Jakob Hein:

Mein erstes T-Shirt

Leichte und schöne Geschichten über eine typische DDR-Jugend – leider ohne emotionalen Tiefgang!

Von Felix Struening

Wie macht man den ganz normalen Alltag interessant? Jakob Hein versucht es erfolgreich mit Situationskomik. Die Geschichten über seine Jugend in der DDR sind locker-flockige Erzählungen. Eigentlich fehlt jegliche Dramaturgie und Spannung. Durch immer wieder treffenden Sprachwitz schafft es der Autor aber, trotzdem zu unterhalten: „Wasser aus dem Wasserhahn trank ich weiterhin, besonders seitdem mir Oliver Scholz beigebracht hatte, mit den Händen ein kleines Gefäß zu formen, was viel besser war, als wie eine Katze an dem Strahl zu lecken und dabei vor allem seinen Pullover mit Wasser zu tränken.“ Es ist gerade das absolut Allgemeine, das den Leser in Erinnerung an eigene Erlebnisse schmunzeln lässt. Dies gestaltet sich so, dass nicht nur Bürger der ehemaligen DDR, sondern auch „Westler“ alles wiedererkennen und ihren Spaß haben. Angenehm ist, wie selbstkritisch - ja selbstironisch - der Autor seine Person sieht. Gnadenlos stellt er sich als Sportniete dar, als unbeliebt bei den Mädchen und später der Polizei. Dabei entwickelt er eine gesunde Distanz zum Erzählten, scheint es nicht als Verarbeitung zu brauchen (im Gegensatz zu manch anderem Autor dieses Themenkomplexes). Die Geschichten sind erstaunlich detailliert erzählt, nahezu dokumentiert. Der Autor muss wohl schon früh Notizen gemacht haben. Im Vorwort schreibt Wladimir Kaminer dazu: „Jakob Hein ist ein Staubsauger. Konsequent und unermüdlich saugt er alles auf, was er um sich herum sieht, und verarbeitet die eigene und fremde Realität in akkurate, zweieinhalb Seiten lange Geschichten, die in einer angenehmen, leicht verständlichen Sprache verfaßt sind.“ So erzählt Jakob Hein über seine erste E-Gitarre (er kann sie aber nicht spielen), quälerische Sportstunden und -lehrer, die Wahlen in der DDR und nicht zuletzt über seinen ersten Sex. 26 kleine Geschichten - mehr oder weniger realistisch - über Erwartungen und Enttäuschungen, Schein und Sein. Leicht zu lesen, doch manchmal vermisst man etwas mehr Tiefgründigkeit. Denn auch die DDR war nicht nur lustig. Es entstehen keine Emotionen beim Leser. So vergisst man auch den Inhalt wieder sehr schnell.

(Rezensiert am: 2003-04-01)

Jakob Hein: Mein erstes T-Shirt. , Piper Verlag, Nov 01, ISBN-13: 9783492270250, 12.00 €


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