Hans-Peter Raddatz:
Scharfe populärwissenschaftliche Analyse des islamistisch-iranischen Systems – Unterdrückung, Gewalt und Antisemitismus!
Von Wahied Wahdat-Hagh
Über den Iran ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Dennoch ist ein populärwissenschaftliches Werk, das ein Bild von der 2500 jährigen Geschichte des Landes liefert, selten zu bekommen. Der bekannte Orientalist Hans-Peter Raddatz ist es nun gelungen, antike persische Geschichte, Religion, Wirtschaft und Politik des Iran in kritischer Distanz zu analysieren. Grund genug sein Buch zu lesen.
Aktuelle Konflikte und gewaltsame Vergangenheit
Ausgehend von aktuellen Konflikten kritisiert der Autor z.B. den EU-Iran-Dialog, der „ein anderes Wort für die Verwaltung eines konkursähnlichen Zustands ist“. Raddatz konzentriert sich dabei auf den Islamismus und zeigt dennoch, dass der Iran mehr war und ist, als Khomeini und seine Anhänger. Er geht auf den altpersischen Propheten Zarathustra ein, aber auch auf den Propheten Mohammed. Raddatz geht davon aus, dass der Islam von seiner frühen Geschichte bis heute „eine gewaltbesetzte Eroberungsideologie“ hat.
Überschätzte Scharlatane und andere Enttäuschungen
Raddatz zeigt auf, wie die Mullahs den Widerstand gegen das Schah-Regime organisierten, um kraft revolutionärer Aktivität eine noch schlimmere Diktatur zu errichten: „Wie für jedes totalitäre System sind auch für den Gottesstaat Grenzstrafen, Gewalt und Tod unverzichtbare Lebensmittel, um selbst überleben zu können.“ Auch bezüglich der Hoffnungen auf die islamistische Reformbewegung, nimmt der Autor kein Blatt vor dem Mund, wenn er den Ex-Präsidenten Khatami als einen „überschätzten Scharlatan“ bezeichnet. Raddatz weiß auch einiges über den antisemitischen Präsidenten Ahmadinejad zu berichten, wenn er ihn für das Verhören und Foltern von Dissidenten, und das Liquidieren zahlreicher Delinquenten im Evin-Gefängnis verantwortlich macht.
Ein Iran-Bild, an das man sich in Deutschland gewöhnen werden muss
Hans-Peter Raddatz vermag es mit seinen messerscharfen Analysen, den Konflikt des Irans zwischen geistiger Freiheit und Islamismus hervorragend darzustellen. Er zeigt das Dilemma der beanspruchten aber nie erreichten Vormachtsstellung im Nahen und Mittleren Osten, von Atomwaffe und Erdöl, radikalisierter Schia und Todfeindschaft zu den USA und Israel. Ein Buch, das sicherlich schreiend grelle Farben in das in Deutschland vorherrschende Iran-Bild bringt.
(Rezensiert am: 2007-01-27)
Hans-Peter Raddatz: Iran. Persische Hochkultur und irrationale Macht, Herbig Verlag, 2006, ISBN-13: 9783776624885, 19.90 €
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