Christopher de Bellaigue:
Der Iran politisch und persönlich – gelungene Mischung guter Hintergrundinformationen!
Von Wahied Wahdat-Hagh
Während die Diskussion über den Iran, seinen Präsidenten Ahmadinejad und dessen Atomprogramm nicht abreißt, erscheinen immer mehr Bücher über die islamische Republik. Besonders interessant ist der Bericht des britischen Journalisten und Islamwissenschaftlers Christopher de Bellaigue. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte des Iran. Selbst mit einer Iranerin verheiratet, kennt der Autor die Sachliteratur, hat das Land bereist, dort gelebt und versteht Privatsphären, Kultur und Politik. Dabei liest sich „Im Rosengarten der Märtyrer“ wie ein Roman, Zeile für Zeile, Gesprächspartner für Gesprächspartner öffnet sich der Iran in seiner ganzen Vielfalt.
Märtyrer, Bassidschi und der Iran-Irakkrieg
Natürlich geht es um die Märtyrerverherrlichung und den massenhaften Selbstmord der Jugendlichen im achtjährigen Krieg gegen den Irak (1980-88). Sie wurden später Vorbilder für Selbstmordattentäter in der ganzen Region. Das Kapitel über die Bassidschis ist zentrales Moment des Buches und macht es daher besonders aktuell. Christopher de Bellaigue hat sich intensiv mit der Geschichte mancher Bassidschis beschäftigt, welche die terroristischen Bewegungen – auch des Islamischen Jihad und der Hisbollah, die von Iran unterstützt werden – stark prägten. Teilweise ist es aber auch ein sehr persönliches Buch, wenn es z.B. von der Geschichte Parastous erzählt: Parastou, deren Eltern vom iranischen Geheimdienst bestialisch ermordet wurden. Oder über die Gefühle von Foruhar, die stärker geworden sind, seit ihre Eltern, „die Foruhars ein Teil der Erde geworden sind.“
Gute Mischung
In einer gekonnten Mischung von Persönlichem und Politikgeschichte präsentiert der Autor Volk und Land. Dabei verliert er nie seinen humorvollen Standpunkt. So erfährt der Leser ausgerechnet in dem Kapitel „Liebende“ über die islamische Revolution, über die Absurditäten des Staates, über den mörderischen Krieg und über die Bassidschis. Weltpolitische Themen wie Iran-Contra-Skandal (1986) werden locker-flockig erzählt, so dass der Leser sowohl einen Einblick in die Machenschaften der internationalen Politik bekommt, aber auch die inneriranische Politik besser verstehen lernt. Mit diesem doppelten Blick fürs Ganze und das Detail schafft Christopher de Bellaigue ein wirklich lesenwertes Hintergrund-Buch über den Iran.
(Rezensiert am: 2006-07-14)
Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Portrait des Iran, C.H. Beck Verlag, 2006, ISBN-13: 9783406543746, 24.90 €
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