, den zweiten Weltkrieg, sowie die Nachkriegszeit und die Vorgänge während des Kalten Krieges bis zur Ära Gorbatschow und die Aufspaltung der Sowjetrepubliken, ein.
Das erklärte Ziel des Autors ist es insbesondere die heterogene Vielfalt in den russischen Teilgebieten, die trotz der vielen Einigungsbemühungen existent geblieben sind, in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen zu rücken. Somit liegt das Gewicht mehr auf den divergierenden als auf den einheitsstiftenden Faktoren in der russischen Geschichte.
Edgar Hösch ist das Wagnis einer Gesamtdarstellung der russischen Geschichte eingegangen und es ist ihm gelungen, ein Buch mit großer Übersichtlichkeit zu gestalten. Es geht trotz dem Charakter einer Zusammenfassung auf viele Details ein, entwickelt sich aus diesem Grunde aber auch zu einem Werk mit höherem wissenschaftlichen Anspruch. Um den Überblick über die Einzelheiten und deren Gewichtung zu behalten, sind Vorkenntnisse des Themas nicht zwingend aber hilfreich. Die angesprochene Zielgruppe bildet sich demnach insbesondere aus Studenten der Slawistik heraus. Für sie ist das Werk ein sinnvoller und kaum verzichtbarer Studienbegleiter. Also eine Investition, die sich für die genannte Zielgruppe, trotz des recht hohen Preises durchaus lohnt. Das Buch kann aber auch allgemein als ein Nachschlagewerk der russischen Geschichte bezeichnet werden. Der Personenindex, die Zeittafel, die wichtigsten Stammtafeln, sowie eine breite Literaturauswahl, die in 13 Kategorien unterteilt ist, stehen im Anhang und bilden eine gute Grundlage, sich der russischen Geschichte auf verschiedenen Wegen zu nähern, sein Wissen zu ergänzen und weitere Nachforschungen zu betreiben.
(Rezensiert am: 2004-03-03)
Edgar Hösch: Geschichte Russlands. Vom Kiever Reich bis zum Zerfall des Sowjetimperiums, Kohlhammer Verlag, Februar 1996, ISBN-13: 9783170113220, 36.20 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |