Gabriele Gast:

Kundschafterin des Friedens

17 Jahre Topspionin der DDR beim BND

Entdecken Sie die Tragweiten politischer Spannungen zwischen BRD und DDR in diesem Buch!

Von Felix Struening

Eine Verhaftung. Ein Ende. Am Anfang. Diese Autobiografie beginnt mit dem eigentlichen Ende: Der Festnahme der Autorin. Doch von Anfang an. Gabriele Gast studiert Politikwissenschaften und wird bei einem Besuch in der DDR vom dortigen Geheimdienst, dem MfS (Ministerium für Staatssicherheit) angeworben. Sie beginnt Informationen über die Bundesrepublik an den Osten zu verraten. Dabei handelt es sich zunächst um alltägliche Dinge, wie Studium, Berufswahl, etc. Dann wird sie allerdings vom BND (Bundes Nachrichten Dienst) eingestellt. Von nun an fließen wirklich wichtige und geheime Informationen in die DDR. Die Autorin beruft sich dabei immer wieder darauf, alles aus politischer Überzeugung getan zu haben. Während der Erzählung ihrer Karriere bei den beiden Geheimdiensten kritisiert Gabriele Gast immer wieder verschiedene Aktionen und Vorgehensweisen des BNDs und des MfS. Z. B. sogenannte „Romeo-Agenten“, die arglose Frauen eine Beziehung vorgaukeln, um an wichtige Informationen heranzukommen. Nach „Ausschöpfen der Quellen“ wurden diese einfach fallengelassen. Ungeachtet dessen, dass die Frauen nicht nur persönlich verletzt, sondern auch einem immensen Risiko der Strafverfolgung ausgesetzt wurden. Vor allem aber bemängelt die Autorin, dass nach Zusammenbruch der DDR die Spione letzterer bestraft wurden, während BND-Quellen in der DDR straffrei wegkamen. Ein Amnestiegesetz für die deutsch-deutsche Spionage scheiterte. Aus diesem Grund wurde auch Gabriele Gast lange nach der Wende und damit nach Ende ihrer Agententätigkeit verhaftet. Sie musste eine lange Gefängnisstrafe absitzen. Keiner ihrer direkten Kontaktleute (u. a. auch Markus Wolf, Geheimdienstchef des MfS) half ihr in dieser schweren Phase. Das Buch ist zwar mit über 350 Seiten recht umfangreich, wird aber nie langweilig. Ein flüssiger Text und die weitestgehende Konzentration auf das eigentliche Thema erleichtern das Lesen sehr. Angenehm ist auch, dass die Fußnoten auf der jeweiligen Seite erklärt sind – mühseliges Blättern bleibt erspart. Alle Quellen sind hervorragend und nachvollziehbar aufgeführt. Außerdem verweist die Autorin immer wieder auf Werke anderer Ex-Agenten und kommentiert diese kurz. So erhält der Leser einen umfassenden Einblick nicht nur in die Geheimdiensttätigkeiten zwischen DDR und BRD, sondern auch in die gesamte politische Lage dieser Zeit und die persönlichen Konsequenzen daraus für einen einzelnen Menschen.

(Rezensiert am: 2003-04-01)

Gabriele Gast: Kundschafterin des Friedens. 17 Jahre Topspionin der DDR beim BND, Eichborn, 1999, ISBN-13: 9783821805221, 22.00 €


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