Bryan Sykes:
Werden Männer noch gebraucht – die Geschichte des männlichen Y-Chromosoms und seine tragische Zukunft!
Von Felix Hassert
Mr. Sykes und Mr. Sykes
Nachdem Bryan Sykes sich lange mit der Vererbung von mitochondrialer DNS beschäftigt hatte, was er in seinem letzten Buch "Die Sieben Töchter Evas" dokumentierte, lag es fast schon nahe, das Y-Chromosom, als männliches Pendant dazu, unter die Lupe zu nehmen. Auslöser war dann letztendlich der Wunsch nach einer echten Antwort auf die oft gestellte Frage der Verwandtschaft zwischen ihm und einem anderen Mr. Sykes. Eine kurzer Blick auf die Y-Chromosomen der Herren Sykes und Sykes ließ keinen Zweifel: entfernte Verwandte. Das war unerwartet, schließlich handelte es sich um zwei Sykes aus ganz anderen Regionen Englands. Als man noch mehr Sykes in die Untersuchung miteinbezog, wuchs die Zahl der Verwandten. Hatte man einen Glückstreffer gelandet oder war die Übereinstimmung von Nachnamen ein eindeutiger Hinweis auf einen gemeinsamen Ahnen?
Der Hauptdarsteller
Was hat Genetik mit Stammbäumen zu tun? Offensichtlich eine Menge. Aber wie funktioniert das? Damit konfrontiert Sykes den Leser direkt zu Beginn: Ein Gen auf dem Y-Chromosom bestimmt, ob aus einem Mädchen (der genetische "Normalfall") ein Junge wird. Damit ist es die Ursache für die Trennung eigentlich aller Säugetiere in weibliche und männliche Exemplare; und seitdem es das tut, brauchen wir Sex um uns fortzupflanzen. Da Sex für die meisten Arten kein ausgesprochenes Vergnügen ist, muss es noch einen anderen Vorteil geben, und der liegt in der Rekombination. Das bedeutet, dass jedes frisch befruchtete Exemplar zur Besetzung der einzelnen Posten auf seinen Chromosomen aus zwei Genen wählen kann: eins von der Mutter, eins vom Vater. Wenn eins von beiden kaputt ist, haben wir immer einen Ersatz.
"Das egoistische Gen"
Da Frauen kein Y-Chromosom haben, kann es bei der Fortpflanzung auch nicht rekombiniert werden. Dadurch sind die Gene auf diesem Chromosom so erfolgreich: Sie werden unverfälscht vom Vater zum Sohn weitergereicht. Wird es allerdings ein Mädchen, bleiben sie ganz auf der Strecke; daran wird ihnen nicht viel gelegen sein. Haben die Gene des Y-Chromosoms die Möglichkeit, weibliche Nachkommenschaft zu verhindern? Und haben die Mitochondrien, die über die maternale Linie vererbt werden, die Möglichkeit Jungen zu verhindern? Durch sexuelle Selektion könnten sich besonders erfolgreiche Y-Chromosomen auch besonders schnell ausbreiten.
"Adams Fluch"
Das tragische am Y-Chromosom ist, dass sein Vorteil, nicht rekombiniert zu werden, auch sein Schicksal ist: Mutationen können durch das fehlende Gegenstück nicht repariert werden und vererben sich weiter. So sammeln sich mit der Zeit immer mehr Mutationen auf dem Y-Chromosom, das jetzt bereits weitaus mehr genetischen Müll als aktive Gene enthält. Wie lange wird es sich noch halten können, bis der letzte Mann sein bröckliges Y-Chromosom mit der finalen Mutation versieht? Im Laufe der fast 400 Seiten berichtet Sykes von weiteren Entdeckungen, die mit Hilfe des Y-Chromosoms gemacht wurden, und geht verschiedenen Theorien und Möglichkeiten nach, was die treibenden Kräfte im Kampf der Geschlechter sind und wie er sich entwickeln könnte. Trotz wissenschaftlichen Hintergrunds liest sich "Keine Zukunft für Adam" leicht wie eine Erzählung; überflüssige Genauigkeiten bleiben dem Leser erspart. Wer allerdings eine tiefer gehende Einführung in die Genetik sucht, sollte zu einem anderen Buch greifen.
(Rezensiert am: 2004-07-12)
Bryan Sykes: Keine Zukunft für Adam. Die revolutionären Folgen der Genforschung, Lübbe, Oktober 2003, ISBN-13: 9783785721193, 19.90 €
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