Klaus Wagenbach:

Kafkas Prag

Ein Reiselesebuch

Ein gelungenes Werk, das den Leser in „Kafkas Prag“, ins Prag der Jahrhundertwende versetzt!

Von Waldemar Kipphan

Kafka und Prag verband eine Hassliebe miteinander. Schon nach dem Gymnasium wollte Franz Kafka seine Heimatstadt verlassen, doch sie ließ ihn nicht los. Seinem Jugendfreund Oskar Pollack beschrieb er die Stadt Prag in einem seiner vielen Briefe als: „Mütterchen Prag, das Krallen hat und nicht loslässt“. Dieser Satz verfolgte Kafka das ganze Leben und er verließ Prag bis zu seinem Tod wirklich nur wenige Male und immer nur für kurze Zeit. Klaus Wagenbach beschreibt in seinem Reiselesebuch die Stadt Prag, wie sie Kafka erlebte, wo er aufwuchs, zur Schule ging, die vielen verschiedenen Wohnungen der Familie Kafka und später seine eigenen, wo seine Werke entstanden, sein Umfeld, seine Freunde, das Geschäft des Vaters, sein Studium und den späteren Berufsweg, sowie seine Lieblingsspaziergänge und andere Vorlieben, wie Cafes, Kinos und Bibliotheken, in denen er sich oft aufhielt. Schon beim ersten Aufschlagen des Buches sticht einem der mit gelben, nummerierten Punkten versehene Stadtplan ins Auge. Diese Punkte liegen fast ausschließlich im Altstädter Ring und seiner näheren Umgebung und kennzeichnen die verschiedenen Aufenthaltsorte Kafkas. Sie beschreiben den kleinen Kreis, in dem sich fast sein ganzes Leben abspielte. Eine Beschreibung Prags um die Jahrhundertwende, der Freiheitsdrang des tschechischen Volkes, der unvermeidliche Untergang der Donaumonarchie und der jüdischen Gemeinde, die auf eine lange Tradition zurückblickt, kombiniert mit einem Umriss von Kafkas Lebens, geben einen Einblick in die historische Sternstunde, die Franz Kafka hautnah miterlebte und die sein Leben und Schaffen prägte. Dann geht Klaus Wagenbach auf die gelben Punkte ein. Die Wohnhäuser, Schulen, Universität, Arbeitsstätten und andere Orte, die eine wichtige Rolle in Kafkas Leben spielten, werden beschrieben, die Geschichten, mit welchen diese verbunden sind, erzählt und durch viele gut ausgewählte Zitate aus den Werken Kafkas und über Franz Kafka, sowie durch faszinierende Bilder unterstrichen. Kafkas Prag ist ein übersichtliches, gut strukturiertes Werk, dass ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann. Eben aufgrund der guten Verständlichkeit und der meist zeitlich angepassten Illustrationen, die den Leser in die Zeit Kafkas hineinversetzen, ist es perfekt dazu geeignet einen Ausflug nach Prag zu begleiten und sich auf die Spuren Franz Kafkas zu begeben. Wagenbachs eigene Worte ergeben ein vortreffliches Fazit für dieses Buch „Muss man nach Prag fahren, in Wirklichkeit oder im Geist. Für beides ist dieses Lese- und Reisebuch als Begleiter gedacht.“

(Rezensiert am: 2003-07-21)

Klaus Wagenbach: Kafkas Prag. Ein Reiselesebuch, Klaus Wagenbach Verlag, 1993 (1. Aufl.), aktl. April 2000 (6. Auflage), ISBN-13: 9783803111418, 13.00 €


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