Hanife Gashi, Sylvia Rizvi:

Mein Schmerz trägt deinen Namen

Ein Ehrenmord in Deutschland

Ein Dokument des Schmerzes, des Verlustes, der Anklage – Ehrenmord vor unserer Haustür!

Von Felix Struening

„Meine Tochter Ulerika ist tot. Ihr Vater hat sie ermordet.“ Mit diesen Worten beginnt die Geschichte von Hanife Gashi und ihrer ermordeten Tochter Ulerika. Ermordet im Namen der Ehre, weil sie einen Jungen liebte, den ihr Vater ablehnte. Ermordet im Namen einer schwachsinnigen, veralteten Moral. Mitten in Deutschland. Direkt vor unserer Haustür und nicht irgendwo in fernen Ländern.

Das Kosovo und eine Flucht

Die Autorin selbst wird im Alter von 17 Jahren im Kosovo von ihrem Vater zwangsverheiratet. An einen Mann, den sie nicht liebt und der sie schlägt und misshandelt. 1989 flieht sie dann vor den politischen Unruhen mit ihrem Mann und ihrer Tochter Ulerika nach Deutschland. Hanife Gashi hat die Hoffnung, ihre Kinder hier freier erziehen zu können, nicht so an die Traditionen ihres Mannes gebunden zu sein. Und wenn sie auch nach außen wie eine glückliche, erfolgreiche Einwandererfamilie wirken, zerfällt der innere Zusammenhalt immer mehr. Gewalt und Brutalität sind an der Tagesordnung.

Der Ehrenmord – islamisches Recht und Stammestradition

Schließlich eskaliert die Situation. Der Vater bringt seine älteste Tochter Ulerika im Streit um. Eine Welt bricht zusammen. Auch wenn der Leser von Anfang an weiß, was geschehen wird, geht diese Stelle sehr nah. Mit hoher emotionaler Dichte schildert Hanife ihre Verzweiflung und ihr Unverständnis. Doch der Vater fühlt sich im Recht. Nach den alten Stammestraditionen muss er die Ehre der Familie retten, indem er seine Tochter tötet. Diese Traditionen gehen soweit, dass wenn eine Frau aus ihrer Zwangsehe flieht, ihre Familie dafür zahlen muss, schlimmstenfalls mit dem Leben eines Mitgliedes. Auch wenn Ulerikas Vater kein praktizierender Muslim war und die Autorin eine Verbindung zwischen Islam und Ehrenmord abstreitet, muss hier angemerkt werden, dass nur islamische Tradition und Rechtsprechung dieses Relikt aus alten Stammeszeiten überliefert hat. Auch wenn Ulerikas Vater nicht an Allah glaubte, konnte sich seine Art von Moral nur durch den Islam halten.

Tausende Ehrenmorde jährlich...

Die Vereinten Nationen (UN) gehen davon aus, dass jährlich mindestens 5000 Frauen und Mädchen im Namen der Ehre getötet werden. Und die Dunkelziffer liegt höchstwahrscheinlich noch viel, viel höher. Dabei geschieht es nicht nur in fernen islamischen Ländern wie dem Iran oder der angeblich laizistischen Türkei. Ulerikas Beispiel zeigt, dass es auch hier in Deutschland passiert. Hanife Gashi ist eine jener Frauen, die gegen den Schmerz und die Angst aufstehen und gegen diese Morde eintreten. Mit Hilfe der Frauenrechts-Organisationen „Terre des Femmes“ schrieb sie dieses nahegehende Buch, um alle Frauen zu warnen: Steht auf und wehrt euch!

(Rezensiert am: 2005-06-13)

Hanife Gashi, Sylvia Rizvi: Mein Schmerz trägt deinen Namen. Ein Ehrenmord in Deutschland, Rowohlt Verlag, Februar 2005, ISBN-13: 9783498024994, 16.90 €


BuchTest Services



Bookmark and Share


powered by eurobuch.com

Politik | Länder & Kulturen | Job & Karriere | Mensch & Leben | Philosophie |



© Copyright Buchtest.com Impressum Kontakt Buchtest.com Buchkritiken und Buchrezensionen Online

Buchkritiken | Rezensionen | Besprechungen | Autoren-Interviews

World Wide Web BuchTest

Startseite | Redaktion | Blog | Links | Kontakt
Hier könnte Ihre Werbung stehen.

BuchTest.de ist ein anspruchsvolles Online-Medium mit mehreren Tausend Lesern monatlich. Unsere Zielgruppe sind gebildete Menschen im besten Alter.

BuchTest.de erscheint in der Regel bei allen besprochenen Büchern unter den ersten drei bis fünf Suchergebnissen bei Google. Der hohe PageRank und der umfangreiche Traffic von BuchTest bringt Ihrer Webseite den richtigen Push.

Kontaktieren Sie uns jetzt für günstige Werbung: info@buchtest.de