Bahman Nirumand:
Schuld sind immer die anderen – etwas kurzsichtiger Versuch den Islamischen Gottesstaat Iran zu verteidigen!
Von Wahied Wahdat-Hagh
Der Grundtenor des Buches ist nicht schwer zu durchschauen: Die Vereinigten Staaten von Amerika und Israel tragen die Schuld am Scheitern der Verhandlungen mit dem Iran. Die Europäer, aber auch hier und dort Russland, seien dem Wink aus dem Weißen Haus gefolgt und hätten den Iran unter Druck gesetzt. Bahman Nirumand will das iranische Regime verstehen. Es sei zwar ein Gottesstaat, der aber infolge einer falschen proamerikanischen Diktatur des Schahs und der Revolution entstanden sei.
Der Iran ist von Atommächten umgeben
Tatsächlich glaubt der Autor, dass das iranische Atomprogramm dämonisiert werde, denn man wolle doch nur „Ängste erzeugen und die Öffentlichkeit psychologisch auf einen Krieg vorbereiten.“ Es sei Washington gewesen, das „von vornherein eine Eskalationsstrategie“ eingeschlagen habe. Auch einen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde stellten die USA als „schönfärberisch“ dar, weil laut des Berichtes keinerlei Spuren gefunden worden seien, die auf den Bau von Atombomben schließen ließen. Teheran dagegen habe „auf die Attacken aus Washington höchst gelassen“ reagiert. Staatspräsident Khatami wollte sogar einen „Streit mit der Atombehörde schlichten“. Aggressive israelische Stellungnahmen und Berichte über einen möglichen militärischen Angriff gegen den Iran „provozierten die iranische Staatsführung zu Gegenattacken“. Die „harte Haltung der USA“ und durch „Gerüchte über einen israelischen Luftangriff“ sei die „gute Atmosphäre zwischen dem Iran und der EU“ gestört worden. Gegenwärtig gehen in Deutschland zwar die meisten Experten davon aus, dass der Iran sehr wohl beabsichtigt, Atombomben zu bauen, aber Bahman Nirumand behauptet, dass nur die Amerikaner „das zivile Nuklearprogramm lediglich als Deckmantel für die Entwicklung von Atombomben“ sehen. Der Autor geht so gar so weit zu sagen, dass die USA und Israel nicht anderes zu tun hätten, als die Stimmung gegen den Iran anzuheizen.
Vermeintliche Reformer und die Atombombe
Der Verfasser glaubt, dass die „Reformer einen Kompromiss mit der EU und die Unterzeichnung des Zusatzprotokolls als Sieg der Vernunft schmackhaft zu machen versuchten“. Dabei wollte ein Teil der so genannten Reformer bestenfalls einen zeitlichen Aufschub der Urananreicherung aushandeln, aber kaum auf diese verzichten. Auch die Reformer verteidigen das iranische Atomprogramm, wollen es sich aber mit der EU nicht gänzlich verscherzen. Eher wollen sie die Europäer von der Friedfertigkeit des islamistischen Regimes überzeugen, denn auch Khatami glaubt, dass die khomeinistische Diktatur die alleinige und beste Voraussetzung für die beste Demokratie der Welt sei.
Islamisten und solche, die es sein könnten
Die islamischen Reformer würden dem Buch zu Folge heute die einzige Lösung für die Demokratisierung des Iran darstellen. Bahman Nirumand argumentiert geradezu kulturalistisch, wenn er sich für einen kulturell-politischen Wandel mit Hilfe von im iranischem Gottesstaat legal arbeitenden Reformislamisten ausspricht, als ob der Iran keine Chance jenseits des Islamismus hätte. Reformer, wie Ex-Präsident Khatami, zählt Nirumand nicht zu den Islamisten. Er geht sogar so weit, lediglich eine bestimmte Gruppierung der „Hardliner“ dem fundamentalistischen Islam zu zu ordnen. Die sogenannten Linksislamisten um Khatami erscheinen dadurch als eine Alternative, die in Demokratie führen könnte.
(Rezensiert am: 2006-10-04)
Bahman Nirumand: Iran. Die drohende Katastrophe, KiWi Verlag, 2006, ISBN-13: 9783462037081, 16.90 €
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