Leon de Winter:
Faszinierend, spannend und an der Grenze der Realität – ein Krimi mit philosophischen Hintergrund!
Von Felix Struening
Zunächst wird der Leser mit einem Prolog konfrontiert, in dem scheinbar Fakten ohne Zusammenhang aneinandergereiht werden. So ist von Kontinentalverschiebungen, Umzugslastwagen und Geburtstagsfeiern die Rede. Viele erwähnte Namen und Handlungen verwirren auf den ersten Seiten, werden aber dann bei ihrer Verkettung durchschaubar. So nimmt der Autor das schlimmste Ereignis des Buches der eigentlichen Erzählung schon vor weg. Erst dann lernen wir den Protagonisten kennen: Joop Koopman ist ein holländischer Schriftsteller, der in Los Angeles lebt und Scripte für Filme schreibt. Er lebt in Scheidung und sein und alles ist seine Tochter Mirjam. Diese verunglückt aber an ihrem 17. Geburtstag tödlich und für Joop bricht die Welt zusammen. Aber er wird in seiner Trauer nicht in Ruhe gelassen. Von einem alten Schulfreund wird er in einen Spionagefall für den israelischen Geheimdienst verwickelt und seine Cousine konfrontiert ihn mit ihren buddhistischen Wiedergeburtstheorien. Zu allem Überfluss folgt auch noch der Motorradfahrer, durch den Mirjam ums Leben kam, Joop auf Schritt und Tritt. Dem Protagonisten wird also von allen Seiten zugesetzt, seine materialistische Weltansicht wird völlig auf den Kopf gestellt. So liest er z. B., dass Menschen, die ein Herz transplantiert bekommen, Charakterzüge des früheren „Eigners“ des Herzens annehmen. Da Joop beim Tod seiner Tochter einer Herztransplantation zustimmte, beginnt er nun den Empfänger des Herzens zu suchen, um herauszufinden, ob von seiner Tochter „etwas übrig geblieben“ ist. Dabei wird nicht nur Joop, sondern auch der Leser immer wieder vor die Frage gestellt, was wahr ist und was nicht. Aber auch einen starken Realitätsbezug stellt der Autor her: Politisch aktuell zeigt er die Unterschiede und Spannungen zwischen Judentum, Buddhismus und Islam auf. Dies projiziert sich alles in die Handlungen Joops hinein, dessen eindrücklich geschilderte Liebe zu seiner Tochter dennoch primäres Thema des Buches bleibt. So schafft der Autor einen „literarischen Hybrid“ zwischen Krimi, Politik, Philosophie und Liebe, aus dem der Protagonist nur gestärkt hervorgehen kann.
(Rezensiert am: 2003-05-01)
Leon de Winter: Malibu. , Diogenes Verlag, 2003, ISBN-13: 9783257063479, 22.00 €
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