Ingrid van Biesen (Gedichte), Monika Bozem (Grafiken):
Wunderbar einfache Worte mit bestechender Klarheit – untermalt von zart verträumten Grafiken!
Von Felix Struening
Klar. Bestechend präzise. Schlicht. Direkt. Worte, mit denen man die Gedichte von Ingrid van Biesen beschreiben kann. Reduziert auf ein Minimum wirken die Zeilen auf den Seiten, im Raum, im Auge, im Ohr. Hier wird Dichtung zur Verdichtung, alles Überflüssige ist entfernt.
nebel
du brachtest
deine lampe mit
geh nicht verloren
freund
Aber auch etwas Zerbrechliches geht von diesen Buchstaben aus. Sie sprechen von jemand Einsamen, Sehnsüchtigen. Sie sind eine Rückbesinnung auf das Wesentliche und scheuen dennoch nicht den Bezug zur Umwelt. Ob „ground zero“ oder „für frida kahlo“, immer wieder suchen die Worte eine Brücke zum Außen.
Filigran fügen sich Worte zu Zeilen und Zeilen zu Formen. Die begleitenden Grafiken von Monika Bozem bleiben zunächst im Hintergrund und rücken erst langsam ins Bewusstsein des Lesers. Zart gezeichnet, in herbstlichen Braun- und Schwarztönen erinnern sie oft an chinesische Kalligrafien. Andere wirken wie kindlich-unschuldige Malversuche.
Abgerundet wird der Band von einer kurzen Würdigung der beiden Künstlerinnen durch Alena Wagnerová, ihres Zeichens selbst Dichterin. Schlicht gebunden und mit Klappenbroschur ausgestattet ist „Im Zwischenlicht der Zeit“ ein schönes Buch mit 30 Gedichten für den besinnlichen Winternachmittag oder eine stille Stunde in der Großstadt.
(Rezensiert am: 2005-11-08)
Ingrid van Biesen (Gedichte), Monika Bozem (Grafiken): Im Zwischenlicht der Zeit. Gedichte und Grafiken, Gollenstein Verlag, 2005, ISBN-13: 9783935731959, 16.00 €
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