Helmut Brenner:

Meditation

Die wichtigsten Methoden, Ziele und Übungen

Einführender Überblick in diverse Meditationstechniken und ihre Hintergründe – nur bedingt hilfreich!

Von Maximilian Hansen

Und wieder stellt sich die Frage, was und vor allem wem so ein Buch nützen soll? Aus Sicht eines Psychologen schildert der Autor verschiedene Meditationstechniken auf sehr wissenschaftliche Art. Dabei fällt es ihm schwer, die Techniken getrennt von ihren religiösen, philosophischen, ethischen und ethnischen Hintergründen zu trennen. „Für überpersönliche Meditation brauchen wir nämlich festen Boden unter den Füßen, von dem aus wir meditieren können und auf den wir uns zurückbeziehen oder auch zurückziehen können. Ansonsten könnte es vorkommen, dass wir mit neuen Erfahrungen in der Luft hängen. Den Boden kann eine Weltanschauung, ein philosophisches oder religiöses System bieten. [...] Tiefgreifende Meditation ist nur auf gefestigter weltanschaulicher und ethischer Basis sinnvoll.“

Falscher Weg?

Geht der Autor also den falschen Weg, beziehungsweise, geht er ihn falsch herum? Müsste er nicht dem Leser verschiedene Weltanschauungen und philosophische bzw. religiöse Systeme anbieten? Und wenn der Leser das gefunden hat, womit er sich identifizieren kann, kann man ihm die Methoden und Techniken des gewählten Systems erklären. Brenner versucht es jedenfalls andersherum, da er meint, die Meditations-Techniken auch ohne vorherige Akzeptanz des dazugehörigen ethischen Systems anwenden zu können.

Technik und ihr Hintergrund

Ganz kann er aber auch nicht auf die Hintergründe verzichten und schildert jeweils in kurzen Abrissen, wie es zu der Meditationstechnik kommen konnte und welche Ziele es gibt. So erläutert er buddhistische Mandala-Meditationen, hinduistische Mantra-Techniken, die Bewegungs-Medition des T’ai-Chi, Sitz- und Atem-Meditationen im Zen, das Yoga-System, die christliche Meditation und Kontemplation und schließlich Meditation als höhere Stufe des Autogenen Trainings.

Wissenschaft und Transzendenz

Trotz des wissenschaftlichen Standpunktes, der zugegebener Maßen schwer zu halten ist, muss der Autor immer wieder die transzendenten Aspekte der Hintergründe mit einbeziehen. Dies gelingt ihm aber einigermaßen, indem er moderne psychologische Erkenntnisse auf die zum Teil unerklärlichen Wirkungen der Meditationen anwendet: „Die berühmten Mantras sind Urlaute und Klangbilder. Man kann sie als archetypische Wortsymbole bezeichnen.“ Dabei unterlaufen ihm allerdings gelegentlich Fehler, so spricht er auf Seite 53 von einer Dreieinigkeit von Körper, Geist und Seele, obwohl das buddhistische System keinerlei Seele kennt. Richtig wäre die Dreieinigkeit von Körper, Rede und Geist. Auch auf Seite 79 verwechselt er die Begriffe im Zen-Buddhismus, wenn er von den Grenzen des Geistes spricht. Da der Geist im Zen-Buddhismus als grenzenlos betrachtet wird, kann es sich nur um die Grenzen des Verstandes oder des Bewusstseins handeln.

Ratgeber oder wissenschaftliche Betrachtung?

Insgesamt kann das Buch keinen wirklichen Ratgeber-Charakter entwickeln, da sich die wissenschaftliche Sicht und das Thema nur schwer vereinbaren lassen. Der Versuch ist zwar nicht gescheitert, bedarf aber einiger Erweiterung. Interessant wären Hintergrundinformationen zu Hirnströmen und Bewusstseinserweiterung bei Meditationen und ähnliches wissenschaftliches Material. Damit würde sich das Buch zwar noch weiter vom kurzen Ratgeber-Format entfernen, aber dies wird durch die Fülle des Themas in jedem Fall gesprengt.

(Rezensiert am: 2004-10-04)

Helmut Brenner: Meditation. Die wichtigsten Methoden, Ziele und Übungen, Humboldt, 2004, ISBN-13: 9783899949520, 8.90 €


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