Hans-Joachim Löwer:
Kurzweiliger und zugleich erschütternder Bericht über das so unheilige „Heilige Land“!
Von Felix Struening
Hans-Joachim Löwer, jahrelang Auslandsreporter beim „Stern“, hat den klaren, unparteiischen Blick, der sonst vielen Berichten über den Nahostkonflikt abgeht. Und genau das macht das Buch so gut. Ständig zwischen Palästinensern und Israelis wechselnd, wanderte der Autor fünf Wochen durch das heilige Land. Mit Muslimen und Juden sprechend, öffnet er für den Leser den Blick auf beide Seiten des Konfliktes und vor allem den schwierigen Alltag.
„Ihr Haus hat, wie alle Häuser streng gläubiger Juden, eine Stelle, die unvollendet bleibt. Bis in Jerusalem der neue Tempel wieder steht.“
Es sind die vielen kleinen Details des Lebens der Menschen vor Ort, die faszinieren. Dabei verbindet der Autor die aktuellen Eindrücke immer mit Hintergründen aus der biblischen und historischen Geschichte, so dass die Zusammenhänge verständlich werden. So lernt der Leser einige Konflikte nachzuvollziehen, andere bleiben zu religiös motiviert. Und so, wie er viele Menschen trifft, die einfach Frieden wollen, so trifft er auch auf die religiösen Fanatiker beider Seiten: „Wir sind hier viel freier als unsere Regierung. Uns sind die Europäische Union und die Vereinten Nationen wurst. Wir wissen, wo Wahrheit und Gerechtigkeit sind.“, zitiert er einen jüdischen Siedler.
Religiöse Führer und das Volk
Meist sind es aber die religiösen Führer, die einen Frieden nicht zulassen wollen. Muslimische Muftis erlassen Fatwas, religiöse Gesetze, die jegliche Kooperation mit den Israelis verbieten, jüdische Räte machen das gleiche mit umgekehrten Vorzeichen. Darunter zu leiden hat dann das Volk, der Tourismus ist seit Beginn der zweiten Intifada im Jahre 2000 gänzlich zum Erliegen gekommen, ganz zu schweigen von den Hunderten von Toten, die jährlich auf beiden Seiten zu beklagen sind.
Eine Reise mit Hoffnung?
Am Ende seiner Reise zu den heiligen Stätten der monotheistischen Religionen trifft der Autor einen Sufi, der fast als einziger wirklich ermutigend für die Region ist. Mit seiner offenen Art lädt er Menschen aller Religionen zu sich ein und versucht zu vermitteln. Und irgendwie liest es sich gut am Ende von Bomben, Kalaschnikows und Märtyrern einen Ausblick in die richtige Richtung zu bekommen. Oder wie der Autor sagt: „Ich [..] hadere damit, dass offenbar immer die falschen Leute regieren.“
Ein Bericht zum Nachdenken!
Das Buch glänzt mit 42 Farbfotos und einer Zeittafel des Heiligen Landes von 1800 v. Chr. bis heute. Und wenn das Buch auch keinen Ausweg aus der Misere zeigen kann, macht es doch mal wieder deutlich, dass man als Europäer die Menschen im Nahostkonflikt nicht über einen Kamm scheren sollte. Und wie der Autor wohl richtig festhält, ist eine Lösung nach wie vor nicht in Sicht, so es jemals eine geben sollte: „Der Staat Israel kann, rein theoretisch, auch ohne die Palästinenser bestehen. Aber ein Staat Palästina keinen Tag ohne Israel.“
(Rezensiert am: 2004-10-05)
Hans-Joachim Löwer: Heilige Erde unheiliges Land. Eine Grenzwanderung durch Israel und Palästina, Frederking & Thaler, 2004, ISBN-13: 9783894056445, 22.00 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |