Larry Ullman, Marc Liyanage:
Ein guter Einstieg für Mac OS X-Neulinge, aber etwas Potential verschenkt!
Von Tobias Lütticke
Aktuelles Mac OS X Tiger für ein Einsteiger
Mac OS X Tiger Timesaving Techniques ist ein Buch aus der bekannten „Für Dummies“-Reihe des Wiley Verlages. Es wendet sich an alle Mac OS X-Nutzer, die mit diesem Betriebssystem von Apple noch weitestgehend unvertraut sind. Der erfahrenere Nutzer kann nur selten noch etwas lernen. Die Timesaving Techniques tragen der Tatsache Rechnung, dass Apple-Computer mit dem Betriebssystem Mac OS X weiter an Beliebtheit gewinnen. Ullmanns und Liyanages Werk ist brandaktuell, es behandelt die Version 10.4, genannt Tiger. Aber auch Panther (10.3) Nutzer können sich angesprochen fühlen, da wesentliche Bereiche unverändert geblieben sind.
Viele Tipps zu zahlreichen Themen
Insgesamt neun Abschnitte behandeln unterschiedliche Themengebiete, von allgemeinen Einstellungen, Tipps, Tricks, schnellem und einfachen Dateizugriff bis hin zum Umgang mit Anwendungen. Speziellere Bereiche beinhalten die Aspekte Internet und Netzwerke, Multimedia, Sicherheit und Unix-Grundlagen. Die einzelnen Abschnitte sind in sogenannte Techniken gegliedert, die wiederum die einzelnen Tipps und Hinweise enthalten. Als Technik bezeichnen die Autoren eine inhaltlich zusammengehörenden Menge an Hinweisen, zum Beispiel verschiedene Möglichkeiten zum Öffnen von Dateien. Auf insgesamt 500 Seiten verteilen sich so Hinweise zu Themen des täglichen Gebrauchs, wie der Umgang mit dem Finder bis hin zu eher exotischen und von wenigen genutzten Bereichen, wie Videokonferenzen mit iChat. Interessante Dinge wie Bookmarklets, auf die man von alleine eher nicht stößt, sind genauso behandelt wie der Umgang mit den Werkzeugen, die man immer wieder benötigt. Auch Notebook-Nutzer werden nicht vergessen und auf Besonderheiten mit Mac OS X hingewiesen.
Teilweise unübersichtlich, aber viele anschauliche Bilder
Die Präsentation des Inhalts ist durch die zweispaltige Darstellung und die Vielzahl der verwendeten grafischen Elemente häufig unübersichtlich. Die Autoren verwenden verschiedene Symbole, die einzelne Hinweise als besonders sicherheitskritisch, wichtig zur Zeitersparnis oder als Zusatzwissen kennzeichnen. Zusammen mit den vielen Bildern, Aufzählungen und den eingestreuten Symbolen geht die vorhandene und durchdachte Struktur leider oft verloren. Das Einpressen in zwei enge Spalten tut sein übriges. Positiv fallen die vielen Bilder auf. Nahezu alle Einstellungen sind mit einem beispielhaften Bildschirmfoto verdeutlicht, so dass ein Nachvollziehen kein Problem ist.
Verständliche Erklärungen und viele Ergänzungshinweise
Alle Erklärungen sind leicht verständlich gut nachvollziehbar. Die Tipps und Hinweise werden häppchenweise verabreicht, so dass der Leser nicht mit Neuigkeiten erschlagen wird. Sowohl das Lesen von vorne bis hinten als auch das selektive Studium einzelner Abschnitte ist kein Problem und aufgrund der thematischen Gliederung einfach möglich. Nahezu jeder Aspekt des Betriebssystems wird durch Hinweise auf ergänzende Shareware-Programme aufgewertet, um Abläufe noch effizienter zu gestalten oder Einstellungen vorzunehmen, die in der Tiefe von Mac OS X verborgen sind.
Ideen nicht immer zu Ende gedacht
Gut und sinnvoll ist das Vorhandensein eines separaten Abschnitts für Windows-Umsteiger. Leider bleiben die Ausführungen hier sehr an der Oberfläche. Letztendlich ist das nicht weiter tragisch, bildet doch das Buch als Ganzes eine gute Grundlage für den Umstieg. Die Gelegenheit, hier auf ein paar typische Probleme mehr einzugehen, wurde so aber verpasst. Tastenkürzel und die Bedienung von Programmen über die Tastatur ist ein zentrales Thema, das sich durch das gesamte Buch zieht. Leider fehlt eine Übersicht all dieser Kürzel, die so über das Buch verstreut sind. Im Ansatz existiert eine solche Tabelle zwar zu Beginn, sie beschränkt sich aber leider auf einige wenige – die wichtigsten – Tastenkürzel. Noch mehr fällt eine fehlende Übersicht im Hinblick auf die Shareware-Programme ins Gewicht. Wer sich nicht sofort Notizen macht oder das Programm herunterlädt, der hat Schwierigkeiten die Quelleninformation wiederzufinden.
Nur teilweise wirkliche Tipps zur Zeitersparnis
Den Anspruch Timesavers – also Tricks zum einfacheren und schnelleren Arbeiten – zu vermitteln, erfüllt das Buch nur bedingt. Fünf Techniken allein vermitteln lediglich Unix-Grundlagen, stellen also keine wirklichen Tricks dar. Auch die Technik zu Google hat nicht mal entfernt etwas mit Mac OS X zu tun. In diesem Zusammenhang muten der Titel und die Aufmachung etwas reißerisch an. Das Versprechen, den Mac zu beschleunigen darf man so nicht stehen lassen. Was vermittelt wird, sind Wege, sein Ziel schneller zu erreichen. Mit einer Software-Beschleunigung – wie an mehreren Stellen suggeriert – hat das nichts zu tun. Die Vorstellung des .Mac-Kontos hat ebenfalls nichts mit dem Anspruch des Timesavings zu tun. Die Werbung der Autoren dafür ist auch nicht immer nachvollziehbar. 250MB online Speicherplatz sind in Gigabyte-Zeiten nicht die Welt, kostenlose Mailadressen gibt es an jeder Straßenecke und sein Adressbuch online abzulegen kann ist aus Sicherheitsgründen durchaus kritisch zu sehen. Die Begeisterung der Autoren für diesen gebührenpflichtigen Dienst ist so nur zum Teil nachzuvollziehen. Auch wenn es sicher für etliche eine attraktive Sache ist, so lässt sich eine generelle Empfehlung daraus nicht ableiten.
(Rezensiert am: 2005-07-08)
Larry Ullman, Marc Liyanage: Mac OS X Tiger. Timesaving Techniques for Dummies, Wiley, 2005, ISBN-13: 9780764579639, 23.50 €
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