René Descartes:
Die Grundlage der modernen Philosophie – Descartes großartige Meditationen mit den so wichtigen Einwänden und Erwiderungen!
Von Felix Struening
„Ich denke, also bin ich“, wer kennt nicht diesen Spruch, der unser Denken verändern sollte. Doch was bedeutet er wirklich? Und wie kam er zustande? Denn was sich zunächst als formale logische Schlussfolgerung liest, entpuppt sich als der Grundsatz einer neuen Philosophie. Einer Philosophie, die sich von der Kirche lossagt und Offenbarung durch Erkenntnis ersetzt. Einer Philosophie, die an allem zweifelt...
Zweifle an allem und glaube an nichts
Descartes beginnt mit dem Ende. Mit dem Ende aller Erscheinungen. Seine Sinneseindrücke und -wahrnehmungen in Frage stellend, bleibt ihm nichts, außer ihm selbst. Denn wenn er auch an allem zweifelt, so bleibt doch der, der zweifelt. Die Theorie fußt also darauf, dass er sich nur seiner selbst gewiss sein kann. Er denkt, also ist er. Sich langsam vortastend, entstehen nun wieder Ideen in seinem Geist, das Hauptmerkmal seiner Philosophie. Denn diese Ideen haben ein bestimmte Realität. So hat die Idee von einer Substanz mehr Realität, als die von einem Zustand der Substanz. Und die vollkommenste Idee muss die größte Realität haben: Die unendliche Idee, mit anderen Worten Gott.
Gottesbeweis als Hilfe
Als reinen Gottesbeweis dargestellt, geht es Descartes eigentlich um den Beweis der äußeren Welt. Mit logischer Argumentation versucht er eine Erklärung der Welt zu schaffen, stets unter dem Deckmantel der Suche nach Gott. Denn als das Werk 1641 in Frankreich erschien, hatte die Kirche alle Macht und doch sollten die „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ zum Sturz des Klerus beitragen. Gewidmet der Theologischen Fakultät der Sorbonne in Paris, verfehlte Descartes allerdings die Unterstützung der Geistlichen und musste viele Jahre im Ausland verbringen.
Einwände und Erwiderungen
Einen wichtigen Teil des Buches stellen die Einwände und Erwiderungen dar. Antworten und Kommentare von Gelehrten wie Mersenne, Caterus oder Arnauld nahm Descartes in sein Werk mit auf, um sie gleich zu erwidern. So folgt auf das Hauptwerk der Meditationen ein widersprechender, kommentierender und genauer erklärender Teil, wofür normalerweise weitere Bücher notwendig sind. Interessant ist hierbei vor allem die Diskussion mit dem englischen Wissenschaftler Hobbes. Zwei vermeintlich völlig gegensätzliche Ansätze treffen aufeinander. Während für den empiristischen Hobbes die Idee im Geist nur das Abbild äußerer Erscheinungen ist, muss sie bei Descartes als Ursprung dieser herhalten. Eine Diskussion, die erst viele Jahre später bei Kant und der Aufklärung ihre Krönung findet.
Descartes als Beginn
Man kann Descartes Meditationen als Pflichtlektüre für Philosophen bezeichnen, vor allem aber eignen sie sich für den philosophischen Neuling. Da an fast allem konsequent gezweifelt wird, ist die Lektüre anderer Philosophen zum Verständnis nicht unbedingt notwendig, wenn auch hilfreich. Natürlich merkt man bei genauer Betrachtung, dass Descartes viele Argumente aus der thomasischen und aristotelischen Lehre verwendete. Wirklich konsequent kann auch Descartes nicht ohne die griechischen Grundlagen oder den ontologischen Gottesbeweis des Thomas von Aquin arbeiten. Doch wer die nachfolgenden Werke der europäischen Philosophie verstehen will, sollte bei Descartes seinen Anfang machen. Zumal er mit seinen durchaus komplexen Gedankengängen den Leser immer wieder herausfordert, das gelesene zu überprüfen und darüber nachzudenken. Man lernt im wahrsten Sinne des Wortes Denken. Und das ist ja schließlich die Grundlage dieser Philosophie, denn: „Ich denke, also bin ich.“
(Rezensiert am: 2005-02-01)
René Descartes: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Mit den sämtlichen Einwänden und Erwiderungen, Felix Meiner Verlag, 1994 (1. dt. Auflage 1915), ISBN-13: 9783787300303, 24.80 €
| BuchTest Services | ||
|
|
| Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie | |
|
|
||
| © Copyright Buchtest.com | Impressum | Kontakt |