Ayaan Hirsi Ali:
Eine harte Insider-Kritik am Islam – sehr lesenswerte Essaysammlung!
Von Felix Struening
Spätestens seit dem islamistisch motivierten Mord am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh kennt jeder den Namen Ayaan Hirsi Ali. Eine an sie adressierte Morddrohung war mit einem Messer auf die Leiche Theo van Goghs gespießt. Ayaan Hirsi Ali hatte mit ihm zusammen den Film „Submission Teil 1“ gedreht, indem auf den nahezu nackten und misshandelten Körpern muslimischer Frauen Koranverse geschrieben standen. Mit diesen Versen wurden die Gewalttaten von brutalem Schlagen bis Vergewaltigung und Inzest im Namen Allahs gerechtfertigt. Ayaan Hirsi Ali legt hiermit nun eine Sammlung von Essays gegen die Unterdrückung der Frauen im Islam vor.
„Wir waren in erster Linie Muslime und erst danach Somalier.“
Sie beginnt mit einem biografischen Teil, welcher zugleich der interessanteste am Buch ist, da sie dem Themenkenner sonst nicht viel neues erzählen kann. Was nicht heißt, dass es überflüssig wäre. Denn Ayaan Hirsi Ali kann aus der Position einer ehemaligen Muslima sprechen, kann einen Insiderblick ermöglichen. Und ihr Urteil ist klar: „Seit ich in den Niederlanden wohne, dreht sich alles nur um die Immigrations- und Integrationsprobleme von Zuwanderern – doch das Hauptproblem ist der Islam.“ Dass sie sich mit solchen Aussagen in große Gefahr begibt, zeigt das Beispiel Theo van Goghs, aber auch vieler anderer Islamkritiker, wie z. B. Salman Rushdie. Und sie alle werden aus den eigenen Reihen – den islamischen – bedroht. Die Autorin muss mit Personenschutz rund um die Uhr leben, umso bemerkenswerter ist ihr Mut gegen den Islam weiterzukämpfen.
Ist der Islam reformierbar?
Dabei ist Ayaan Hirsi Alis Kritik am Islam keine Ablehnung der Religion an sich, sondern der ausgeführten Form. Sie glaubt an eine Reform des Islam, an eine Aufklärung, wie sie das Christentum erfahren hat. Ihr Weg ist es, zu reizen und immer wieder zu reizen, bis es für jeden überall möglich ist, etwas gegen Allah, Mohammed und den Koran zu sagen. Denn die Muslime müssen die Schuld für ihre Rückständigkeit nicht bei den Juden oder anderen Ungläubigen suchen, sondern in ihrer eigenen Religion. Und dafür muss Kritik erlaubt sein. Jedoch nicht nur innerhalb des Islams, sondern auch von nichtislamischen Kulturen. Bisher wird nur der kapitalistische Westen kritisiert, nie aber der Islam. „Diese Kulturrelativisten sehen jedoch nicht, daß sie, indem sie nichtwestliche Kulturen skrupellos von ihrer Kritik ausnehmen, die Träger dieser Kulturen in ihrer Rückständigkeit einzementieren.“
„Religion ist für das Individuum kein Instrument der Sinngebung, sondern es hat sich der Religion anzupassen und sich Gott aufzuopfern.“
Ayaan Hirsi Ali zeigt, wo die Mängel liegen: Ungebildete Frauen können den Kindern keine ausreichende Bildung zukommen lassen, mit der Unterdrückung der Frauen wird die Hälfte des Wissenspotenzials verschenkt, jegliche Forschung, die über den Koran hinausgeht, ist verboten. Dafür sind Gewalt und Vergewaltigungen in den Familien an der Tagesordnung, alte Stammestraditionen wie Zwangsheirat und Ehrenmord werden nicht abgeschafft. „Aggressives Verhalten ist in dieser Kultur funktional, um öffentliche Demütigung durch andere zu vermeiden.“ Der Islam ist mit dem gegenwärtigen demokratischen Rechtsstaat nicht vereinbar. Außerdem geht ein Großteil aller terroristischen Anschläge weltweit auf das Konto des Islams. Wer kann da noch von einer friedlichen Religion reden?
Befreiung der Frauen – Befreiung vom Islam
Ayaan Hirsi Ali widmet ihr Buch der Befreiung der muslimischen Frauen. So sind z. B. zehn Tipps zu finden, die die Flucht von zu Hause erleichtern sollen. Parallel erscheint das Buch in Deutschland auch auf Türkisch, kann also hoffentlich vielen Muslimas helfen. Insgesamt geht die Autorin aber viel weiter. Sie schafft mit diesem sehr lesenwerten Buch eine grundlegende Kritik am Islam, die so manchem Muslim böse aufstoßen wird. Und sie hat ein klares Fazit: Der 11. September 2001 „war der Anfang vom Ende des Islam“.
(Rezensiert am: 2005-06-19)
Ayaan Hirsi Ali: Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen, Piper Verlag, Juni 2005, ISBN-13: 9783492047937, 13.90 €
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